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«Marvel Boy» kommt ins Fernsehen

Nächsten Dienstag stellt der Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus seine Erfindung den Investoren der Vox-Sendung «Höhle der Löwen» vor. Auf die Idee mit dem Eisroboter kam er auf einer Reise.
Chris Gilb
Matthias Gehring mit einer Testperson vor seinem Roboter an der Schlaraffia in Weinfelden. (Bild: Reto Martin)

Matthias Gehring mit einer Testperson vor seinem Roboter an der Schlaraffia in Weinfelden. (Bild: Reto Martin)

Normalerweise retten die Superhelden der Marvel-Comic-Serien wie beispielsweise Hulk die Welt. Matthias Gehrings Superheld aber zapft Eis. Es ist ein selbstentwickelter Roboter namens «Marvel Boy». Der Präsident der Thurgauer Gemeinde Hauptwil-Gottshaus wollte 2012 eigentlich nur durch eine Food Messe in der Nähe seines Hotels in Peking flanieren. Doch dann entdeckte er einen Roboter und blieb stehen: «Ich war begeistert, wie dieser autonom Hot-Dogs zubereitete.» Gehring, der Wirtschaftsinformatik studiert hatte und schon immer gerne tüftelte, war sofort Feuer und Flamme. «Ich überlegte mir, wie es wäre, wenn der Roboter statt Hot-Dogs Softeis produzieren würde. Ich war mir sicher, dass Kinder davon begeistert sein würden.» Sein Roboter sollte aber nicht nur auf Bestellung selbständig Eis zapfen, sondern auch mittels einer kleinen Tanzeinlage zum Kauf des Produkts animieren.

Mit chinesischem Know-how gebaut

Der 37-Jährige, der seit 2011 im Amt ist, flog nach Hause und später zwei weitere Male nach China. Statt wie üblich europäisches Know-how an die Chinesen weiterzugeben, machte er es umgekehrt. Gehring liess sich in die Technik einweihen, die hinter dem Roboter steckt. «In der Uhrenindustrie wird der Arm des Geräts eingesetzt, um Zahnräder zu fräsen.» Gehring nahm sein Gespartes und suchte auf der ganzen Welt die passenden Firmen zur Produktion seines Roboters zusammen. Nach rund einem Jahr entstand ein Prototyp, der teilweise in China und der Schweiz produziert wurde. «Vom chinesischen Unternehmen von der Messe stammt der Glaskasten, in dem der Roboter mit Unterstützung einer herkömmlichen Softeis-Maschine wirkt und durch den er den Kunden das Eis entgegenstreckt.» Dieses können sich die Kunden in verschiedenen Sorten und mit drei unterschiedlichen Saucen mittels Touchscreens bestellen. Nicht alle seien anfänglich von seinem ambitionierten Projekt begeistert gewesen, sagt Gehring. Der Gemeindepräsident polarisiert oft mit seinen gewagten Projekten. Vergangenes Jahr hatte der Gemeinderat unter seiner Leitung entschieden, einen Strassenabschnitt mit grünen Streifen abzugrenzen, um diesen Bereich für die Fussgänger sicherer zu machen. Damit begab sich Gehring auf Konfrontationskurs mit dem Kanton, da eine solche Massnahme nicht den Vorgaben entspricht. Ein anderes Mal liess er sich auf einem politischen Werbeplakat mit seiner Hündin abbilden, was ein Mitbewerber kritisierte. «Ich bin einer, der etwas wagt, stelle mich aber anschliessend auch der Kritik», sagt Gehring. Grundsätzlich sei sein «Marvel Boy» gut angekommen. Bereits seit zwei Jahren ist der Prototyp im Einsatz. Vertrieben wird er über eine Catering-Firma. Mehrere Unternehmen mieteten ihn schon für Veranstaltungen. Dabei soll es in Zukunft nicht bleiben.

1100 Glace an der Gewerbemesse verkauft

Am Dienstag, 25. Oktober, 20.15 Uhr, ist der umtriebige Gemeindepräsident in der Vox-Unterhaltungssendung «Höhle der Löwen» zu sehen. Firmengründer können dort fünf bekannten deutschen Investoren, den «Löwen», ihre Ideen vorführen. Wer sie mit seinem Konzept überzeugt, wird unterstützt und profitiert von ihrem Netzwerk. «Ich habe mich im Februar für die Sendung angemeldet.» Aus dem Bereich Robotik hätten sie noch nie ein Produkt dabei gehabt, «deshalb konnte ich schon drei Wochen später zur Aufnahme ins Studio fahren», berichtet Gehring. In der Sendung wird er 30 Prozent seiner Firma anbieten, im Gegenzug erhofft er sich eine Geldspritze von 250 000 Euro. Mit dieser will er ins Marketing investieren, aber auch die Produktionskosten reduzieren. Der Roboter hat einen Stückpreis von 150 000 Franken.

Ist «Marvel Boy» massentauglich? «Glace essen alle gerne», sagt Gehring. Nachdem sich die erste Person an einer Gewerbemesse ein Glace bestellt habe, wollten alle eins. 1100 Glace habe der Roboter so schon an dieser Messe abgesetzt. Und wenn «Marvel-Boy» gerade nicht zapft, tanzt er zum Lied «Gangnam Style». «Ich musste ihm jede Bewegung einzeln beibringen, das war anstrengend.» Ob der Roboter die Investoren überzeugt hat, darf Gehring vor dem Dienstag nicht verraten. «Unabhängig vom Ausgang gibt es keine günstigere und wirkungsvollere Werbemöglichkeit als ein Fernsehauftritt.»

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