Kolumne

Lü: Die Älpler müssen aufs Maul hocken

Silvan Lüchinger schreibt in seiner Kolumne «Lü» über die vergangene Woche und fasst zusammen, was ihm dabei ins Auge gestochen ist.

Silvan Lüchinger
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Silvan Lüchinger

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Bild: Coralie Wenger

Im Juli und August hätte beim Kloster Fischingen das Freilichtspiel «Zwinglis Frau» aufgeführt werden sollen. Daraus wird nichts – die «Bühne Thurtal» hat entschieden, die Produktion auf den kommenden Sommer zu verschieben. Anna Reinhart wird es verschmerzen. Nachdem sie neben dem streitbaren Reformator nahezu 500 Jahre kaum zur Kenntnis genommen wurde, kommt es ihr auf ein paar Monate mehr auch nicht an.

In den nächsten Wochen finden im Appenzellerland die traditionellen Alpaufzüge statt. Wann genau, bleibt geheim. Die Daten dürfen dieses Jahr weder von den Tourismusorganisationen noch von Älplerinnen und Älplern publiziert und öffentlich bekannt gemacht werden. Es ist verboten, dass sich Gruppen von mehr als fünf Personen an den Strassen, aber auch auf den Höfen oder auf den Alpen treffen. Am liebsten wäre den Behörden, es würden für einmal nur vierbeinige Kälber teilnehmen.

Der ehemalige Olma-Direktor und St.Galler Nationalrat Nicolo Paganini ist seit kurzem Präsident des Schweizer Tourismus-Verbandes. Brandneu übernimmt er jetzt auch das Präsidium des Schweizer Brauerei-Verbandes. Andere sammeln Titel und Auszeichnungen, Paganini krisengeschüttelte Branchen. Er könnte zu einem der ganz Grossen im Verbandswesen werden – denn davon gibt es mehr als genug.

Im Fürstentum Liechtenstein gibt es bald mehr Wild als Menschen. Um eine natürliche Waldverjüngung zu ermöglichen, müssten in der kommenden Jagdsaison daher 380 Stück Rotwild und 228 Stück Gamswild erlegt werden. Dieser Mindestabschuss ist nach Ansicht der Regierung ohne weitere Massnahmen aber nicht zu erreichen. Sie hat deshalb in Bern angefragt, ob die zugesagten Sanitätssoldaten wegen Nichtgebrauchs im Coronafall auch als Jäger eingesetzt werden dürften.

Im Dezember hatte der FC Montlingen den Vorarlberger Patrick Fleisch als neuen Trainer angestellt – für eineinhalb Saisons. Jetzt wurde Fleisch bereits wieder entlassen – ohne dass er mit seiner Mannschaft ein einziges Spiel bestritten hätte. Gemäss Vorstand des FC Montlingen steckt dahinter nicht etwa Corona, sondern ihm seien neue Ideen und Möglichkeiten vorgestellt worden. Diese Begründung müsste Fleisch eigentlich einleuchten. Ein so weit vorausblickender Vorstand hätte ihn ja sogar entlassen können, bevor er überhaupt angestellt war.

Da kann es regnen, so viel es will – im Kanton St.Gallen gilt nach wie vor ein Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe. In Liechtenstein ist das bereits wieder aufgehoben. Die wissen halt nicht mehr, wie heiss es wird, wenn ihnen die Schweizer Armee den Wald in Brand schiesst.

Vor und in den Gärtnereien brummt es wieder. Die Coiffeusen tasten sich mundgeschützt wieder ans normale Leben heran und die Physiotherapeuten behandeln, was sich zu ihnen in die Praxis getraut. Aber am besten von allem, was wieder offen hat, laufen die Autowaschanlagen. Soll niemand mehr sagen, mit der Pandemie habe sich etwas geändert.

Am 2. April hat der Kirchenrat der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen die Rheinecker Kirchenvorsteherschaft abgesetzt. Unter anderem wegen Unstimmigkeiten mit dem Pfarrer. Jetzt hat auch dieser seinen Abgang angekündigt. Mit dem neu vorhandenen Gestaltungsspielraum soll die Kirchgemeinde neu ausgerichtet werden, heisst es im «Kirchenboten». Eine Option ist der geschlossene Übertritt zu den Katholiken.

Wenn immer Wahlen anstehen, werden die bürgerlichen Parteien zu Strebern. So auch in St.Gallen, wo im Herbst der Stadtrat zu bestellen und ein neuer Stadtpräsident zu wählen ist. Folgerichtig streben SVP, CVP und FDP ein Wahlbündnis an. Sobald die Kandidaten nominiert sind und der Wahlkampf beginnt, beginnen die drei Parteien zu streben. Die eine dahin, die andere dorthin. Und am Schluss wird die SVP den andern die Schuld geben.