Kolumne

Lü: Von Steinen, Magenbrot und Schnitzelmasken

Silvan Lüchinger schreibt in seiner Kolumne «Lü» über die vergangene Woche und fasst zusammen, was ihm dabei ins Auge gestochen ist.

Silvan Lüchinger
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Silvan Lüchinger

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Bild: Coralie Wenger

Die Grünen haben im St. Galler Kantonsrat Fraktionsstärke erreicht. Das gibt Gelegenheit, auf die Pauke zu hauen. Fraktionschef Meinrad Gschwend tut das denn auch – ohne falsche Zurückhaltung. «Die Arbeitsplätze interessieren mich weit weniger als der Artenschutz», lässt er sich zitieren. Eine unsägliche Position des grünen Altstätters? Nicht doch. Wer noch einen Arbeitsplatz hat, fällt unter Gschwends Artenschutz.

Am 1. Juni wechselt Beat Tinner seinen Arbeitsort. Statt Gemeindepräsident von Wartau ist er dann Regierungsrat des Kantons St. Gallen. In die Pfalz mitnehmen will Tinner einen Stein aus dem Bergwerk Gonzen und eine 24-jährige Topfpflanze. Den Stein als Symbol für die harten Schädel der Werdenberger. Die Pflanze als Hinweis darauf, wie lange er in der Regierung bleiben will.

In den Gemeindehäusern von Salmsach und Steckborn herrscht dicke Luft. In Salmsach werfen die Gemeinderäte dem Gemeindepräsidenten Vertrauensmissbrauch und Missachtung von Verfahrenswegen vor. In Steckborn hat der vorzeitige Rücktritt eines Stadtrates mangelnde Führungsqualitäten im Stadtpräsidium aufgedeckt. In Eschenz haben drei Rücktritte aus dem Gemeinderat dazu geführt, dass der Kanton einen externen Gemeinderat einsetzen musste, um die Behörde wieder handlungsfähig zu machen. Wer sagt denn, im Thurgau seien alle Theater geschlossen?

Zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst, werden alle Fernster des St.Galler Rathauses gereinigt. Mehr als 2500 sind es, drei Wochen ist der Fassadenreiniger an der Arbeit. Doch mit der Sauberkeit der Fenster ist es wie mit der Transparenz in der Politik. Kaum ist sie kurz hergestellt, nimmt sie gleich wieder ab.

Die Klimaerwärmung war einmal. Jetzt ist Klimaerhitzung. Die St. Galler SP fordert, dass Öl- und Gasheizungen faktisch verboten werden. Wer sich eine Wärmepumpe oder eine andere Heizung nicht leisten kann, darf sich vertrauensvoll ans SP-Sekretariat wenden. Die Partei übernimmt die Mehrkosten für Anlagen und Umtriebe. Es sei denn, sie habe gerade kein Geld.

Die grüne Kantonsrätin Karin Betrisey wirft der Thurgauer Regierung vor, dass diese die Pandemievorbereitung verschlafen habe. Nach den Tausenden Corona-Opfern in Mostindien muss man ihr recht geben. Darum gilt für die Thurgauer Regierung ab sofort: Dreimal im Jahr Frau Betrisey anfragen, wann die nächste Pandemie kommt – und warum sie den Impfstoff noch nicht geliefert hat.

Wie in vielen Branchen ist auch im Magenbrot-Gewerbe der Umsatz eingebrochen. Keine Messen, keine Märkte – kein Magenbrot-Verkauf. Magenbrot Rohner will das nicht einfach so hinnehmen. Im Rheintal stehen darum über ein Dutzend Magenbrot-Häuschen, aus denen die süsse Sünde bezogen werden kann. Die Gewerkschaften haben zurecht Protest angemeldet. Es kann nicht sein, dass die wehrlosen Häuschen rund um die Uhr arbeiten müssen.

Im St.Galler Rathaus hat der Blitz eingeschlagen – und der Stadtrat hat die Ladenöffnungszeiten in der Innenstadt um eine Stunde verlängert. Die Einführung der mediterranen Nächte hingegen – die Verlängerung der Öffnungszeiten für Gartenbeizen – ist auf nächstes Jahr verschoben. Zu kompliziert, heisst es im Palast des Volkes. Mit etwas Glück dauert die Corona-Krise so lang, dass auch 2021 daraus nichts wird. Nachher erinnert sich sowieso niemand mehr daran.

Ein schlechter Unternehmer, wer keine eigene Corona-Schutzmaske auf den Markt wirft. Das hat sich auch der Besitzer der einzigen Holzwollefabrik der Schweiz gesagt – und darum gibt es jetzt Schutzmasken mit Holzwolle-Füllung. Die Nachfrage nach dem Wattwiler Produkt, heisst es, sei ansprechend bis wachsend. Anscheinend wollen viele mal das Brett vor dem Maul statt vor dem Kopf tragen.

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