Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

28 Millionen Franken für den neuen St.Galler Marktplatz – das Volk stimmt über die Grobkosten ab

Am 17. Mai 2020 kommt die Neugestaltung von Marktplatz und Bohl zum dritten Mal an die Urne. Der St.Galler Stadtrat beantragt beim Stadtparlament einen Verpflichtungskredit in der Höhe von rund 27,7 Millionen Franken, um den Siegerbeitrag «Vadian» aus dem Ideenwettbewerb umzusetzen.
Daniel Wirth
Das freigespielte Areal im Bereich Marktplatz und Marktgasse könne so für eine Bündelung des Wochen- und Bauernmarkts sowie für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden, schreibt die Stadt St.Gallen in einer Medienmitteilung. (Bild: Visualisierung)

Das freigespielte Areal im Bereich Marktplatz und Marktgasse könne so für eine Bündelung des Wochen- und Bauernmarkts sowie für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden, schreibt die Stadt St.Gallen in einer Medienmitteilung. (Bild: Visualisierung)

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Die geplante Neugestaltung von Marktplatz und Bohl wird auf 33,9 Millionen veranschlagt. Dabei handelt es sich um Grobkosten, in der auch eine Abweichung von 25 Prozent und die Mehrwertsteuer von 7,7 Prozent enthalten sind, wie Stadträtin Maria Pappa, Vorsteherin der Direktion Planung und Bau, und Stadtplaner Florian Kessler gestern vor den Medien sagten. Der Stadtrat hat die Parlamentsvorlage mit 20 Seiten verabschiedet und beantragt dem Stadtparlament noch diesen Herbst einen Verpflichtungskredit von rund 27,7 Millionen Franken; das sind die Kosten, die die Stadt nach Abzug von Beiträgen Dritter (Kanton, Appenzeller Bahnen, Verkehrsbetriebe) zu tragen hat. Der vorgesehene Zeitplan ist sportlich (siehe Text unten).

Dass sich der Stadtrat bei diesem Geschäft ausnahmsweise für das Einholen eines Rahmenkredits und nicht für einen Projektkredit entschied, hat freilich eine Vorgeschichte: Im Mai 2011 und im März 2015 schickten die Stimmberechtigten der Stadt Vorlagen für die Sanierung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt relativ deutlich bachab. Für den dritten Anlauf, der nun in die entscheidende Phase kommt, wählte der Stadtrat 2016 ein partizipatives Verfahren. Es gab eine öffentliche Infoveranstaltung und mehreren Marktplatz-Foren. Das Ganze wurde von Michael Emmenegger, einem erfahrenen externen Fachmann begleitet mit dem Resultat: 2018 wurde ein anonymer Ideenwettbewerb ausgeschrieben. Es obsiegten Lorenz Eugster, Landschaftsarchitekt und Städtebau in Zürich, Brassel Architekten in Zürich und Flühler Architektur in St.Gallen mit ihrem Projekt «Vadian» («Tagblatt» vom 20. Januar 2019). Laut Kessler schaffe «Vadian» Raum und die Möglichkeit, den Marktplatz und den Bohl zu beleben.

Zuerst das Geld einholen und erst später an

Details arbeiten 2011 und 2015 legte der Stadtrat dem Stimmvolk jeweils ein pfannenfertiges Projekt vor, dieses Mal ist es erst eine Idee, an der sich die Geister nicht an Details scheiden sollen. Erst wenn die Stimmberechtigten den Rahmenkredit gesprochen haben, machen sich die Planer an die Projektarbeit. Das ersparte bei einem allfälligen dritten Nein die Projektierungskosten, den diese sind im Rahmenkredit enthalten und mussten nicht schon vor der Volksabstimmung eingeholt werden. Als einen weiteren Vorteil dieses Verfahren sehen Pappa und Kessler die Etappierbarkeit der Bauarbeiten. So könne beispielsweise der dringend erforderliche Ersatz des Bodenbelags vorgezogen werden. Gleichzeitig werde ein zweckmässiger Handlungsspielraum im Hinblick auf den Neubau der Kantons- und Stadtbib­liothek beim Blumenmarkt in der «Union» geschaffen.

Und so soll der Bereich Marktplatz/Bohl bei Nacht aussehen. (Visualisierung: pd)

Und so soll der Bereich Marktplatz/Bohl bei Nacht aussehen. (Visualisierung: pd)

Die Kosten für die reine Platzgestaltung betragen 22,57 Millionen Franken, wobei der Strassenbau mit 12,22 Millionen der deutlich grösste Brocken ist. Für die Möblierung und die Bepflanzung des Platzes liegen die Grobkosten bei 2,75 Millionen Franken. Für allfällige archäologische Arbeiten wurden 1,25 Millionen eingestellt. Für eine halbe Million Franken ist ein Speicher- und Regenwasserrückhaltebecken geplant. Für den Bau zweier Marktpavillons anstelle der heutigen Rondelle werden im dritten Marktplatz-Anlauf 7,05 Millionen Franken budgetiert für sonstige Hochbauten 3,55 Millionen Franken. Gut 300000 Franken betragen die Kosten für einen geplanten Brunnen. Wo dieser hingestellt wird, ist offen, wie Maria Pappa auf Nachfrage hin sagte. Für eine halbe Million Franken soll zudem auf dem Marktplatz oder auf dem Bohl Kunst am Bau entstehen. Florian Kessler sagte, hierfür werde ein separater Wettbewerb durchgeführt.

Maria Pappa erwartet keinen Widerstand wie vor vier Jahren

Es gibt viele Fragen, auf die es bei der Abstimmung im Mai nächsten Jahres noch keine Antworten gibt. Dennoch: Auch angesichts des hohen Verpflichtungskredits präsentierten Pappa und Kessler die wichtige Vorlage, auf die die Stadt gespannt gewartet hatte, mit Ruhe und Gelassenheit. Der Grund für ihre Zuversicht, dass die Marktplatz-Neugestaltung im dritten Anlauf durchkommt, liegt im partizipativen Verfahren, in dem das Gewerbe, die Verbände, Anwohner, Markthändler und Taxifahrer eingebunden und abgeholt wurden, wie es Pappa formulierte. Selbst die in der Rondelle eingemieteten Unternehmer hätten nicht gegen den Abbruch opponiert.

Im Mai 2011 wurde die erste Vorlage von den Stimmberechtigten versenkt, weil sie überladen war. Im März 2015 lag der Projektkredit unter dem obligatorischen Finanzreferendum. FDP, SVP, Gewerbe und Wirtschaft ergriffen aber mit Erfolg das Referendum dagegen – auch die zweite Marktplatz-Vorlage wurde von den Stimmberechtigten klar versenkt. Beide Male gaben nicht die Baukosten den Ausschlag für ein Nein.

Ehrgeiziger, aber realistischer Fahrplan

Mit der öffentlichen Präsentation der Parlamentsvorlage ist der politische Entscheidungsprozess für die Neugestaltung von Marktplatz und Bohl gestartet. Gestern Donnerstag ist das Papier den Mitgliedern des Stadtparlaments zugegangen. Es soll das Geschäft am 29. Oktober beraten. Voraussetzung dafür ist, dass seine Liegenschaften- und Baukommission es bis dahin fertig vorberaten hat.

Vorgesehen ist als nächster Schritt nach dem Ja des Parlaments, dass sich der Stadtrat Mitte Januar 2020 mit der Abstimmungsbotschaft auseinander setzt. Die städtische Volksabstimmung ist auf den 17. Mai 2020 angesetzt. Wie heftig der Abstimmungskampf zuvor wird, ist nicht absehbar: Organisierte und breite Opposition scheint aufgrund des partizipativen Prozesses unwahrscheinlich. Ob das so bleibt oder ob es in der Hinsicht zu einer Überraschung kommt, wird sich erst in den nächsten Wochen und Monaten weisen.

Heisst das Volk im Mai 2020 das vorliegende Konzept zur Umgestaltung von Marktplatz und Bohl gut, könnte in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres die Projektierung an die Hand genommen werden. Sie dauert mindestens ein Jahr. In der zweiten Hälfte 2021 soll sich der Stadtrat übers Detailprojekt beugen. Stimmt er zu, wird das Vorhaben samt Verkehrsanordnungen öffentlich aufgelegt. Ob es Einsprachen geben wird, ist heute noch überhaupt nicht einschätzbar. Klar ist, dass ein Rechtsstreit das Potenzial für längere Verzögerungen hat.

Sobald das Umgestaltungsprojekt rechtskräftig ist, wird es dem Bund zum Entscheid über die Mitfinanzierung vorgelegt. Erst wenn die nötigen Vereinbarungen abgeschlossen sind, können die Bauarbeiten gestartet werden. Das wird frühestens 2022 der Fall sein. Die Bauzeit beträgt rund zwei Jahre. Allerdings wird das Vorhaben in Etappen ausgeführt. In der ersten dürften Arbeiten an Werkleitungen und Gleisen sowie an der Calatrava- Wartehalle enthalten sein. Wann die Arbeiten endgültig abgeschlossen werden könnten, sei derzeit schwierig zu sagen, hielt Stadträtin Maria Pappa gestern vor den Medien fest. Dies weil man nicht wisse, wie der Koordinationsbedarf zwischen Marktplatz-Umgestaltung und neuer Bibliothek im «Union» aussehe. (vre)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.