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MAMMUTPROZESS: Lange Haftstrafe für den Boss

Die Anklage beantragt 19 Jahre plus Verwahrung für den Hauptbeschuldigten im Mordfall Kümmmertshausen.
Ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

Nasar M. möchte zurück in den Irak. «Ich will in meiner Heimat sterben», sagte der Hauptbeschuldigte im Prozess Kümmertshausen vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen. Im Mammutprozess um die Tötung eines IV-Rentners im November 2010 geht es diese Woche um das Strafmass. Das Wort haben neben dem Staatsanwalt die Verteidiger. Geht es nach dem Staatsanwalt, dann wird der 48-jährige Nasar M. seine Heimat so schnell nicht wiedersehen. Er beantragt eine Haftstrafe von 19 Jahren und anschliessende Verwahrung. Dabei beruft sich der Staatsanwalt auf zwei Gutachter. Beide kommen zum Schluss, Nasar M. werde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft ähnliche Delikte begehen. Erschwerend hinzu komme eine problematische Persönlichkeitsstruktur, die sich jeder Therapie widersetze.

Bisherige Gefängnisstrafen haben Nasar M. nicht gross beeindruckt. Obwohl bereits in Deutschland einschlägig vorbestraft, hat er trotzdem weiter­gemacht. Die Kreuzlinger Richter haben ihn vor zwei Wochen wegen Anstiftung zum Raub, mehrfacher Erpressung, Menschenschleusung, Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz und Nötigung verurteilt. Freigesprochen wurde er unter anderem vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung. Er habe nicht den Befehl zur Tötung des IV-Rentners gegeben, sondern seinen Trupp nach Kümmertshausen geschickt, um den Mann einzuschüchtern und Drogen zu holen.

Seit sechs Jahren im Gefängnis

Der Verteidiger beantragt eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren ohne Verwahrung. Er kann nicht nachvollziehen, warum der Staatsanwalt den ursprünglichen Strafantrag le­diglich um ein Jahr reduziert hat. Dabei sei sein Mandant von etlichen Anschuldigungen freigesprochen worden, unter anderem von der vorsätzlichen Tötung. «Man will die Ehre des Hauses retten, indem man mit dem Strafmass übertreibt», sagte der Verteidiger. Damit spielte er auf die früheren Staatsanwälte an, die während des Verfahrens ausgewechselt wurden. Sie hatten 20 Jahre plus Verwahrung für Nasar M. beantragt. Auch die Gutachten würden auf überholten Vorwürfen basieren. «Sie sind unbrauchbar.» Sein Mandant sitze seit sechs Jahren im Gefängnis, die meiste Zeit davon habe er in Einzelhaft verbracht. Das müsse strafmindernd gewertet werden. Nasar M. sei ein kranker Mann, die vielen Medikamente hätten seine Leber geschädigt.

Für den Staatsanwalt bleibt selbst nach den Freisprüchen noch eine ganze Reihe von Straftaten bestehen. Die «erhöhte Stellung» von Nasar M. wertet er als strafverschärfend.

In seinem Schlusswort sagte Nasar M.: «Ich glaube an ein gerechtes Urteil des Gerichts. Ich glaube aber nicht an den Staatsanwalt.» Das Gericht verkündet sein Urteil am 12. März.

Ida Sandl

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

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