Mann bleibt Verwahrung erspart

ST.GALLEN. Ein 47-jähriger Rheintaler, der sich sexueller Handlungen mit Kindern schuldig gemacht hat, wird nicht verwahrt. Er muss sich jedoch einer Therapie unterziehen.

Claudia Schmid
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Vor eineinhalb Jahren hatte das Kantonsgericht St.Gallen den Mann zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt und seine Verwahrung beschlossen. Der Verurteilte appellierte ans Bundesgericht, welches ihm teilweise Recht gab. Deshalb musste das Kantonsgericht den Fall am vergangenen Dienstag neu beurteilen.

Keine Vergewaltigung
In seinem neuen Urteil hat das Richtergremium nun eine Freiheitsstrafe von vier Jahren ausgesprochen. Von einer Verwahrung sieht es ab, jedoch muss sich der geschiedene Autoservicemann einer stationären therapeutischen Massnahme unterziehen. Er sitzt seit bald vier Jahren in Untersuchungshaft. Verurteilt wurde der Mann wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind, mehrfacher Pornografie, Nötigung, Drohung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Im ersten Urteil lautete ein weiterer Schuldspruch auf Vergewaltigung. Dieser Anklagepunkt fiel in der Verhandlung vom Dienstag weg.

Rückfallgefahr beurteilt
Das Bundesgericht hatte in seinem Entscheid die Beweiswürdigung zum Vorwurf der Vergewaltigung beanstandet. Es bemängelte vor allem, die Glaubwürdigkeit des Opfers sei zuwenig überprüft worden.
Bei den ursprünglichen Vorwürfen gegen den Angeklagten ging es darum, dass er in seiner Wohnung in St.Margrethen im Jahre 2006 ein damals 15-jähriges Mädchen vergewaltigt haben soll. Der Mann wies die Anschuldigung zurück. Das Mädchen habe ihm freiwillig einen Gefallen getan, weil er ihr jeweils Marihuana überlassen habe. Ein weiterer Vorwurf lautet auf sexuelle Handlungen mit einem 11-jährigen Kind in einer Badeanstalt. In seiner Wohnung wurde zudem pornografisches Video- und Bildmaterial gefunden.
An der Gerichtsverhandlung hatte ein psychiatrischer Gutachter die Rückfallgefahr des Mannes als hoch einstuft. Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb neben einer Freiheitsstrafe von vier Jahren die Verwahrung des Mannes beantragt. Der Verteidiger forderte eine Gefängnisstrafe von lediglich einem Jahr. Es sei nicht bewiesen, dass überhaupt etwas zwischen seinem Mandanten und dem noch nicht ganz 16-jährigen Mädchen vorgefallen sei, hatte er seinen Antrag begründet.

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