Massentests
400 St.Galler Firmen wollen ihre Mitarbeitenden regelmässig testen lassen – doch wie steht es mit der Kantonsverwaltung?

38'700 Unternehmen gibt es im Kanton St.Gallen, 400 haben sich für das regelmässige, präventive Testen ihrer Mitarbeitenden angemeldet. Die Beteiligung ist damit tief. Geht der Kanton als gutes Beispiel voran? Spucken die Mitarbeitenden der Staatsverwaltung regelmässig ins Röhrchen?

Regula Weik
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Eine Fachperson erklärt einen Speicheltest.

Eine Fachperson erklärt einen Speicheltest.

Bild: Peter Schneider / KEYSTONE

400 Unternehmen sind dabei – bei den im Kanton nach Ostern angelaufenen Betriebstestungen. Aktuell lässt sich rund ein Zehntel der Arbeitnehmenden im Kanton regelmässig testen – freiwillig. Die Beteiligung sei aktuell «viel zu tief», bedauert Markus Bänziger, Direktor der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell. Er ist denn auch enttäuscht, dass dafür kein Anreiz geschaffen wird. «Wir hätten uns klar gewünscht, dass die Homeoffice-Pflicht für alle jene Betriebe aufgehoben wird, die sich an den Betriebstestungen beteiligen», sagte Bänziger diese Woche im Nachgang zu den Lockerungsschritten des Bundesrats. An der Homeoffice-Pflicht hält die Landesregierung weiterhin fest.

Die geringe Resonanz ist nicht oder nicht nur dem Desinteresse der Betriebe geschuldet. Es gibt einige Hürden. So lässt St.Gallen nur Firmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden an den regelmässigen Tests teilnehmen. 38'700 Unternehmen gibt es im Kanton. 34'500 Betriebe haben weniger als zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – damit ist der überwiegende Teil der Unternehmen vom hiesigen Testregime ausgeschlossen. Für kleinere und mittlere Unternehmen ist es einfacher, Mitarbeitende, die Symptome zeigen, vom Hausarzt oder in einer Apotheke testen zu lassen.

Vorbildfunktion des Kantons

Tanja Zschokke, St.Galler Kantonsrätin der Grünen.

Tanja Zschokke, St.Galler Kantonsrätin der Grünen.

Bild: Benjamin Manser

Einer der grössten Arbeitgeber im Kanton ist dieser selber. Die Teilnahme der Staatsverwaltung an den regelmässigen Tests für Betriebe scheitert also nicht an der Mindestzahl von Mitarbeitenden. Daher die Frage: Nimmt die Kantonsverwaltung daran teil? Das hat sich auch Tanja Zschokke, Kantonsrätin der Grünen, gefragt und dazu diese Woche einen Vorstoss eingereicht. «In seiner Vorbildfunktion sollte auch der Kanton seine gesamte Belegschaft repetitiv testen lassen – selbstverständlich auf freiwilliger Basis für die einzelne Mitarbeiterin, den einzelnen Mitarbeiter», so Zschokke. Und weiter:

«Das müsste auch im Sinne des Kantons sein.»

Denn er schreibe auf seiner Website, dass jede Person, die sich testen lasse, mithelfe, das Verbreitungsrisiko zu vermindern.

«Die Kantonsverwaltung könnte so selber einen Beitrag zur Eindämmung der Coronapandemie leisten.»

«Es wird derzeit abgeklärt»

Der Vorstoss von Zschokke ist noch nicht beantwortet. Eine Nachfrage beim Kanton bringt allerdings bereits eine erste Klärung: Es werde derzeit geprüft, «ob und in welchem Rahmen respektive bei welchen Einheiten die Verwaltung präventive Testungen durchführen wird».

Kantonsrätin Zschokke wird sich wohl noch etwas gedulden müssen, bis ihre im Vorstoss aufgeworfenen Fragen beantwortet werden. Sie will nämlich auch erfahren, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den regelmässigen, präventiven Tests teilnehmen. Ob die Möglichkeit für die gesamte Kantonsverwaltung bestehe. Und falls nicht, aus welchen Gründen gewisse Abteilungen ausgeschlossen seien.