MASSNAHMEN: Die Kesb haben weniger zu tun

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden im Kanton ordneten 2016 weniger Massnahmen als im Vorjahr. So wurden auch weniger Kinder in Heimen oder Pflegefamilien untergebracht.

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Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden standen schon bald nach ihrer Einführung 2013 unter Beschuss. Nach mehreren umstrittenen Fällen wurde ihr Name national zu einem Schimpfwort. Inzwischen ist die Debatte merklich abgeflaut; von der einst flächendeckenden Kritik ist nicht viel übriggeblieben. Auch die vor über zwei Jahren angekündigte nationale Initiative gegen die Kesb kommt nicht vom Fleck. Damals an vorderster Front dabei: die St. Galler SVP-Nationalrätin Barbara Keller-Inhelder. Seither wurde der Start der Unterschriftensammlung immer wieder verschoben. Wann es nun tatsächlich losgehen wird, steht in den Sternen. Die neusten Zahlen der Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz zeigen: Die Kindesschutzmassnahmen sind 2016 gesamtschweizerisch um 4,5 Prozent gestiegen; das entspricht der langjährigen Entwicklung seit 1996. Die Kritiker der Kesb monierten wiederholt eine «Explosion» der Massnahmen, seit die neuen Behörden aktiv sind.

Gestern nun haben die neun regionalen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden im Kanton St. Gallen ihre Zahlen für 2016 veröffentlicht. Dabei zeigt sich: St. Gallen liegt quer zum nationalen Trend; es wurden 2016 weniger Massnahmen für Kinder wie auch für Erwachsene angeordnet als im Vorjahr. Von 1000 Kindern im Kanton waren durchschnittlich 28 von einer Massnahme ­betroffen; bei den Erwachsenen waren es 12 von 1000.

Ein Drittel aller Pflegeeltern sind Verwandte

Ein Vorwurf, mit dem die Kesb häufig konfrontiert ist: Sie entreisse den Familien die Kinder. 2016 wurden 279 Kinder in einem Heim oder einer Pflege­familie untergebracht – das sind neun Prozent aller Massnahmen, welche die Kesb anordnete. Im Vorjahr waren es 288 Kinder gewesen. Ein Drittel aller Pflegeeltern sind Verwandte, oft sind es die Grosseltern. In zehn Fällen wurde die elterliche Sorge entzogen, in 83 Fällen wurde ein Vormund eingesetzt.

Die weitaus häufigste Massnahme ist die Errichtung einer Beistandschaft. Dies sei dann ­nötig, wenn die Eltern – oft aufgrund eigener Probleme – mit der Erziehung überfordert sind oder wenn die Kinder von Konflikten der Eltern übermässig betroffen sind, schreibt der Kanton. Beistandschaften machen drei Viertel aller getroffenen Massnahmen aus. Insgesamt waren 2636 Kinder und Jugendliche von einer Massnahme betroffen – 3,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Zahl der Erwachsenen, für die eine Massnahme besteht, ging von 4805 ganz leicht auf 4799 zurück. Knapp die Hälfte dieser «Mandate» haben Angehörige oder Privatpersonen übernommen und werden nicht von Berufsbeiständen geführt.

Längst nicht auf jede Meldung an die Kesb wird auch eine Massnahme angeordnet; in 42 Prozent ist dies nach nationalen Schätzungen nicht der Fall.

Regula Weik

regula.weik

@tagblatt.ch