Malediver zu Unrecht ausgewiesen

Die Migrationsbehörden des Kantons St. Gallen und des Bundes haben einen Malediver zu Unrecht aus der Schweiz weggewiesen. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Der 34-Jährige dürfe bleiben, damit er seinen Sohn regelmässig besuchen könne.

Urs-Peter Inderbitzin
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ST. GALLEN. Ein heute 34jähriger Mann von den Malediven reiste im März 2007 im Hinblick auf Hochzeitsvorbereitungen in die Schweiz ein und heiratete wenige Wochen später eine Schweizer Bürgerin. Gestützt darauf erhielt der Malediver eine Aufenthaltsbewilligung, um mit seiner Frau zusammenleben zu können. Das Ehepaar bekam einen Sohn.

Im Jahr 2009 reiste die Familie auf die Malediven. Nach einem Streit verliess die Ehefrau ihren Mann und reiste mit dem Kind zurück in die Schweiz. Zuvor hatte ihm die Frau den Ausländerausweis entwendet und die Kreditkarte sowie das Mobiltelefon gesperrt. Der Malediver besorgte sich jedoch die erforderlichen Papiere und kehrte in die Schweiz zurück. Darauf trennten sich die Eheleute auch gerichtlich, wobei die Obhut für den Sohn der Mutter zugewiesen wurde. Der Malediver erhielt ein Besuchsrecht, dessen Ausübung aber immer wieder zu Problemen führte.

Bewilligung entzogen

Im November 2009 teilte das Ausländeramt des Kantons St. Gallen dem Malediver mit, das öffentliche Interesse an seiner Entfernung aus unserem Land überwiege sein privates Interesse, hier zu bleiben. Das Bundesamt für Migration – heute Staatssekretariat für Migration – entzog daraufhin dem Malediver die Aufenthaltsbewilligung und wies ihn aus der Schweiz weg.

Vater bemühte sich erheblich

Während das Bundesverwaltungsgericht diesen Entscheid vorerst schützte, hiess das Bundesgericht eine Beschwerde des Maledivers gut und schickte den Fall zur neuen Beurteilung zurück. Die Richter in Lausanne verwiesen auf die Tatsache, dass der Malediver seit 2007 beim gleichen Arbeitgeber tätig und beruflich gut integriert ist. Zudem war er seinen Unterhaltsverpflichtungen immer nachgekommen und hatte sich in den vergangenen fünf Jahren stetig und erheblich bemüht, sein Kind zu sehen und es mitzubetreuen.

Mutter liess Termine platzen

In seinem zweiten Entscheid in dieser Sache hat jetzt das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass der Malediver weiterhin in der Schweiz bleiben darf, damit er sein Besuchsrecht wahrnehmen kann. Oft war nämlich die Gestaltung der Vater-Sohn-Beziehung daran gescheitert, dass die Mutter sich nicht an die vereinbarten Besuchstermine gehalten hatte. Die Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung würde gemäss dem aktuellen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in unrechtmässiger Weise dazu führen, dass der Malediver den Kontakt zu seinem Sohn nicht mehr pflegen könnte.

Der Kanton St. Gallen muss nun die Aufenthaltsbewilligung für den Malediver verlängern. Das Staatssekretariat für Migration muss dem Malediver für das Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht eine Entschädigung von 2500 Franken überweisen.

Urteil C-492/2015

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