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Macho-Mamas und Macherinnen

ST.GALLEN. Die 14. Frauenvernetzungs-Werkstatt bot Inspiration zum Kennenlernen und vielfach Anregung: Regula Stämpfli, Nicole Althaus, Amanda Ammann und Sonja Wiesmann diskutierten über Ehrgeiz, Muttersein und Selbstbestimmung.
Julia Nehmiz
Podiumsdiskussion an der HSG mit Sonja Wiesmann, Nicole Althaus, Amanda Ammann und Regula Stämpfli (von links). (Bild: Sam Thomas)

Podiumsdiskussion an der HSG mit Sonja Wiesmann, Nicole Althaus, Amanda Ammann und Regula Stämpfli (von links). (Bild: Sam Thomas)

Am Samstagmorgen öffnet der «Marktplatz» in der Aula der HSG seine Türen, ein erstes Kennenlernen für die gut 300 Teilnehmerinnen der 14. Frauenvernetzungs-Werkstatt. Bei Kaffee und Gipfel wirft frau neugierige Blicke aufeinander und auf die «Marktstände»: Vom «Netzwerk für Einfrau-Unternehmerinnen Ostschweiz», diversen Frauenzentralen über Engelkarten, Selbst-Designtes bis zu «Shewee», einer Urinierhilfe für diskretes Im-Stehen-Pinkeln – ein buntes Angebot wartet auf Entdeckerinnen.

So vielfältig wie das Marktplatzangebot präsentiert sich die Tagung im Auditorium. SF-Moderatorin Mona Vetsch begrüsst die in den engen Holzbänken sitzenden «Macherinnen, die sich nicht bequem hinten anlehnen sollen, sofern das hier überhaupt geht» – und erntet prompt die ersten herzhaften Lacher, denen noch viele folgen. Es ist eine heitere Runde, die die St. Galler Stadträtin Barbara Eberhard begrüsst. Sie ermutigt zum Machen, «sich der Welt stellen» und wünscht Lust auf Neues, «insbesondere in der Politik», da es überall in den Parlamenten an Frauen mangelte.

Karriere und Ehrgeiz – mit Kind

«Wir Eltern»-Chefredaktorin Nicole Althaus findet das Kompositum «Karriere-Mutter» irritierend, nie werde von «Karriere-Vätern» gesprochen: «Mütter werden markiert, es ist wohl nicht natürlich, dass wir Uterus und Hirn gebrauchen.» Applaus gibt's für Althaus' Wortkreation Macho-Mama, durch die hoffentlich alle anderen Komposita ad absurdum geführt würden. Sie ärgert sich auch über das schlechte Gewissen: «Nicht die Vereinbarkeit von Familie und Karriere ist das Problem, sondern die eigenen Vorurteile.» Die Mutter zweier Töchter fordert, einen Blick über den Wickeltisch hinaus zu wagen, «der Ehrgeiz wird nicht gekappt mit der Nabelschnur.» 80 Prozent der Frauen seien Mütter – männliche Chefs würden leider oft nicht angemessen auf eine Schwangerschaft reagieren.

Prozess gegen Diskriminierung

Davon kann die Wigoltinger Gemeindepräsidentin Sonja Wiesmann ein Lied singen. Nach «16 Jahren mit einem guten Chef» als Kaderfrau in der Baubranche wurde ihr wegen Schwangerschaft gekündigt. Zwei Jahre dauerte der Prozess, den Wiesmann schliesslich gewann. Nach der Urteilsverkündigung bekam die Thurgauerin viel Zuspruch von anderen Frauen, denen Ähnliches widerfahren war: «Diskriminierung wegen Schwangerschaft gilt immer noch als Kavaliersdelikt.»

Amanda Ammann berichtet vom starken Willen, der einem ungewöhnliche Wege eröffne. Sie selber habe Diskriminierung nicht erlebt, wünsche sich aber Respekt und Freiheit für jede Frau, sagt die Ex-Miss-Schweiz und HSG-Studentin mit Wurzeln in Abtwil.

Polarisiert: Regula Stämpfli

Als «Top-Shot» angekündigt, wegen ihres Belgien-Bashing auf news.ch schwer in der Kritik, auf dem Podium beklatscht: Politologin Regula Stämpfli polarisiert. Sie sei überrascht von den heftigen Reaktionen auf ihren Artikel, sagt Stämpfli am Rand der Tagung. Als Mutter habe sie das Busunglück sehr betroffen gemacht. Sie werde wohl demnächst nochmals ihre Haltung zu Belgien erläutern, in der Emotionalität sei einiges missverständlich geraten.

Den Tagungsteilnehmerinnen erläutert sie eindrücklich «das Frauenthema Autonomie und Anerkennung» anhand der griechischen Mythologie. So wie Nymphe Echo Stimme und Körper verlor, «so haben auch wir Stimme und Körper verloren.» Stämpfli ermutigt zum Scheitern: «Try and fail, try again and fail better.» (Versuche und scheitere, versuche nochmals und scheitere besser.)

Die von Mona Vetsch moderierte, anregende Podiumsdiskussion konnte bei weitem nicht alle Fragen aus dem Publikum behandeln. Neue Antworten gibt's an der 15. Tagung am 16. März 2013.

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