Kolumne

Lü: Vom Untergrund im Thurgau und in Staad

Silvan Lüchinger schreibt in seiner Kolumne «Lü» über die vergangene Woche und fasst zusammen, was ihm dabei ins Auge gestochen ist.

Silvan Lüchinger
Drucken
Teilen
Silvan Lüchinger

Silvan Lüchinger

Bild: Coralie Wenger

Heute hätte im Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen der Ball Impérial stattfinden sollen – in historischer Umgebung und in Roben aus der Zeit von Barock und Rokoko. Nun ist der Anlass mit Lustwandeln im Park und Ball im Museum auf unbestimmte Zeit verschoben. Zu gross waren die Befürchtungen, dass mit den Corona-Lockerungen aus der rauschenden Ballnacht eine ballende Rauschnacht geworden wäre.

Die 2010 an die Luftseilbahn Wasserauen-Ebenalp AG erteilte Betriebsbewilligung für einen Kleinskilift auf der Ebenalp ist mit verschiedenen Auflagen um zehn Jahre bis 2030 verlängert worden. Die wichtigste Auflage: Der Lift darf nur betrieben werden, wenn Schnee vorhanden ist.

Was hat sich im Thurgau seit der letzten Eiszeit vor 13000 Jahren getan? Das kantonale Amt für Archäologie will es wissen und hat Bohrungen in Auftrag gegeben. Inzwischen sind die Bohrkerne aus dem Untergrund des Hüttwiler- und des Bichelsee vorhanden. Jetzt geht es an ihre Auswertung – Millimeter um Millimeter. Kritische Stimmen sagen bereits jetzt das schlimmste aller denkbaren Ergebnisse voraus: nichts.

Die St. Galler und die Mode – das ist so eine Sache. Manche Ladenbetreiber schliessen oder wechseln nach Zürich, weil die Einheimischen im Hochtal der Steinach ihre Kreationen nicht verstehen. Andere hingegen haben erkannt, wie es geht. St. Gallerinnen und St. Galler seien durchaus modisch, beteuert eine Boutique-Betreiberin. Man müsse sie nur an der Hand nehmen und zu Neuem führen. Weniger höflich ausgedrückt: Von selber merken sie es nicht.

Die deutsche Gemeinde Gailingen braucht eine neue Abwasserreinigungsanlage. Das Thurgauer Nachbarstädtchen Diessenhofen ebenfalls. Doch statt zweier ARA soll nur eine gebaut werden – auf der Schweizer Seite. Die Gailinger werden ihr Dreckwasser in einer Leitung unter dem Rhein hindurch anliefern. Es gibt tatsächlich fast nichts, was die Schweizer nicht in Deutschland einkaufen.

Die Sanierung des Fussballplatzes im Staader Bützel wird teurer. Bei Grabarbeiten für die Fundamente der Beleuchtungskandelaber und Leitungen kamen Verunreinigungen in den tieferen Bodenschichten zum Vorschein, die bei den vorangegangenen Untersuchungen nicht entdeckt worden waren. Konkret geht es um Hausmüll, Abbruchmaterial und anderes mehr. Nun scheint auch klar, warum die Damen und Herren des FC Staad manchmal einen derartigen Schrott zusammengespielt haben.

Das St. Galler Verwaltungsgericht hat eine Klage des Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbands gestützt. Es bestätigt, dass die Kindergartenlehrpersonen zu Unrecht für die Pausenaufsicht nicht entschädigt werden. Das Bildungsdepartement zieht das Urteil des Verwaltungsgerichts nicht an das Bundesgericht weiter, sondern setzt sich mit den Sozialpartnern zusammen, um eine Lösung zu finden. Zu klären ist insbesondere, ob für die Berechtigung zur Pausenaufsicht ein Nachdiplomstudium nötig ist.

Überhaupt die Lehrer: Der Lehrerverband hat in einer Umfrage die Zufriedenheit der Lehrpersonen in der Stadt St. Gallen erhoben. Sie sind unzufrieden. Alles andere wäre eine Überraschung gewesen.
Freiwillige schreiben die Bibel ab. In Hochdeutsch und Dialekt, in verschiedensten Sprachen. Als Abschluss des Projekts zweier St. Galler Kirchgemeinden werden die 1189 Kapitel dann zur Corona-Bibel zusammengefügt. Viel fehle nicht mehr, geben die Initianten bekannt. Lediglich ein paar Kapitel müssten nochmals vergeben werden. Ihre Verfasser sind wahrscheinlich an den zehn Geboten gescheitert.

Mehr zum Thema