Lohnverhandlungen gescheitert

2016 gibt es zwar mehr Lohn für einen Teil des fahrenden Personals bei der Südostbahn. Das Gros der Mitarbeiter geht aber leer aus. Damit sei die Friedenspflicht aufgehoben, sagen die Gewerkschaften.

Christoph Zweili
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ST. GALLEN. Die Gewerkschaften hatten 200 Franken monatlich zusätzlich für das Südostbahn-Personal im Aufstieg verlangt. «Profitiert hätten vor allem jüngere Mitarbeitende.» Das sagte SEV-Gewerkschaftssekretär Felix Birchler gestern im Namen der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV), der Christlichen Gewerkschaft Service Public und Dienstleistungen (transfair) und des Verbands Schweizer Lokomotivführer und Anwärter (VSLF). «Unter dem Strich hätte das rund 0,9 Lohnprozente zusätzlich ergeben.»

Dazu kommt es nicht. Die Lohnverhandlungen zwischen SOB und den Gewerkschaften für das Jahr 2016 sind gescheitert, wie gestern bekannt wurde. Die Bahnleitung sei der achtköpfigen Delegation in vier Verhandlungsrunden in den vergangenen zwei Monaten «keinen Schritt entgegengekommen», sagt Birchler.

Nur fürs fahrende Personal

Gewährt werde lediglich der in den Verträgen geregelte fixe Lohnanstieg bei einem Teil des Zug- und Lokpersonals (rund 60 Personen) im Rahmen des Gesamtarbeitsvertrages (GAV). «Das Gros der 589 Mitarbeitenden im Dienst der SOB geht aber praktisch leer aus.»

Laut den Gewerkschaften waren Ende 2014 rund 472 Mitarbeiter unter GAV, 310 waren Mitglied einer der drei Gewerkschaften – der Organisationsgrad beträgt somit 66 Prozent. Die Nullrunde bezeichnen die Gewerkschaften als «Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter», die sich täglich für den Erfolg des Unternehmens einsetzten.

Die SOB-Geschäftsleitung kommentiert den Verhandlungsabbruch im Communiqué anders: Die Gewerkschaften hätten «einseitig das fahrende Personal favorisiert». Und sie legt das wirtschaftliche Umfeld offen: Demnach reduzieren die Besteller, Bund und Kantone, die Abgeltungen im regionalen Personenverkehr für 2016 um 2,5 Prozent. Daraus resultierten Mindereinnahmen von 1,5 Millionen Franken. Dazu kämen zusätzliche Ausgaben für die Ausbildung von Lokführern (rund 1,5 Millionen). Die SOB wollte die Lohnsumme um ein Prozent anheben und «in Form der vollständigen Kompensation der im nächsten Jahr zusätzlich anfallenden Pensionskassenbeiträge von 0,7 Lohnprozenten an das Personal weitergeben».

Lohnsystem gescheitert

2016 hätte ein neues Lohnsystem eingeführt werden sollen. Beide Seiten werfen sich nun gegenseitig vor, Verhandlungen verweigert beziehungsweise abgebrochen zu haben. Die Gewerkschaften erhofften sich vom neuen System «eine Perspektive für sämtliches Personal im Aufstieg».

Die SOB wies für das Geschäftsjahr 2014 einen Unternehmensgewinn von 4,5 Millionen Franken aus.