Lohnt es sich, ein Lemming zu sein?

ST. GALLEN. 338 Absolventinnen und Absolventen haben am Wochenende ihren Bachelor of Arts an der Universität St.

Drucken

ST. GALLEN. 338 Absolventinnen und Absolventen haben am Wochenende ihren Bachelor of Arts an der Universität St. Gallen erhalten – 242 in Betriebswirtschaftslehre, 34 in Internationale Beziehungen, 40 in Volkswirtschaftslehre, 9 in Rechtswissenschaft und 13 in Rechtswissenschaft mit Wirtschaftswissenschaften.

Die Rede von Rektor Thomas Bieger zielte auf das Verhalten der Lemminge in der Gruppe, den «Lemming-Effekt». Ein Sinnbild für Phänomene, bei denen man auf der Flucht der Masse folgt und dadurch erst recht in Gefahr gerät. Bieger erinnerte die Bachelors daran, dass sie sich auf ihrem bisherigen Lebensweg weitgehend von Kolleginnen und Kollegen haben leiten lassen können. Sei es durch gemeinsames Lernen oder durch den Erfahrungsschatz Studierender oberer Semester. «Diese Orientierung an der Masse führte Sie nicht in Gefahr, sondern zum heutigen Abschluss», sagte Bieger.

Massenphänomene als Ursache

Lemmingverhalten sei aber auf der gesamtwirtschaftlichen Ebene für grosse wirtschaftliche und gesellschaftliche Kosten verantwortlich. Bieger erinnerte an vier Krisen: 1987 der Schwarze Montag, Anfang der Neunzigerjahre die Immobilienblase in der Schweiz, ab 2000 mit dem Platzen der IT-Blase der neuerliche Einbruch an den Börsen und in der Wirtschaft und seit 2007 die Finanzmarktkrise. Der Mechanismus all dieser Krisen sei simpel. «Es wird auf ein neues Produkt, eine neue Technik oder ein neues Finanzmarktinstrument gesetzt. Zuerst mit eigenen Mitteln investiert, dann mit geliehenen Mitteln spekuliert.» Es lohne sich, rechtzeitig aus der Herde auszuscheren. Dazu brauche es Überblick und vertieftes Verständnis der Gesamtzusammenhänge. Und es brauche auch Mut.

Eigenständig bleiben

Bieger regte die Bachelors an, die Balance zwischen Eigenständigkeit und Orientierung an der Masse zu finden: «Lemminge haben zwar den Vorteil tiefer Such- und Informationskosten und profitieren von hoher sozialer Akzeptanz. Sie verpassen aber neue Einblicke und Einsichten. Vor allem hat man die Chance, nicht mit der Masse über die Klippe zu springen, indem man beispielsweise vor den anderen aus einem gesättigten Markt aussteigt.» (red.)