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Mit dem Handy in die Schule: Was in der Ostschweiz erlaubt ist

Der Kanton Waadt testet ein Handyverbot in Primar- und Sekundarschulen. In der Ostschweiz entscheidet jede Schule selber, wann das Smartphone erlaubt ist. Derzeit werden vielerorts Verbote gar gelockert.
Ursula Wegstein
Einerseits sollen die Schüler im Umgang mit Computer und Smartphone kompetent werden, andererseits darf das Handy nicht vom Unterricht ablenken. (Bild: Getty)

Einerseits sollen die Schüler im Umgang mit Computer und Smartphone kompetent werden, andererseits darf das Handy nicht vom Unterricht ablenken. (Bild: Getty)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Das Handy gehört heute zum Alltag wie das Auto und die Armbanduhr. Fast ­jeder hat eines. Das ist unter Schülern nicht anders. Das Alter der Handybesitzer sinkt stetig, was die Schulen zunehmend herausfordert – insbesondere die Volksschulen. Nachdem kürzlich Frankreich ein gesetzliches Handyverbot an Schulen bis zum Alter von 15 Jahren eingeführt hat, zieht nun das Waadtland nach – zunächst mit einer viermonatigen Testphase in den Primar- und Sekundarschulen (siehe Kasten). Demzufolge ist das Handy in der Schule verboten, es sei denn, die Lehrperson gestattet es für Unterrichtszwecke.

Handyverbot als Pilotprojekt

Seit diesem Schuljahr wird an zehn Waadtländer Volks- und Sekundarschulen das absolute Handyverbot getestet: Im Unterricht, auf den Gängen und in den Pausen ist das Handy verboten. Die Mittagspause ausgenommen. Ausnahmen soll es im «explizit pädagogischen Kontext» geben. Dies soll laut der zuständigen Bildungsdirektorin die Konzentration und Aufnahmefähigkeit im Unterricht erhöhten sowie den Austausch in den Pausen verbessern. Nach der viermonatigen Testphase fliessen die Erfahrungen in eine Verordnung ein, die dann für alle Volksschulen im Kanton gilt. (uw)

Jede Schule, wie sie mag

In der Ostschweiz bestehen zum Umgang mit dem Handy keine Leitlinien. Zwar ist Bildung Kantonshoheit. Aufgrund der bestehenden Teilautonomie kann aber jede Schulgemeinde beziehungsweise Schule ihre eigenen Regeln aufstellen: Während manchenorts das Handy im Schulzimmer deponiert werden muss, muss es anderswo komplett ausgeschaltet werden oder lautlos in der Tasche stecken. Andere erlauben es auf dem Pult oder als Nachschlagewerk. ­Erfahrungen machen die Regeln.

In der Stadt St.Gallen wurde die frühere Verbotspraxis vor kurzem gelockert, schreibt Marlis Angehrn, Leiterin Schule und Musik. Die Lehrpersonen, die Schulleitung und die Leitung Tagesbetreuung können die Nutzung von Handys auf dem Schulareal erlauben. «Kinder und Jugendliche müssen eine eigentliche Medienbildung erhalten. Da helfen Verbote leider nicht weiter», so Angehrn. Zur Sensibilisierung der Kinder für ­Gefahren brauche es auch den Mut von Eltern und Schule, nicht wegzusehen, sondern mögliche Gefahren als solche zu benennen.

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«Ein Verbot, das nicht kontrollierbar ist, bringt nichts»

Ähnlich sieht das Heinz Leuenberger, Präsident des Verbands Thurgauer Schulgemeinden und Schulpräsident in Erlen. «Es braucht eine klare Haltung, die mit den Schülern thematisiert werden muss», sagt er. Die Sensibilisierung sei Dauerthema im Rahmen des IT-Unterrichts. «Es ist die Aufgabe der Schule, die Schüler zu mündigen und sozialkompetenten Menschen zu erziehen. Verbote, die nicht kontrolliert werden können, machen keinen Sinn,» sagt Leuenberger. Im Unterricht darf das Handy in der Sek Erlen nicht benutzt werden. Gearbeitet wird mit Laptop und iPad. In den Aufenthaltsräumen, Toiletten, auf den Gängen und im Freien ist das Handy jedoch erlaubt.

An der Meitleflade der Katholischen Kantonssekundarschule St. Gallen dürfen die Schülerinnen das Handy ausschliesslich während der Mittagspause im Aufenthaltsraum und in einem Gruppenraum nutzen. Regelverstösse unterschreiben die Eltern, und die Schülerin gibt das Handy kurzfristig der Schulleitung ab. Diese Handhabung habe sich seit einigen Jahren bewährt, sagt Schulleiterin Felicitas Egger. «Das Sozialverhalten hat sich seit der Einführung dieser Regeln sichtbar verbessert. Schülerinnen kommunizieren vermehrt direkt statt über das Handy.»

Von Angesicht zu Angesicht statt von Gerät zu Gerät

An der Oberstufe Lindenhof Wil ist der Handygebrauch vor der Schultüre morgens und nachmittags vor Unterrichtsbeginn erlaubt. «Wir möchten, dass die Schüler miteinander in Kontakt kommen. Und zwar von Angesicht zu Angesicht,», sagt Schulleiter Mathias Schlegel. Bei Verstössen müssen die Jugendlichen ihr Handy dem Schulleiter abgeben, Schlegel kontaktiert zudem die Eltern und erklärt ihnen die Regel.

Vor dem Sportunterricht müssen die Schüler das Handy dem Lehrer abgeben. Nach dem Sport erhalten es die Schüler wieder zurück, sobald sie die Garderobe verlassen. «Wir wollen damit verhindern, dass die Schüler in der Garderobe oder beim Duschen fotografieren oder filmen,» sagt Schulleiter Mathias Schlegel. Was Schulreisen und Skilager betreffe, gebe es immer wieder Diskussionen. Man hätte lieber keine Handys im Lager, möchte sich aber auch nichts vorwerfen müssen, sollte einmal etwas passieren.

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