Madame Frühfranzösisch

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Es könnte ja Folgendes passieren: Die Zürcher lehnen am 21. Mai die Fremdsprachen-Initiative ab und bleiben beim Frühfranzösisch in der Primarschule. Das Thurgauer Kantonsparlament zuckt dann kollektiv mit den Schultern, kippt im Juni die ungeliebte Landessprache trotzdem aus dem Primarschullehrplan, lässt den Sprachenstreit endgültig eskalieren und stürzt die Schweiz in ihre schwerste Identitätskrise seit der Raubgold-Affäre. Und mittendrin: Monika Knill. Das Szenario ist einigermassen unwahrscheinlich, gesichert ist aber: Sagt der Thurgau Nein zum Frühfranzösisch, wäre das die heftigste Niederlage in der bislang knitterfreien Karriere der Thurgauer SVP-Bildungsdirektorin. Knill, Jahrgang 1972, wurde 2008 als jüngste Politikerin der Kantonsgeschichte in die Kantonsregierung gewählt. Die gelernte medizinische Praxisassistentin war eine politische Frühzünderin, mit 23 schaffte sie den Sprung in den Kemmentaler Gemeinderat. Es folgten: Kantonsrat, Fraktionspräsidium, Regierungsrat, Regierungsratspräsidium. Kritiker werfen Knill vor, ihr fehle das politische Bauchgefühl, sie verlasse sich zu sehr auf Experten. Und manchmal auf die falschen, wie das Frühfranzösisch-Debakel zeige. Eine letzte Hoffnung bleibt der Bildungsdirektorin: die Volksabstimmung. Das Thurgauer Stimmvolk widerspricht seiner Regierung selten. Statt Epizentrum des Sprachenstreits wäre Knill dann definitiv: Madame Frühfranzösisch. (ar)

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