Matura auf International

An der Kantonsschule am Burggraben startet in diesem Sommer erstmals eine Klasse, die das International Baccalaureate ablegen wird. Im Gegensatz zur Matura ist dies ein Abschluss, der sich international vergleichen lässt.

Julia Barandun
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Diese Schüler legen im Sommer ihre Matura ab. In vier Jahren werden die ersten nebst der Matura auch das «International Baccalaureate» machen. (Bild: Michel Canonica)

Diese Schüler legen im Sommer ihre Matura ab. In vier Jahren werden die ersten nebst der Matura auch das «International Baccalaureate» machen. (Bild: Michel Canonica)

ST. GALLEN. Zurzeit besucht die zwölfjährige Amely Walser noch das zweite Untergymnasium an der Kantonsschule am Burggraben St. Gallen. Nach den Sommerferien tritt die Rebsteinerin in die erste Gymnasialstufe über. Und in viereinhalb Jahren werden ihr die Tore zu Universitäten auf der ganzen Welt offenstehen. Amely Walser hat sich nicht für eine traditionelle Matura entschieden, sondern für eine bilinguale Ausbildung, bei der sie nebst der Matura auch das International Baccalaureate (IB) ablegen wird. Wer dieses erfolgreich besteht, vereinfacht sich die Aufnahme an renommierte Universitäten auf der ganzen Welt. Um das Diplom zu erhalten, müssen nebst traditionellen Schulfächern auch kreative, sportliche und soziale Aktivitäten vorgewiesen werden.

Für die IB-Klasse hat sich Amely Walser entschieden, da ihr danach alles offensteht und sie auf der ganzen Welt studieren kann. «Nach der Matura kann ich mir vorstellen, etwas in Richtung Medizin zu machen», sagt die Schülerin. Definitiv sei das aber noch nicht. Das IB hält ihr alle Möglichkeiten für die Zukunft offen. Amely ist sich bewusst, dass das spezielle Programm auch von ihr mehr verlangt: «Es wird sicher eine zusätzliche Belastung sein. Aber man hat auch etwas davon.»

Ein befristeter Versuch

«Bilinguale Klassen führen wir schon lange – der IB-Lehrgang geht nun noch einen Schritt weiter», erklärt Prorektor Markus Rudolf, Administrator des neuen Lehrgangs. Der Erziehungsrat hat vorerst einen befristeten und auf eine Klasse beschränkten Schulversuch bewilligt. In der Ostschweiz ist die Kantonsschule am Burggraben die erste öffentliche Schule, die das IB anbietet – weltweit sind es über dreieinhalbtausend öffentliche und private Schulen. Nebst dem Unterricht auf Englisch stellt die International Baccalaureate Organization klare Forderungen betreffend der Stundendotation von Fächern wie Deutsch, Englisch, Biologie oder Physik, Französisch, Geschichte und Mathematik. «Wir mussten in der Stundentafel nur geringe Anpassungen vornehmen, da sich die IB-Stundendotationen gut mit denen unserer Schwerpunkte im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich decken», hält Rudolf fest. Da es eine solch grosse Übereinstimmung gebe, würden auch fast keine zusätzlichen Kosten anfallen.

Zum Spezialprogramm gehören aber auch ein Kurs, der zu kritischem und internationalem Denken anregen soll, sowie die Teilnahme am Programm für Kreativität, Aktivität und Sozialdienst. Wie die Umsetzung dieser Angebote konkret aussehen soll, sei derzeit in Planung, sagt Rudolf. «Die ersten IB-Lektionen werden in zweieinhalb Jahren stattfinden, wenn Amely und ihre Klassenkameraden in die dritte Gymnasialstufe übertreten.» Bis dahin würden etwa zehn Kantonsschullehrer eine Weiterbildung absolvieren, sagt Rudolf. Dabei werden sie von der Ria & Arthur Dietschweiler Stiftung unterstützt.

International im Vergleich

«Für die Schulentwicklung ist das IB etwas Zentrales», sagt Rektor Marc König. «Es ist der Kern dessen, was ein Gymnasium vermittelt: Studierfähigkeit und Persönlichkeitsbildung.» Er hoffe, dass damit sowohl eine neue Schülerhaltung als auch eine neue Lehrerrolle gefördert werde. Von den Schülern werde mehr selbständiges Arbeiten und Eigeninitiative verlangt, während die Lehrpersonen eine vermittelnde und begleitende Rolle einnehmen würden, sagt König.

2019 werden die ersten Schüler an der Kantonsschule am Burggraben die IB-Prüfung ablegen – einen Monat vor der Maturitätsprüfung. Im Gegensatz zu dieser wird die IB-Prüfung von den Lehrern weder konzipiert noch bewertet. Das übernimmt die International Baccalaureate Organization, womit ein internationaler Vergleich möglich ist. Diesem will sich die Kantonsschule am Burggraben auch stellen. «Das IB an unserer Schule einzuführen, dient ausserdem dazu, zu zeigen, dass unsere Matura den Vergleich nicht scheuen muss.»

Entwicklung der ganzen Schule

König ist sich bewusst, dass es ein Problem sein kann, wenn eine private Organisation den Lehrplan und die Prüfungen diktiert. Die Kantonsschule sei jedoch nicht auf das IB-Programm angewiesen und könne jederzeit aussteigen. Er geht davon aus, dass in Zukunft ein Teil der Schüler das IB ablegen wird – aber keinesfalls alle. «Viel wichtiger schätze ich die ausstrahlende Wirkung ein: Die Lehrer, welche die spezielle Weiterbildung absolviert haben, werden auch in anderen Klassen unterrichten und die neuen Methoden dort anwenden. Die Entwicklung der ganzen Schule wird dadurch gefördert», sagt der Rektor.