Massentests
Spuckt jetzt auch die St.Galler Kantonsverwaltung regelmässig ins Röhrchen?

400 St.Galler Unternehmen lassen ihre Mitarbeitenden regelmässig, präventiv testen. Auch der Kanton sollte seine gesamte Belegschaft repetitiv testen lassen, findet die Grüne Kantonsrätin Tanja Zschokke. Schliesslich habe er eine Vorbildfunktion. Doch tut er es auch?

Regula Weik
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Die Tests aus Betrieben müssen im Labor untersucht werden.

Die Tests aus Betrieben müssen im Labor untersucht werden.

Bild: Patrick Huerlimann

Einer der grössten Arbeitgeber im Kanton St.Gallen ist dieser selbst. Die Teilnahme der Staatsverwaltung an regelmässigen Coronatests scheitert also nicht an der Mindestzahl der Mitarbeitenden. Mindestens 20 müssen es nämlich sein, wenn ein Unternehmen an den Betriebstestungen teilnehmen will. Der Kanton könnte also. Doch will er auch?

Tanja Zschokke, St.Galler Kantonsrätin der Grünen.

Tanja Zschokke, St.Galler Kantonsrätin der Grünen.

Bild: Benjamin Manser

Das hat sich auch Tanja Zschokke, Kantonsrätin der Grünen, gefragt und einen Vorstoss eingereicht.

«In seiner Vorbildfunktion sollte auch der Kanton seine gesamte Belegschaft repetitiv testen lassen.»

Und weiter sagt die Parlamentarierin:

«Das müsste auch im Sinne des Kantons sein.»

Denn er schreibe auf seiner Website, dass jede Person, die sich testen lasse, mithelfe, das Verbreitungsrisiko zu vermindern.

Kein genereller Aufruf – wie viele nehmen dennoch teil?

Nun liegt die Antwort der Regierung vor. Sie liefert einen Zwischenstand und hält fest:

«Ein genereller Aufruf zur Beteiligung des Verwaltungspersonals an repetitiven Tests wäre unverhältnismässig und nicht zielführend.»

Denn: «Vor dem Hintergrund der bestehenden Schutzkonzepte, der nach wie vor geltenden Homeoffice-Pflicht und der Vielzahl von Einzelbüros in der kantonalen Verwaltung kann höchstens für ausgewählte Bereiche von einem allenfalls erhöhten Übertragungsrisiko ausgegangen werden.»

Doch diese Auskunft ist noch nicht abschliessend, sondern vielmehr ein Zwischenstand. Denn aktuell laufe bei den Departementen und der Staatskanzlei eine Umfrage. Es soll geklärt werden, «wo es allenfalls sinnvoll wäre, repetitive Tests durchzuführen».

Auf Zschokkes Frage, ob gewisse Abteilungen grundsätzlich von der Testmöglichkeit ausgeschlossen seien und aus welchen Gründen, schreibt die Regierung:

«Selbstverständlich steht es den einzelnen Departementen, der Staatskanzlei und Institutionen frei, sich für freiwillige Massentestungen anzumelden.»

Zschokke wird sich dennoch etwas gedulden müssen, bis alle ihre Fragen beantwortet sind. Denn sie wollte auch wissen, wie viele Mitarbeitende an den Tests teilnehmen.

Dort sinnvoll, wo Schutzkonzepte nicht eingehalten werden können

Die Regierung erklärt in ihrer Antwort nochmals die Teststrategie des Kantons: Er setzt auf gezieltes Ausbruchstesten und auf regelmässige Tests in gewissen Personengruppen. In Unternehmen seien regelmässige, präventive Tests bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern primär dort sinnvoll, wo Schutzkonzepte nicht eingehalten werden können oder das Übertragungsrisiko trotz Schutzkonzept erhöht ist.

Ziel des freiwilligen, repetitiven, präventiven Testens in Betrieben sei es, Infektionsketten zu unterbrechen. Die Bereitschaft und das Verständnis der Mitarbeitenden, sich in solchen Situationen testen zu lassen, sei dementsprechend gross, schreibt die Regierung. Und sie hält weiter fest:

«Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass in Betrieben, wo mehrere Personen positiv getestet wurden, die Übertragung in der Freizeit stattfand.»

Dies habe man jeweils durch ein detailliertes Contact-Tracing aufzeigen können.