Der Altenrheiner, der in halb Europa baut, ist siebzig geworden

Max Dudler, Ostschweizer Architekt mit Hauptbüro in Berlin, zählt zu den berühmtesten Baumeistern im deutschsprachigen Raum. Architektur sei wie Rock'n'Roll, hat der Rolling-Stones-Fan einmal gesagt: «Man macht es ganz oder gar nicht.» Und so schaltet Dudler ähnlich wie Mick Jagger & Co auch im sogenannten Alter keinen Gang zurück.

Marcel Elsener
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Weit ist die Aussicht am Bodenseeufer, so weit wie selten sonst in der Schweiz. Und weit kann es einer bringen aus dem früheren Fischer- und Flugzeugbauerdorf Altenrhein im Dreiländereck am Rheinspitz. Das beste Beispiel ist der Architekt Max Dudler mit Hauptbüro und Hauptwohnsitz in Berlin, der zu den namhaftesten Baumeistern Europas zählt und seit 1992 in Deutschland und in der Schweiz, aber auch in Belgien, Holland, Österreich und neuerdings Russland zahlreiche «Stadtbausteine» gebaut hat. So nennt er seine klassischen, klar reduzierten, scharf geschnittenen Kuben, meist mit Rasterfassaden aus Natursteinen.

Unentwegt unterwegs zwischen seinen Büros und Baustellen («Ein Architekt muss dort leben, wo gebaut wird»), hat der Spross einer Altenrheiner Steinmetz-Familie, der in Frankfurt und Berlin studierte, den Kontakt zur Ostschweiz nie abbrechen lassen. Diesen Montag ist Dudler siebzig geworden, es gratulierten etwa die NZZ und die FAZ, der hohe Runde dürfte den Rastlosen mit der prächtig zerzausten Frisur tröstend daran erinnert haben, dass die Architektur ebenso jung hält wie die aufgegebene Rock’n’Roll-Karriere (mit Les Clochards, wie seine jugendliche Beatband hiess).

Unter Dudlers besten Bauten finden sich etliche Bibliotheken, seine berühmteste ist das Grimm-Zentrum der Berliner Humboldt-Universität, ein bestechendes Denkgebäude, das auch für Nicht-Studenten den Besuch jederzeit lohnt. Freilich interessiert ihn da die neue St.Galler Bibliothek, für die bald der Wettbewerb ausgeschrieben wird. Er hat zwar mittlerweile schon am Bodensee gebaut, in Romanshorn oder in Arbon (die preisgekrönte Wohnüberbauung Rosengarten), aber bis dato tatsächlich noch nie in St.Gallen. Möglich, dass der grosse Architekt demnächst öfters in der alten Heimat aufkreuzt. Im ehrwürdigen «Baratella» wird man sich freuen – da tafelt er fast so gern wie in seinem Berliner Kultitaliener «Sale e Tabacchi». Salute!