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MAMMUTPROZESS: Kronzeuge will Urteil weiterziehen

Der Staatsanwalt beantragt im Mordfall Kümmertshausen eine Freiheitsstrafe von neun Jahren für den Kronzeugen. Dieser will das Urteil des Bezirksgerichts Kreuzlingen am Obergericht anfechten.
Ida Sandl
Selten ist der Andrang im Mammutprozess Kümmertshausen so gross wie bei der Urteilsverkündigung am 22. Januar 2018. (Bild: Donato Caspari)

Selten ist der Andrang im Mammutprozess Kümmertshausen so gross wie bei der Urteilsverkündigung am 22. Januar 2018. (Bild: Donato Caspari)

Ida Sandl

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

Noch läuft der Mammutprozess Kümmertshausen vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen und schon kündigt sich die nächste Runde an. Yilmaz B., bekannt als der Kronzeuge, will das Urteil ans Obergericht weiterziehen. Dies eröffnete sein Verteidiger an der gestrigen Verhandlung. Er verzichtete deshalb auf ein Plädoyer zur Höhe der Strafe für seinen Mandanten. Beim jetzigen Stand des Verfahrens sei es nicht möglich, ein angemessenes Strafmass zu fordern.

Der Staatsanwalt hatte zuvor eine Freiheitsstrafe von neun Jahren und vier Monaten für Yilmaz B. beantragt. Für den 39-jährigen Kurden brachte der Prozess eine Kehrtwende. Ursprünglich war er lediglich der Gehilfenschaft an der vorsätzlichen Tötung des IV-Rentners angeklagt. Das Gericht fand nun aber, er hätte dem Opfer helfen müssen. Es verurteilte ihn im Januar wegen eventualvorsätzlicher Tötung durch Unterlassung. Die drei Mitangeklagten sprachen die Richter dagegen vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung frei.

Yilmaz B. war bei sämtlichen Fahrten nach Kümmertshausen dabei, erklärt der Staatsanwalt: «Er wusste von der Gewaltbereitschaft seiner beiden Begleiter.» Die zwei Türken, denen in ihrem Land der Prozess gemacht wird, sollen den IV-Rentner gefesselt und ihm eine Kapuze in den Rachen gestopft haben. Daran ist der Mann erstickt. Yilmaz B. «hatte eine Verpflichtung dem IV-Rentner zu helfen», betont der Staatsanwalt. Zwar habe Yilmaz B. ausführlich ausgesagt, dabei aber stets versucht, die eigene Rolle klein zu reden.

Yilmaz B. soll PKK-Sympathisant sein

«Er hat das ganze Verfahren erst ins Rollen gebracht», sagt der Verteidiger von Yilmaz B. Das müsse strafmildernd gewertet werden. Sein Mandant habe sich kooperativ verhalten, ihm sei es zu verdanken, dass es bei einigen Delikten überhaupt zur Verurteilung gekommen sei. Auf den Aussagen von Yilmaz B. basiert ein grosser Teil der Anklage, was ihm den Titel «Kronzeuge» eingebracht hat. Er wurde bereits in einem abgekürzten Verfahren, abgetrennt von den Mitbeschuldigten, zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das Urteil musste jedoch aufgehoben werden, da die Abtrennung aus Sicht des Bundesgerichts nicht zulässig war. Yilmaz B. ist Kurde und soll PKK-Sympathisant sein. Der Entscheid über seinen Aufenthaltsstatus liegt beim Verwaltungsgericht St. Gallen.

Im Falle einer Verurteilung droht ihm die Ausschaffung. Yilmaz B. sagt in seinem Schlusswort: «Ich habe das alles nicht verdient.» Er habe sich auf das abgekürzte Verfahren eingelassen, um der Sache ein Ende zu machen. Unter diesen Vorzeichen habe er ein umfassendes Geständnis abgelegt und sich mit seinen Aussagen auch selbst belastet. Jetzt sei alles anders. «Das ist nicht logisch.» Der Tod des IV-Rentners mache ihn traurig. Er habe dessen Grab aufsuchen wollen, doch man habe ihm gesagt, die Asche sei verstreut worden.

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