LOHN: «Unnötig und ein falsches Zeichen»

Das Personal von Kanton Thurgau und Schulgemeinden äussert sich kritisch über die Verschärfungen der Abgangsentschädigungen. Vor allem für jene über 50 Jahre sei das Risiko gross, keine Stelle mehr zu finden.

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Im Oktober gab der Thurgauer Regierungsrat bekannt, dass er die Bestimmungen über Abgangsentschädigungen seines Personals verschärfen wolle. Zu diesen Plänen haben nun der Gewerkschaftsbund Thurgau und die Verbände Personalthurgau und Bildung Thurgau Stellung ­genommen. «Aus unserer Sicht sind die Verschärfungen bei der Abgangsentschädigung unnötig und setzen ein falsches Zeichen», hält der Gewerkschaftsbund fest. Die Hürden würden so hoch gesetzt, dass eine Abgangsentschädigung praktisch ausgeschlossen werde und gerade bei Arbeitnehmenden über 50 Jahre sei das Risiko gross, dass sie keine Stelle mehr fänden. «Die Abgangsentschädigung ab fünf Dienstjahren ist deshalb zu belassen, im Vergleich zu anderen Kantonen ist es immer noch eine restriktive Praxis», schreibt der Gewerkschaftsbund in seiner Stellungnahme zuhanden des Regierungsrates. Mit der Abgangsentschädigung würden die finanziellen Folgen eines unverschuldeten Stellenverlustes gemildert.

Verbände reagieren mit Unverständnis

Bei einer unverschuldeten Kündigung habe der Arbeitgeber seiner Pflicht Folge zu leisten und diese nicht noch zu seinen Gunsten einzuschränken. «Nachdem Mitarbeitende aufgrund der Leistungsüberprüfung (LÜP) Stellen verloren haben oder Lohneinbussen in Kauf nehmen mussten und die nächste Sparrunde schon angekündigt ist, stossen diese Änderungsvorschläge bei Personalthurgau und Bildung Thurgau auf grosses Unverständnis», heisst es weiter. Die Regelung komme bei Mitarbeitenden über 50 Jahre, unverschuldetem Stellenverlust und nur in Härtefällen zur Anwendung und sei in den letzten Jahren sehr selten angewendet worden. «Am häufigsten war dies bei Umstrukturierungen nach Leistungsüberprüfungen und bei einem Rückgang der Schüler­zahlen.»

Trotzdem sollten die Hürden so erhöht werden, dass die Härtefallregelung noch weniger zur Anwendung kommen könne. Das sei für Personalthurgau und Bildung Thurgau unnötig und ein schlechtes Signal an die Mitarbeitenden, wird festgehalten. Betroffenen müsse bei unverschuldetem Stellenverlust wirksam unter die Arme gegriffen werden können. Dazu gehöre auch, dass sie bei der Stellensuche aktiv unterstützt würden, heisst es im Schreiben weiter.

«Arbeitnehmende über 50 Jahre haben es ungleich schwerer, eine neue Stelle zu finden –dem muss bei unverschuldetem Stellenverlust Rechnung getragen werden, zum Beispiel auch mit einem Job-Coaching.»

Regierung will Weiterbeschäftigung regeln

Der Regierungsrat möchte die Weiterbeschäftigung des Personals über das 65. Altersjahr hinaus regeln. Rund ein Drittel der betroffenen Mitarbeitenden seien an einer Weiterbeschäftigung über das 65. Altersjahr hinaus interessiert, hält der Regierungsrat fest. Daher habe er sich für eine Öffnung der bisherigen Praxis ausgesprochen.

Diese sieht aktuell vor, dass eine Weiterbeschäftigung nur in Ausnahmefällen möglich ist, wenn sie im besonderen Interesse des Kantons liegt. Von Personalthurgau werde der Vorschlag des Regierungsrats begrüsst, die Weiterbeschäftigung über 65 Jahre zu vereinfachen. Es sei aber notwendig, die Arbeits- und Altersphase zwischen dem 60. und 70. Altersjahr neu zu denken. Es sollten etwa Teilpensen und ­angepasste Tätigkeiten möglich sein, damit die Erfahrung und das Wissen von älteren Mitarbeitenden sinnvoll länger genutzt werden können.

«Die bisherige Lösung, dass nur in Ausnahmefällen eine Weiterbeschäftigung möglich ist, entspricht nicht den modernen Modellen von flexiblen Arbeitsmodellen im Alter», schreibt der Gewerkschaftsbund. Die Änderung werde begrüsst, sie solle aber nicht dazu führen, einfach die bisherige Tätigkeit weiterzuführen. Sie solle auch eine Chance für flexible Übergangspensen sein, wobei zu überlegen sei, wie diese ohne finanzielle Einbussen ausgestaltet werden sollten.

Kurt Peter

ostschweiz@tagblatt.ch