Maturanden sollen das Diplom trotz Corona erhalten: Ostschweizer Mittelschulen bereiten weiterhin Prüfungen vor

Die Bildungsdirektoren haben entschieden: Trotz Corona ist die Matura dieses Jahr möglich, das Prozedere wird noch ausgearbeitet. Ostschweizer Kantonsschulen rechnen nach wie vor damit, dass die geplanten Prüfungen stattfinden.

Adrian Vögele
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Matura mit oder ohne Prüfungen? Diesen Entscheid fällen die Bildungsdirektoren bis Anfang Mai.

Matura mit oder ohne Prüfungen? Diesen Entscheid fällen die Bildungsdirektoren bis Anfang Mai.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Maturandinnen und Maturanden müssen wegen Corona keine Extrarunde befürchten: Sie können ihren Abschluss auf jeden Fall machen und erhalten rechtzeitig ein Abschlusszeugnis, um an weiterführende Schulen zu wechseln oder eine Stelle anzutreten. Das hat die Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK) am Donnerstag beschlossen. Der Entscheid gilt für Gymnasien ebenso wie für Fachmittelschulen und Berufsmaturitätslehrgänge. Noch offen ist, ob Abschlussprüfungen stattfinden. Auf welcher Grundlage die Zeugnisse basieren werden, will die EDK spätestens Anfang Mai entscheiden.

Ostschweizer Kantonsschulen sehen derzeit aber noch keinen Grund, ihre Planung auf den Kopf zu stellen. «Wir setzen unsere Vorbereitungen für die regulären Maturaprüfungen fort», sagt Mathias Gabathuler, Rektor der Kantonsschule am Brühl in St. Gallen. Die Prüfungen sollen Ende Mai starten. Gabathuler rechnet damit, dass sie auch dann stattfinden könnten, wenn die jetzt geltenden Auflagen der Behörden für Social Distancing und so weiter immer noch in Kraft wären. Ein Prüfungsbetrieb, der die Vorschriften einhalte, sei möglich. «Eine Option wäre, dass wir die schriftlichen Prüfungen in Halbklassen durchführen, mit rund zwölf Schülerinnen und Schülern pro Zimmer.»


Auch Stefan Schneider, Rektor der Kantonsschule Romanshorn, sagt: «Wir gehen davon aus, dass die Prüfungen stattfinden.» Es sei auch denkbar, dass die Prüfungen angepasst würden, je nach dem, wie die nationalen Entscheide aussähen. Das Gymnasium Appenzell bereitet sich ebenfalls weiterhin für die regulären Prüfungen vor, die Anfang Juni beginnen sollen. Man halte sich aber bereit, um auf neue Vorgaben der übergeordneten Gremien zu reagieren, sagt Rektor Marco Knechtle.

Rektorenkonferenz berät weiteres Vorgehen

Marc König, Rektor der Kantonsschule am Burggraben St.Gallen, nimmt zu möglichen Szenarien an seiner Schule vorerst keine Stellung. «Das wären Spekulationen.» Zuerst brauche es einen Austausch innerhalb des Kantons. Heute Freitag tagt die Kantonale Rektorenkonferenz, die Frage der Maturaprüfungen ist dabei ein Schwerpunkt.

Die grundlegenden Entscheide der Erziehungsdirektoren-Konferenz zum Abschlussprozedere sind laut König allerdings nicht vor Mitte April zu erwarten. «Der Kanton wird die Zeit bis dahin nutzen, vorbehaltene Entschlüsse vorzubereiten. Damit die einzelnen Schulen rasch nach den EDK-Entscheiden einen klaren Planungsrahmen haben.»

Promotionsordnung wird allenfalls gelockert

Nicht nur für die Maturanden, sondern auch für die Schüler der unteren Jahrgänge an den Ostschweizer Kantonsschulen werden derzeit wegen der Coronakrise Sonderlösungen in der Bewertung diskutiert. Weil Prüfungen und Benotungen im Fernunterricht nicht in gleicher Art und Weise möglich sind wie im Normalfall, stehen Änderungen in der Promotionsordnung zur Debatte.

Probleme mit Praktika an Hochschulen

Auch die Hochschulen haben wegen Corona auf Fernunterricht umgestellt. Dieser stösst dort an Grenzen, wo es um praktische Arbeiten geht. Betroffen sind beispielsweise naturwissenschaftliche Studiengänge an der Fachhochschule Ostschweiz. Laborübungen werden teilweise von Assistenten durchgeführt, die Studierenden schauen per Video zu und lösen entsprechende Aufgaben. «Wo solche Lösungen nicht möglich sind, suchen wir nach Alternativen» sagt Mediensprecherin Eva Tschudi. Nach wie vor hoffe man auf eine Lockerung der bundesrätlichen Massnahmen, «so dass die Praktika auf einen späteren Zeitpunkt geschoben werden und dann allenfalls auch als Blockveranstaltung abgehalten werden könnten». Für Bachelorarbeiten, die auf die Labors angewiesen seien, sei eine Lösung zwingend. Den Studierenden solle möglichst kein Nachteil für die Prüfungen und das Einreichen ihrer Arbeiten entstehen.

Auch die Unterrichtspraktika der Studierenden an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG) sind nicht in regulärer Form möglich. Die Erziehungsdirektoren-Konferenz teilte am Donnerstag mit, dass Kompensationslösungen für den Ausfall der Praktika anerkannt werden. Die PHSG arbeitet nun an der Umsetzung. Zudem prüft sie, gewisse Module auf spätere Semester zu verlegen. «Dies könnte zum Beispiel bei handlungsorientierten Fächern wie technisches Gestalten oder auch im Chemielabor der Fall sein», sagt Rektor Horst Biedermann.
An der Universität St. Gallen finden die meisten Kurse trotz Corona statt. «Wo im Einzelfall Kurse abgesagt werden mussten, weil sie sich nicht im Online-Format durchführen liessen, wurden die Studierenden in alternative Kurse eingeschrieben», sagt Marc Meyer, Direktor Studium und Lehre. Dass Kurse wiederholt oder nachgeholt werden müssten, sei daher «grundsätzlich kein Thema». Die HSG verfolge aber das Ziel, den Studierenden das Absolvieren der Kurse, in welche sie eingeschrieben sind, zu ermöglichen. Das gilt laut Meyer auch für jene, die für Militär, Zivildienst oder Zivilschutz aufgeboten wurden. Wer im Dienst ist, kann Prüfungen auch später absolvieren, ohne Nachteile bezüglich Studienzeitbegrenzung oder zusätzlicher Studiengebühren.
Ob und wie bevorstehende Prüfungen durchgeführt werden, ist an den Hochschulen noch weitgehend offen. (av)