Mann auf Drei Weieren verprügelt: St.Galler Stadtpolizei gibt nach Vorwürfen Fehleinschätzung zu

Bei den Drei Weieren in St.Gallen wurde vergangenen Sommer ein 57-Jähriger zusammengeschlagen. Obwohl er sich bei der Polizei meldete, kam keine Patrouille. Jetzt sagt die Polizei, sie habe einen Fehler gemacht.

Miranda Diggelmann
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Der Vorfall ereignete sich vergangenen Juli bei den Drei Weieren in St.Gallen. (Bild: Michel Canonica/Hanspeter Schiess)

Der Vorfall ereignete sich vergangenen Juli bei den Drei Weieren in St.Gallen. (Bild: Michel Canonica/Hanspeter Schiess)

Ein 57-jähriger Mann ist vergangenen Juli von einem ungefähr 35-jährigen E-Biker bei den Drei Weieren attackiert worden. Als sich der IV-Rentner danach beim Notruf der Polizei meldete, wurde ihm erklärt, eine Patrouille komme nicht mehr vorbei. Der Täter sei ja schon verschwunden. Bevor die Polizei etwas unternehmen könne, brauche es eine Anzeige von seiner Seite. «Ich bin masslos enttäuscht, wie die Polizei reagiert hat. Die Polizei kümmert sich weder um das Einhalten des Fahrverbots bei den Drei Weieren, noch hält sie es für nötig, vorbeizukommen, wenn jemand verprügelt wird», sagte der 57-Jährige damals.

Mediensprecher Dionys Widmer, der das Gespräch zwischen dem 57-Jährigen und der Notrufzentrale mitverfolgt hatte, sagt jedoch: «Die Polizei hat dem Mann mehrmals angeboten, die Sanität vorbeizuschicken, und ihn darauf hingewiesen, dass er Anzeige erstatten soll.»

Erkenntnis fliesst in die Ausbildung

Trotzdem prüfte die Stadtpolizei den Vorfall intern noch ausführlich. Heute bewertet sie die Situation anders. Widmer sagt:

«Im Nachhinein betrachtet würden wir in einem solchen Fall, wenn immer möglich, eine Patrouille senden. So können immerhin schon weitere Details geklärt werden, auch wenn der Täter nicht mehr vor Ort ist.»

Diese Erkenntnis habe die Stadtpolizei vom Vorfall mitgenommen und bereits in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter einfliessen lassen. «Unsere Mitarbeiter wurden darauf sensibilisiert», so Widmer.

Täter konnte nicht gefasst werden

Bei der Attacke letzten Sommer wurde der 57-Jährige am Ellenbogen verletzt, ausserdem hatte er danach am ganzen Körper Prellungen und Schrammen. Einen Tag nach dem Vorfall erstattete der Mann Anzeige gegen Unbekannt (Ausgabe vom 18. Juli 2018). Wie Beatrice Giger, Medienverantwortliche der Staatsanwaltschaft St.Gallen, auf Nachfrage sagt, konnte der Täter bisher nicht ausfindig gemacht werden.

Dieser war dem 57-Jährigen auf einem E-Bike entgegengekommen. Der IV-Rentner ärgerte sich über das Nichteinhalten des Fahrverbots und wies den etwa 35-jährigen E-Biker darauf hin. Jener reagierte aggressiv und attackierte den Mann mit Faustschlägen und Fusstritten. «Erst als ich unten an der Böschung lag, liess er von mir ab und machte sich davon», erzählte das Opfer damals. Das Handy, das der 57-Jährige an diesem Abend bei sich trug, hat er beim Angriff verloren. «Danach habe ich es nicht mehr gefunden. Der Angreifer, der Hochdeutsch sprach, hat es wohl in den Weiher geworfen.» Eine Zeugin hatte die Attacke beobachtet und versuchte den Angreifer mit Worten zu stoppen, doch dieser flüchtete.