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MAMMUTPROZESS: Der Spieler und die Faust

Staatsanwalt und Verteidiger stellen die Strafanträge für die letzten beiden Beschuldigten im Mordfall Kümmertshausen. Einer von ihnen gilt als der Mann fürs Grobe.

«Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?» Das fragt Thomas Pleuler, der Vorsitzende Richter, alle Beschuldigten, die sich in den letzten Tagen im Prozess Kümmertshausen verantworten mussten. Osman S. hat früher Glücksspiele organisiert. Seine Pläne sind konkret. Er werde in der Türkei mit seinem Bruder einen Bauernhof betreiben. Zwar würde er lieber in der Schweiz bleiben, wird aber wohl ausgewiesen werden. Gestern wurden die Strafanträge für die letzten beiden Beschuldigten im Riesenprozess gestellt. Osman S., 47 Jahre, sass im Auto mit dem Boss und dem Kronzeugen bei einer Fahrt zum IV-Rentner nach Kümmertshausen. Zu dieser Zeit war der IV-Rentner aber schon tot. Sie sind nicht einmal ausgestiegen.

Freiheitsstrafe von 13 Jahren beantragt

Das Gericht hält ihn der mehrfachen Erpressung, Nötigung und qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz für schuldig. Vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung ist er freigesprochen. Der Staatsanwalt beantragt eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren, die ursprüngliche Anklage lautete auf 20 Jahre. Gegen Osman S. spreche die «massive Gewalt» bei der Erpressung und der bandenmässige Drogenhandel. Der Verteidiger hält sieben bis neun Jahre für angemessen. «Er hat Pech gehabt, dass er in diesem Auto war.» Wegen des Tötungsdeliktes, an dem er unschuldig sei, habe Osman S. 29 Monate in Einzelhaft verbracht. «Er hat das ohne Murren und in grosser Demut getan», sagt der Verteidiger. Der zweite Angeklagte, Dursun Y., wurde schon «die Faust» des Bosses ­genannt. Er war der Mann fürs ­Grobe. Das Bezirksgericht hat ihn der mehrfachen Erpressung und versuchten Erpressung schuldig gesprochen.

Der Staatsanwalt beantragt acht Jahre Haft plus Geldstrafe. Zwei Jahre mehr als ursprünglich gefordert. Der Grund sei eine Änderung in der Praxis des Bundesgerichts. Es dürften keine Zusatzstrafen zu ausländischen Urteilen mehr verhängt werden. Dursun Y. hat in Deutschland gelebt und wurde 2012 von Landgericht Stuttgart zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Sein Verteidiger ist der Meinung, die Änderung betreffe diesen Fall nicht. Die Kreuzlinger wie auch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hätten die gleichen Delikte verfolgt. Sein Antrag: Verzicht auf eine ­Zusatzstrafe. Die Familie von Dursun Y. steht hinter ihm und kommt zu jeder Verhandlung. Für den 54-jährigen Kurden geht es um alles: Von der Höhe der Strafe hängt es ab, ob er zurück nach Deutschland kann oder in die Türkei abgeschoben wird.

Ida Sandl

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

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