Maurus Candrian verliert seinen Job

ST.GALLEN. Der Entscheid ist gefallen: Maurus Candrian darf nicht mehr für das St.Galler Baudepartement arbeiten. Er ist über ein Mail gestolpert, in dem er den Tod von fünf israelischen Touristen bei einem Attentat in Bulgarien begrüsst hatte.

Daniel Walt
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Ist seinen Job beim Kanton los: Maurus Candrian. (Bild: Archiv/Michael Freisager)

Ist seinen Job beim Kanton los: Maurus Candrian. (Bild: Archiv/Michael Freisager)

"Das ist ein guter Tag in meinem Leben. Ich bin stolz auf die Helden, die die Juden getötet haben." Ein Mail mit diesen Worten schickte Maurus Candrian im Sommer vergangenen Jahres an die israelische Botschaft in Bern. Der St.Galler Ex-CVP-Kantonsrat und Ex-Copräsident der Grünliberalen verlieh darin seiner Freude über ein Selbstmordattentat in Bulgarien Ausdruck. Die Folge: Candrian wurde zunächst wegen Rassendiskriminierung verurteilt – und ist nun auch seine Arbeitsstelle beim St.Galler Baudepartement los. Dort arbeitete er bis dato als Sektionsleiter Umweltverträglichkeitsprüfungen und Planbeurteilung. In einem Communiqué meldet das Baudepartement die einvernehmliche Trennung von Candrian, dessen Verhalten es als rufschädigend und mit den Werten des Baudepartements als nicht vereinbar bezeichnet.

"Erheblich geschadet"
"Das Baudepartement distanziert sich von den Aussagen seines Mitarbeiters in aller Form", heisst es in der Medienmitteilung des Kantons. Die Aussagen seien mit den gelebten Werten des Baudepartementes und der gesamten kantonalen Verwaltung nicht vereinbar. Mit seinem E-Mail an die israelische Botschaft und mit der öffentlichen Bekanntmachung habe Candrian dem Ruf des Baudepartementes erheblich geschadet.

Im letzten Moment gemeldet
Laut dem Kanton ist das Vertrauensverhältnis zwischen dem Baudepartement und Maurus Candrian nachhaltig gestört. "Erschwerend kommt hinzu, dass Maurus Candrian den Fall erst unmittelbar vor der öffentlichen Bekanntmachung dem Baudepartement meldete", heisst es im Communiqué. Das Baudepartement sei zur Überzeugung gekommen, dass eine weitere Zusammenarbeit zwischen Candrian sowie internen und externen Partnern nicht möglich sei. Eine Aufhebung des Arbeitsverhältnisses sei deshalb im Interesse aller Parteien. Candrian arbeitete während 17 Jahren im Baudepartement - der Kanton bezeichnet ihn als einen verlässlichen, fachlich kompetenten und lösungsorientierten Mitarbeiter.

Maurus Candrian wird laut dem Kanton per sofort freigestellt, das Arbeitsverhältnis läuft Ende kommenden Juli aus. "Die Aufhebung des Arbeitsverhältnisses geschieht einvernehmlich", so der Kanton. Die beiden Parteien haben eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

Candrian: "Reinigendes Gewitter"
In einer ersten Stellungnahme äussert Maurus Candrian grundsätzlich Verständnis für das Handeln des Baudepartements und von dessen Chef, Regierungsrat Willi Haag: "Ich kann seinen Entscheid aus einer Gesamtsicht heraus nachvollziehen." Candrian, der sich vergangene Woche für sein nach eigenen Worten "völlig inakzeptables" Mail entschuldigt hat, hält zusätzlich fest, dass er im roten Bereich ausschliesslich formuliert habe, wenn es um Krieg und Völkermord gegangen sei – so etwa die Themenbereiche Irak, Afghanistan und Nahost. "Das schwere Unwetter, welches über mein Leben hereingebrochen ist, betrachte ich als reinigendes Gewitter", so Candrian weiter. Er werde seine Lebensenergien künftig zu 100 Prozent positiv einsetzen.

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