LUFTFAHRT: «Wir haben uns nicht mehr verstanden»

Der kürzeste internationale Linienflug der Welt und frei wählbare Ticketpreise: Mit solchen Experimenten hat das Altenrheiner Flugunternehmen People’s Schlagzeilen gemacht. Damit ist nun Schluss. Der Eigentümer und neue CEO Markus Kopf sagt warum.

Adrian Vögele
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«Ich kann mir nebst Wien keine weitere Linie vorstellen»: Markus Kopf, Besitzer der People’s Viennaline, führt die Geschäfte in Altenrhein jetzt selber. (Bild: Michel Canonica)

«Ich kann mir nebst Wien keine weitere Linie vorstellen»: Markus Kopf, Besitzer der People’s Viennaline, führt die Geschäfte in Altenrhein jetzt selber. (Bild: Michel Canonica)

Adrian Vögele

adrian.voegele@tagblatt.ch

Markus Kopf, nach dem abrupten Abgang von CEO Daniel Steffen haben Sie als Besitzer der Airline und des Flugplatzes in Altenrhein das Steuer selber übernommen. Mussten Sie notfallmässig eingreifen?

Daniel Steffen und ich sind nicht mehr gut miteinander zurechtgekommen. Darum habe ich das Amt des CEO übernommen. Zunächst blieb Steffen Mitglied der Geschäftsleitung und war für strategische Aufgaben zuständig. Doch auch das hat nicht funktioniert. Wir haben uns einfach nicht mehr verstanden. Und er hat sich in dieser Position auch nicht wohlgefühlt. Aber es gibt in unserem Unternehmen keinen Notfall zu beheben – es läuft alles bestens.

Im vergangenen Jahr ist die People’s Viennaline mit aussergewöhnlichen Aktionen aufgefallen. Die Passagiere konnten beispielsweise eine Zeit lang die Flugpreise selber bestimmen. Was hielten Sie davon?

Nicht viel. Die Aktion «Du machsch de Priis» wurde ohne mein Wissen gestartet. Es ist nicht so, dass sie uns finanziell geschadet hätte. Aber ich bin der Meinung, dass sie schädlich war für unser Image. Wir sind eine hochpreisige Linie für Geschäftsleute, und als solche sollten wir keine derartigen Angebote einführen.

Und wie standen Sie zur neuen Linie Altenrhein–Friedrichshafen–Köln, mit dem «kürzesten internationalen Linienflug der Welt» über den Bodensee?

Die Idee der Köln-Flüge habe ich zu Beginn mitgetragen – und bin dann schlauer geworden: Ich sah, dass das ökonomisch keinen Sinn ergibt. Darum zog ich dann auch den Stecker. Im April wurden die Flüge eingestellt. Das war meine Entscheidung.

Dann wollte Daniel Steffen dieses Experiment noch länger fortsetzen?

Ja. Und das hat vermutlich das Verhältnis zwischen mir und Daniel Steffen auch wesentlich beeinträchtigt.

Warum mussten Sie die Köln-Flüge streichen?

Die Auslastung war zu tief und die Kosten zu hoch. Der Acht-Minuten-Flug von Altenrhein nach Friedrichshafen ist ein bedeutender Kostenfaktor. Wir glaubten, dass aus der Ostschweiz und dem Raum Friedrichshafen zusammen genügend Passagiere nach Köln fliegen würden. Aber es waren zu wenige Schweizer auf der Strecke nach Friedrichshafen – es stiegen nicht viele in Altenrhein ein. Natürlich: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir hätten schon nochmals ein Jahr nach Köln fliegen können, aber dann wären wir wohl nochmals um ein paar Millionen ärmer gewesen. Darum haben wir die Strecke gestrichen.

Sie haben für diese Linie eigens ein zweites Flugzeug mit 76 Plätzen gekauft und die Belegschaft aufgestockt. Gibt es nun überhaupt genügend zu tun für diese Maschine und das Personal?

Ja, es gibt genügend Arbeit. Ich stehe hundertprozentig dahinter, dass das zweite Flugzeug bei unserer Fluggesellschaft bleibt. Momentan sind wir stark mit Charterflügen beschäftigt, etwa nach Ibiza. Wir fliegen einen spontanen Charter nach dem anderen. Auch für den Winter haben wir Optionen und Interessenten. Wir könnten beispielsweise das Flugzeug über die gesamte Wintersaison an eine einzige Fluglinie vermieten. Ob wir das tatsächlich machen, weiss ich allerdings noch nicht.

Warum nicht?

Es ist auch toll, beide Maschinen hier bei uns zu haben. So sind wir flexibler. Wenn ein Jet gerade nicht fliegen kann, etwa wegen Wartungsarbeiten, könnte in vielen Fällen der andere einspringen. Ich bin stolz auf unser zweites Flugzeug und auf die Mannschaft, die wir aufgebaut haben.

Ihre Airline hat am 1. August Rundflüge durchgeführt. Hatte das mit zu hohen Kapazitäten zu tun?

Die 1.-August-Rundflüge haben wir schon in früheren Jahren gemacht. Andere Fluggesellschaften kennen ähnliche Angebote. Austrian Airlines etwa bietet Neujahrsrundflüge an. Und die Nachfrage ist da: Unsere 1.-August-Flüge waren ausgebucht. Das war eine gute Idee.

Das zweite Flugzeug wird also für Charter eingesetzt und an andere Fluggesellschaften vermietet, eine zweite Linienverbindung nebst Wien gibt es nicht. Rechnet sich das finanziell?

Ja. Für nächstes Jahr beispielsweise haben wir schon alle Charterflüge verkauft. Wenn es finanziell nicht aufginge, würde ich etwas dagegen tun.

Sorgen um die finanzielle Lage des Unternehmens sind somit unbegründet?

Ja, sie sind unbegründet – das sage ich klipp und klar. Wir haben etwa vor kurzem eine Immobilie am Flughafen gekauft für sechs Millionen Franken. Ausserdem planen wir 20 Millionen Franken Investitionen – unter anderem für den Bau eines neuen Hangars und die Sanierung der Piste. Das werden wir aus unserem eigenen Cashflow bezahlen, ohne Kredite. Dafür gibt es eine Planung über die nächsten sieben, acht Jahre. Diese Werte zeigen, dass das Unternehmen gesund ist.

Über die genauen Geschäftszahlen erfährt die Öffentlichkeit nichts. Wäre es nicht einfacher, diese offenzulegen, anstatt Gerüchte dementieren zu müssen?

Nein, das werden wir nicht tun. Wir sind ein privates Unternehmen und nicht verpflichtet, die Zahlen zu veröffentlichen. Gerüchte lassen sich auch auf anderem Weg verhindern – etwa wie jetzt mit diesem Interview.

Nochmals zurück zum Flugbetrieb: Köln ist vom Tisch. Denken Sie stattdessen über andere Städte nach, die sich für eine zweite Linienverbindung eignen könnten?

Nein. Wir wüssten nicht, welche Destination das sein könnte. Ich kann mir keine vorstellen.

Vor einigen Jahren wurde eine Linie von Altenrhein nach London City geprüft. Ist es ausgeschlossen, dass eine solche Verbindung in eine Grossstadt rentieren könnte?

Ausgeschlossen. Der Flughafen Zürich ist eine Stunde von Altenrhein entfernt. Von dort gibt es täglich zig Flüge nach London. Die Geschäftsleute brauchen die Flexiblität, wählen zu können, wann am Tag sie fliegen wollen. Das könnten wir ab Altenrhein nicht bieten. Und von den Touristen allein können wir nicht leben: Wir brauchen Geschäftsleute, die den vollen Preis bezahlen.

Der Flugplatz Altenrhein wird nicht nur von Ihrer Fluggesellschaft, sondern auch von der Geschäfts- und Privatfliegerei genutzt. Wie wird sich das Verkehrsaufkommen in nächster Zeit entwickeln?

Sehr moderat. So kommen einige Charter dazu – das sind zwischen 25 und 50 Starts pro Jahr. Und es werden leicht mehr Privatjets hier landen als jetzt. Aber das hält sich alles in sehr engen Grenzen.