Kolumne

Lü: Schweine stören mehr als Himbeeren

Silvan Lüchinger schreibt in seiner Kolumne «Lü» über die vergangene Woche und fasst zusammen, was ihm dabei ins Auge gestochen ist.

Silvan Lüchinger
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Silvan Lüchinger.

Silvan Lüchinger.

Bild: Coralie Wenger

Walzenhausen braucht eine neue Strassenbeleuchtung. Die Kosten belaufen sich auf rund eine halbe Million Franken. Der Grund: Für die Laternen sind keine Leuchtmittel mehr erhältlich, da diese nicht mehr hergestellt werden. Der Ersatz der Beleuchtung soll abschnittsweise über sechs Jahre erfolgen. So lange reicht der Kerzenvorrat im Werkhof noch.

Rote Linsen, Haferflocken, Sonnenblumenkerne oder Schokolade gehören zu den Bestsellern bei den Lebensmitteln im neuen Bischofszeller Unverpackt-Laden. Ganz im Gegensatz zu den Hanfnüssen: «Wahrscheinlich stört viele das ‹Hanf› im Namen», mutmasst eine Mitbetreiberin. Vielleicht bringt es etwas, wenn die Hanfnüsse nur unter dem Ladentisch angeboten werden.

Schimmelmasken – extrem unbedenklich

Zwar wurden auch sie geschlachtet, aber vorher hatten es die Schweine des Thurgauer Massnahmenzentrums Kalchrain schön. Sie lebten im Freien, konnten wühlen, so tief sie wollten, und sich bei widrigem Wetter in einem Unterstand verkriechen. Alle paar Monate wurde die Herde mitsamt Unterkünften auf eine neue Wiese umgesiedelt. Doch damit ist Ende Jahr Schluss. Die mobilen, zeltartigen Unterstände, heisst es beim Kanton, stören das Landschaftsbild. Die Obstanlagen mit den Hagelschutznetzen und die Beerenplantagen in den Plastiktunnels stören das Thurgauer Landschaftsbild demnach nicht. Wahrscheinlich werten sie es auf.

Nicht allzu lange ist es her, da wurden auch in der Ostschweiz Schutzmasken aus alten Armeebeständen zurückgerufen, weil sie Spuren von Pilzbefall zeigten. Nun gibt die Armee Entwarnung. Zwei unabhängige Analysen hätten ergeben, dass eine gesundheitliche Gefährdung nicht nachweisbar sei. Auch das Risiko einer allergischen Reaktion durch Einatmen von Sporen gelte als extrem unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Gemäss den Analysen stellt die Atemluft in der warmen Jahreszeit eine höhere Belastung der Lunge dar als das Einatmen durch diese Masken. Das kann nur eines heissen: überall und immer Maske tragen – am besten solche mit Pilzbefall.

Kormorane auf die Speisekarte

Dass auf Ende Jahr die Stelle des Sirnacher Gemeindeschreibers zum vierten Mal seit 2015 neu besetzt wird, ist bekannt. Nun geht es bei der Abteilung Bau und Liegenschaften im gleichen Stil weiter. Auch hier kommt es zum vierten Leiterwechsel seit 2015. Zur Ruhe kommt die Sirnacher Verwaltung wohl erst, wenn alle Interessenten einmal dran gewesen sind.

Der Bestand an Kormoranen am Bodensee wächst stetig. Mittlerweile soll es Schwärme von über 1000 Vögeln geben, die gemeinsam jagen. Entsprechend viele Fische fallen ihnen zum Opfer. Deutlich über 300 Tonnen jährlich dürften es sein. Wenn das stimmt, fangen die schwarzen Vögel mindestens so viel wie alle Berufsfischer zusammen. Egli und Felchen aus dem Bodensee werden bald mit Gold aufgewogen. Höchste Zeit, dass die Fischlokale den Kormoran auf die Speisekarte setzen. Immerhin riecht es im Teller dann noch nach Fisch.

Was in Sachen Coronamassnahmen in welchem Kanton gilt, ist nicht leicht herauszufinden. Für einen derart riesigen Vielvölkerstaat wie die Schweiz ist es ja auch nicht einfach, einheitliche Regeln festzulegen. Um ein Kulturgut allerdings müssen wir als Grenzregion nicht bangen, und der grosse Kanton unterstützt uns bei seinem Erhalt nach Kräften. Alles darf fallen. Nur der Einkaufstourismus nicht.

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