Lustenauer wollen den weltgrössten Funken zünden

Die Hofstalder Funkenzunft aus Lustenau will den norwegischen Rekord brechen und den höchsten Funken der Welt zünden. Mit fast 60 Metern soll er die Höhe eines Kirchturms erreichen.

Kurt Latzer
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Funkenmeister Marco Hollenstein ist zuversichtlich, den Scheiterhaufen bis zum 16. März fertig zu bekommen. Als Mass dient der höchste Kirchturm der Gemeinde, der knapp 60 Meter misst. (Bild: Kurt Latzer)

Funkenmeister Marco Hollenstein ist zuversichtlich, den Scheiterhaufen bis zum 16. März fertig zu bekommen. Als Mass dient der höchste Kirchturm der Gemeinde, der knapp 60 Meter misst. (Bild: Kurt Latzer)

Die kalte Jahreszeit vertreiben die Innerrhoder Jahr für Jahr mit gigantischen Feuern – immer am vierten Sonntag in der Fastenzeit. «Funkensonntag» nennt sich dieser Brauch. Im Vorarlberg hat sich eine ähnliche Tradition begründet. Dort brennt es jedoch schon früher, bereits am 16. März. Für den diesjährigen Funkentag hat sich die Hofstalder Funkenzunft aus dem vorarlbergischen Lustenau etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

Mit dem 47,396 Meter hohen «tallest bonfire» hält zurzeit die norwegische Hafenstadt Ålesund den Weltrekord. Der Funken der Hofstalder Funkenzunft ist mehr als elf Meter höher geplant. Die Planung hierfür hat im Frühjahr 2018 begonnen, das Fundament für den mächtigen Scheiterhaufen haben die Mitglieder im Dezember gegossen.

Mehrere Wochenenden für den Bau opfern

Es ist kalt, aber trocken, der Boden matschig. Auf dem abgesperrten Gelände, das die Gemeinde Lustenau der Zunft zur Verfügung gestellt hat, hört man Leute rufen, bohren und hämmern. Es ist nicht das erste Wochenende, das die Mitglieder der Hofstalder Funkenzunft in den Bau des gigantischen Scheiterhaufens investieren. Der Aufbau hat am 5. Januar begonnen. In Blockbauweise wächst der Funken Baumstamm für Baumstamm in die Höhe. «Wir hoffen, dass wir heute etwa zwölf Meter Höhe erreichen», sagt einer der Zunftmitglieder. Sieben Wochenenden bleiben, um den 58,6 Meter hohen Stapel zu errichten. Um die Verpflegung des Bautrupps und der Helfer kümmern sich die Frauen der Zünftler, zu trinken gibt es Punsch, Tee, Kaffee und Limonade, «auf dem Funkenplatz herrscht während der Aufbauarbeiten striktes Alkoholverbot», sagt Marco Hollenstein, Obmann der Hofstalder Funkenzunft. Erstmals Gedanken gemacht haben sich die Mitglieder der Lustenauer Zunft vor Jahren. «Die Idee geistert schon seit 2001 in unseren Köpfen umher», sagt Marco Hollenstein.

Weltrekordversuch kostet Zeit und Geld

Auslöser war der «Millennium-Funken» der Gaissauer Zunft, der 2000 mit einer Höhe von 41 Metern den Eintrag ins Guinnessbuch der Weltrekorde schaffte. Dieser Rekord hielt bis im Juni 2016, als in Norwegen das «tallest bonfire» entfacht wurde. An der Hauptversammlung im April 2018 haben die Mitglieder dem Weltrekordversuch zugestimmt, weil die Funkenzunft 2019 das 40-jährige Bestehen feiert.

Unmittelbar nach der Versammlung begann die Planung. Obwohl die Zunft für den Weltrekordversuch die eigene Kasse plündert, wäre das Vorhaben ohne Sponsoren und Gönner nicht zu Stande gekommen. Allein die Suche nach dem geeigneten Gelände hat viel Zeit gebraucht. «Dort, wo wir traditionsgemäss unseren Funken anzünden, wäre viel zu wenig Platz gewesen», sagt Funkenmeister Hollenstein. Das Areal am Glaserweg hat die Gemeinde Lustenau zur Verfügung gestellt.

Um 20 Uhr wird das Feuer entfacht

Bis am Funkensamstag, 16. März, muss die Arbeit beendet sein. Die mit dem Böögg vergleichbare Funkenhexe wird am Funkentag auf die Spitze des «Turms» angebracht. Sie kommt mit einem Umzug, der um 12 Uhr startet, zum Funkenplatz.

Die offizielle Messung für den Weltrekordversuch findet um 16 Uhr statt, um 20 Uhr entzündet die Zunft ihren Scheiterhaufen. Ganz ungetrübt aber ist die Vorfreude allerdings nicht. Nachdem der Weltrekordversuch publik wurde, hat sich eine Gegnerschaft formiert, an vorderster Front kämpfen die Vorarlberger «Grünen».

Die Umweltschützer stellen den Brauch Frage, ihn abzuschaffen, dürfte kaum gelingen. Im Jahr 2010 ist der Funkenbrauch im österreichischen Bundesland Vorarlberg in die Unesco-Liste des «Immateriellen Kulturerbes in Österreich» aufgenommen worden.