Mangnasen-Paparazzi im Hörnlibuck

Erstaunlich, auf welche Ideen die Touristiker in unserer vernachlässigten Ostrandzone kommen! Wir meinen nicht die Expo 2027. Jedoch ein Projekt, das ein Vorbote für die Ostlandesschau sein könnte.

Marcel Elsener
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Der «King of Nose» 2009 vor seiner Klinik in Rorschacherberg. (Bild: ky/Ennio Leanza)

Der «King of Nose» 2009 vor seiner Klinik in Rorschacherberg. (Bild: ky/Ennio Leanza)

Erstaunlich, auf welche Ideen die Touristiker in unserer vernachlässigten Ostrandzone kommen! Wir meinen nicht die Expo 2027. Jedoch ein Projekt, das ein Vorbote für die Ostlandesschau sein könnte. Ein kühnes Vorhaben in Rorschacherberg – einer bekanntlich ärmlichen Gemeinde, die keine Läden und keine Bank mehr hat, dafür unüberbaute Wiesen, ein paar Schlösser und ein kleines, feines Stück Seeanstoss.

Abgeschottete Mangklinik

Ihr bisschen Bodensee im Hörnlibuck nutzen die tüchtigen Bergler optimal: mit einer populären Badi, einem einträglichen Yachthafen und einigen Villengrundstücken, die an reiche Zuzüger verkauft wurden. Allen voran der deutsche Schönheitschirurg Werner Mang, berühmt für seine hübsch modellierten Näschen. Der «Nasenkönig» kaufte sich ein Anwesen mit 250 Metern Seeufer und baute dort seine Schweizer Schnippelfiliale – eine Viertelstunde Bootsfahrt von Lindau, wo er hauptsächlich modelliert. Wunderbares Win-win für alle Beteiligten, mit nur einem Wermutstropfen: Die Mangklinik ist hinter hohen Mauern gar abgeschottet und überhaupt nicht publikumsfreundlich. Dabei gäbe es hier allerhand korrigierte Nasen zu sehen, plus frische Busen, angelegte Ohren, straffe Hintern und tränensackfreie Augen. Und das alles erst noch an Stars und Sternchen, vom Saudiprinzen übers Schlagertussi bis zum Oligarchentöchterchen.

Die Rorschacherbergler machten sich deshalb Gedanken, wie sie die Promiklinik besser verkaufen könnten. Und kamen, gut beraten von Touristikfüchsen, bald auf die Idee, einen Uferweg zu bauen. Damit das Volk spazierend nicht nur über den See schauen könne, sondern landeinwärts auch in die Gärten der Schönen und Reichen – und garament in ein Operationszimmer.

Bootsfahrt als TV-Teaser

Geplant ein simpler Weg, die Wegrechte grösstenteils vorhanden, das Land sowieso. Doch der Weg stiess auf Widerstand: Die Villenbesitzer fühlten sich gestört, wollten kein neugieriges Spaziervolk. Sie drohten mit Millionenklagen. Also gab die Gemeinde friedfertig nach und erträumte neue Projekte – zunächst eine Unterwasserröhre, dann, realistischer, einen Oberwassersteg. Nun liegt ein Stegprojekt vor, das hundert Meter vor dem Ufer tolle Aussichten verspricht. Welche, zeigte am Mittwoch eine Bootsfahrt der «Rundschau» (samt Luftbildern, hallo SRG-Budget!) – ein prächtiger Vorgeschmack, um nicht zu sagen Teaser fürs künftige Seepanorama. Klar kostet das einiges. 5,5 Millionen. Dafür ist alles prima Beton und erdbebensicher. Ein paar Millionen müssen noch draufgelegt werden, für Schadenersatzforderungen, wie ein Nachbar im Auftrag Mangs im TV-Beitrag sagte: Die «namhaften Leute», die von weit her kämen für ihre Operationen, müssten «vor Teleobjektiven im Garten geschützt» werden; es werde Klagen geben.

Das mutige Rorschacherberg muss damit rechnen, aber wird sich nicht beirren lassen. Und wenn der Steg zehn Millionen kostet – Peanuts für die touristische Vision, die am 14. Juni zur Abstimmung kommt. Noch gibt es Kritiker und Neider. Doch wenn dereinst der Steg-Tourismus boomt und Paparazzi die lokalen Hotels füllen, wird niemand mehr von Luxusprojekt sprechen. Mang muss dann halt die Vorhänge ziehen und mehr Bäume pflanzen.