Machtkampf führt vor Gericht

Das Kreisgericht St. Gallen muss eine komplexe Anklage aus der Finanzwelt beurteilen. Es geht um drei Angeklagte, mehrere Millionen US-Dollar und um die Burg Waldegg in der Stadt St. Gallen.

Claudia Schmid
Drucken
Teilen

st. Gallen. Bei den drei Angeklagten handelt es sich um einen Rechtsanwalt, seine Frau und seinen Bruder. Der Anwalt war Verwaltungsrat eines russischen Konzerns mit Sitz in Zypern und Beziehungen zur westlichen Wirtschaftswelt. Diese Gesellschaftsgruppe besteht aus rund 180 Tochterfirmen und ist vor allem im Energiesektor tätig. Von einer dieser Tochterfirmen war der Hauptangeklagte Geschäftsführer und Verwaltungsrat.

Das Unternehmen hatte sein Domizil in St. Gallen. In seinem Besitz war die Liegenschaft Burg Waldegg.

Streit um Dividende

Zum Machtkampf zwischen der Konzernleitung und den drei Schweizern kam es wegen einer Dividendenausschüttung. Wie der Rechtsanwalt gestern vor dem Kreisgericht St. Gallen ausführte, hielt seine Frau zwei Aktienpakete; das eine im Umfang von 2,5 Prozent, das andere im Umfang von zwölf Prozent.

Im Jahr 2005 zahlte der Konzern an die Aktionäre Dividenden in der Höhe von insgesamt 40 Millionen US-Dollars aus.

Schon damals sei klar gewesen, dass eine zweite Tranche mit dem gleichen Betrag ausgeschüttet werden sollte, betonte der Angeschuldigte. Auf die Auszahlung für das grössere Aktienpaket habe seine Frau vergeblich gewartet.

Firma überschuldet

Um den geforderten Dividendenbetrag zu sichern, stellte der Rechtsanwalt einen Inhaberschuldbrief aus. Später übertrug er die Burg Waldegg seiner Frau.

Den Kaufvertrag unterschrieb auch sein Bruder. Der Treuhänder sass ebenfalls im Verwaltungsrat der inzwischen überschuldeten Firma.

«Stets nach Rücksprache»

Alle diese Tätigkeiten habe er nach Rücksprache mit dem Konzern-Sicherheitsdienst ausgeführt, betonte der Hauptangeklagte. In den Gesprächen sei es auch immer darum gegangen, den Ansprüchen eines Benefiziars nachzukommen und seinen Namen nicht publik zu machen, da dies dem Unternehmen schaden könnte.

Die Konzernleitung bestritt, dass eine zweite Dividendenausschüttung beschlossen wurde. Sie reichte Klage auf Rückabwicklung des Kaufvertrages der Burg Waldegg ein. Darauf wurde gegen die drei Schweizer im August 2006 von der Staatsanwaltschaft St. Gallen Strafklage erhoben.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte gestern für den Hauptangeklagten eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren wegen Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung und versuchter Nötigung. Für den Bruder beantragte sie eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Ihm wirft sie Gehilfenschaft vor.

Die Ehefrau bezeichnete die Staatsanwaltschaft als eigentliche Anstifterin. Sie habe als gebürtige Russin die Verhältnisse des Konzerns gekannt und die Verbindungen unterhalten. Für sie wurde eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren und eine unbedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 3000 Franken verlangt.

Freisprüche gefordert

Der Verteidiger beantragte für alle drei Angeklagten einen Freispruch. Seine Mandanten hätten im Interesse und im Einverständnis des Konzerns gehandelt. Es gehe keineswegs um ein «Schwarzgeschäft», sondern es handle sich um ein Lügengebäude der Gegenseite. Überhaupt sei eine strafrechtliche Anklage konstruiert worden, eigentlich sei es ein zivilrechtlicher Fall. Der Verteidiger verwies auch auf dubiose Vorfälle rund um den russischen Konzern.

Das Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt erwartet.

Aktuelle Nachrichten