Mann tötet 83-Jährige und verletzt Vater schwer

WALDE. Drama in Walde, einem Dorf in der Gemeinde Eschenbach: Ein 45-jähriger Schweizer hat eine alte Frau getötet und seinen 84-jährigen Vater schwer verletzt. Er schoss zudem einen weiteren Mann an. Der mutmassliche Täter ist gefasst, das Motiv unklar - und der Gemeindepräsident schockiert.

Daniel Walt
Merken
Drucken
Teilen
Blick auf Walde. (Bild: pd)

Blick auf Walde. (Bild: pd)

Eine Tote, ein Schwerverletzter und ein mittelschwer verletzter Angeschossener: Das ist die traurige Bilanz eines Familiendramas, das sich am Donnerstagabend im 250-Seelen-Ort Walde in der Gemeinde Eschenbach ereignet hat. Der mutmassliche Täter wurde nach einer Grossfahndung schliesslich auf dem Seedamm bei Rapperswil verhaftet – es handelt sich um einen 45-jährigen Mann, der wie seine Opfer Schweizer Staatsangehöriger ist.

Blick auf Walde. (Bild: pd)

Blick auf Walde. (Bild: pd)

Nicht die Mutter des Verdächtigen
Alarm geschlagen bei der Kantonalen Notrufzentrale hatte kurz nach 18 Uhr ein 39-jähriger Mann. Er bewirtschaftet in Walde ein Areal selbst und hat ein ganz in der Nähe liegendes Grundstück in Pacht: Er meldete, dass er von einem ihm bekannten Mann angeschossen worden sei. "Beim mutmasslichen Täter handelt es sich um den Sohn des Mannes, dessen Liegenschaft der 39-Jährige gepachtet hat", erklärt Hanspeter Krüsi, Chef Kommunikation der St.Galler Kantonspolizei, auf Anfrage von Tagblatt Online.

Die Polizei rückte sofort aus und fand den Anrufer verletzt im Freien bei seinem Hof. Einige hundert Meter vom Tatort entfernt stiessen die Beamten dann auf den 84-jährigen Vater des Tatverdächtigen – er war in seiner Wohnung von seinem eigenen Sohn offenbar schwer verletzt worden. Vor dem Haus fand sich darüber hinaus die Leiche einer 83-jährigen Frau, die im selben Haushalt wie der Senior lebte. "Bei ihr handelt es sich nicht um die Mutter des Tatverdächtigen", erklärt Hanspeter Krüsi.

Tatort Walde, ein Dorf zwischen St.Gallenkappel und Wattwil. (Bild: Google Maps)

Tatort Walde, ein Dorf zwischen St.Gallenkappel und Wattwil. (Bild: Google Maps)

Vater kämpft um sein Leben
Während der 39-jährige Mann vom mutmasslichen Täter angeschossen worden war, wiesen der 84-jährige Vater des Mannes und die 83-jährige tote Frau keinerlei Schussverletzungen auf, wie Hanspeter Krüsi sagt. Gemäss dem Communiqué der St.Galler Kantonspolizei wurden die beiden betagten Menschen mit massiver Gewalteinwirkung attackiert. Genaueres lässt sich Hanspeter Krüsi nicht entlocken – "wir wollen vom Verdächtigen hören, wie sich alles abgespielt hat", hält er fest. Der Vater des mutmasslichen Täters wurde inzwischen notoperiert. Es gehe ihm schlecht, er befinde sich in sehr kritischem Zustand, sagt Krüsi. Dem 39-jährigen angeschossenen Pächter gehe es den Umständen entsprechend gut, er sei mittelschwer verletzt worden und im Spital.

Keinen Widerstand geleistet
Die Kantonspolizei St.Gallen löste sofort eine Grossfahndung nach dem mutmasslichen Täter aus. Gefasst wurde der Mann kurz vor 20 Uhr von Angehörigen der Kantonspolizei Schwyz, und zwar auf dem Seedamm in Rapperswil-Jona. Hanspeter Krüsi weist eine Meldung des Online-Portals von 20 Minuten, wonach es eine Verfolgungsjagd gegeben habe, zurück: "Beamte der Kantonspolizei Schwyz erblickten das gesuchte Auto. Als der Mann die Polizei sah, hielt er an und leistete bei seiner Verhaftung keinerlei Widerstand." Im Wagen des Mannes, der alleine unterwegs gewesen war, fand sich eine Faustfeuerwaffe – ob der 39-jährige Mann mit ihr verletzt worden war, ist derzeit noch unklar. Sicher ist gemäss Hanspeter Krüsi, dass der mutmassliche Täter mehrere Schüsse auf sein Opfer abgefeuert hat.

Laut Hanspeter Krüsi war der mutmassliche Täter zuvor nicht polizeibekannt. "Wir hatten auch keine Kenntnisse von allfälligen Drohungen, die zuvor ausgestossen worden wären", hält er fest. Gemäss Blick Online soll der mutmassliche Täter gesundheitliche Probleme gehabt und dann auch noch seinen Job verloren haben. Ein Kollege von ihm gab dem Portal zudem zu Protokoll, der Mann habe immer wieder gedroht, dass er seinen Vater und dessen Freundin umbringen werde - er selbst habe es schliesslich aber unterlassen, dies der Polizei zu melden, weil es im Dorf geheissen habe, der Mann sage das immer wieder.

Josef Blöchlinger, Gemeindepräsident. (Bild: Archiv/pd)

Josef Blöchlinger, Gemeindepräsident. (Bild: Archiv/pd)

Tief betroffener Gemeindepräsident
Josef Blöchlinger, Gemeindepräsident von Eschenbach, zeigt sich auf Anfrage tief betroffen vom Familiendrama. "Ich sah am Donnerstagabend noch ein Fahrzeug mit Blaulicht vorbeifahren und dachte mir, es gehe wohl um einen Verkehrsunfall. Nie im Leben hätte ich vermutet, dass ein solches Drama der Grund sein könnte", hält er fest. Blöchlinger, der am Freitagmorgen noch einen Termin ausserorts hatte, fiel deshalb aus allen Wolken, als er im Radio von den Geschehnissen erfuhr. "Das ist einfach nur unfassbar. Ich bin schockiert", hält er fest.

Bei Familiendramen, die sich anderswo abspielten, denke man: "Ist ja verrückt!", sagt Josef Blöchlinger weiter. Und plötzlich sei die eigene Gemeinde betroffen. Er kennt die entsprechende Familie nicht, zumal Walde erst seit Anfang 2013 zu Eschenbach gehört. Zu jenem Zeitpunkt wurden in Walde rund 250 Einwohner gezählt - ein Wert, der gemäss Gemeindeschreiber Thomas Elser auch heute noch mehr oder weniger gelten dürfte. Gemeindepräsident Josef Blöchlinger seinerseits betont: "All unsere Gedanken sind bei jenen, die in irgendeiner Form in die Geschehnisse hineingezogen wurden - den Angehörigen und Mitleidenden."

Spurensuche und Befragungen
Der Tatverdächtige wurde gemäss Hanspeter Krüsi noch in der Nacht befragt – ob der Mann schon ein Geständnis abgelegt hat, will Krüsi nicht sagen. Zum Motiv der Tat herrscht noch Unklarheit. Laut Hanspeter Krüsi wird nun zweigleisig vorgegangen: "Zum einen sichern wir Spuren beim Tatverdächtigen und an den beiden Tatorten. Zum anderen verfolgen wir die Ermittlungsschiene und befragen sämtliche involvierten Personen, um Licht ins Dunkel zu bringen."