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LOGIERNÄCHTE: Zu wenig Touristen: Ländliche Ostschweiz serbelt

Der Schweizer Tourismus jubelt: Die Übernachtungszahlen sind so hoch wie seit dreissig Jahren nicht mehr. Die Ostschweiz kann nicht Schritt halten. Besonders betroffen: die Regionen Toggenburg und Heidiland.
Regula Weik, Christoph Zweili
Regierungsrat Bruno Damann. (Bild: Urs Bucher)

Regierungsrat Bruno Damann. (Bild: Urs Bucher)

Auf 37,4 Millionen Übernachtungen kam die Schweiz letztes Jahr. 5,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Von einem solchen Zuwachs kann die Ostschweiz nur träumen. Hier stiegen die Logiernächte marginal um 0,3 Prozent an. In den Kantonen Thurgau (–2,4 Prozent), Appenzell Ausserrhoden (–2,7) und Appenzell Innerrhoden (–2,0) blieben mehr Betten leer; einzig im Kanton St.Gallen übernachteten mehr Gäste als im Vorjahr (+1,5).

Der Geschäftstourismus boomt

Eine Tourismusregion schwingt obenaus und lässt sogar das schweiz­weite Wachstum verblassen: Die Region St.Gallen-Bodensee legte bei den Übernachtungen markant zu (+11,5). Regierungsrat Bruno Damann überrascht das Ergebnis nicht: "Aktuell boomt in der Schweiz der Städtetourismus." Dies zeigt sich auch in Luzern (+5,8) und ­Zürich (+ 8,0). Die Stadt St.Gallen profitiere von diesem Boom. Und: Der ­Geschäftstourismus ist den negativen Einflüssen der Frankenstärke weniger ausgesetzt als die ländlichen Regionen. HSG-Tourismusexperte Pietro Beritelli spitzt diese Aussage noch zu: "Ich behaupte, dass die schweizweiten guten Zahlen nur dank des boomenden Geschäftstourismus zustande kommen."

Städte wie Zürich, Genf, aber auch Bern lägen näher an den grossen Schweizer Tourismusregionen. Das sei mit ein Grund, weshalb eine Region wie die Ostschweiz bei den Logiernächten ins Hintertreffen gerät. "In der Ostschweiz geht die Post anderswo ab, etwa am Südufer des Bodensees in Deutschland. Die ­Ostschweiz hat keinen touristisch attraktiven Pol."

Regierungsrat Bruno Damann. (Bild: Urs Bucher)

Regierungsrat Bruno Damann. (Bild: Urs Bucher)

Für Damann ist klar: Der Fremdenverkehr in den Alpen steht seit bald zehn Jahren unter Druck. In Graubünden hat sich seither die Zahl der von deutschen Gästen gebuchten Logiernächte halbiert. Das spüren auch die ländlichen Regionen in der Ostschweiz, sagt Damann und nennt einige Herausforderungen: schneearme Winter, renovationsbedürftige Infrastruktur, ausländische Konkurrenz und nicht zuletzt den starken Schweizer Franken.

Die Angebote ennet der Grenze seien stark gewachsen – "und das erst noch in einem kostengünstigeren Umfeld", ergänzt Beritelli. Das führe nicht nur zu attraktiven Preisen für ausländische Gäste, die früher die Schweiz bevorzugt hätten. Auch die Schweizer gingen nun ins nahe Ausland in die Ferien. "Grenzgebiete wie St.Gallen leiden ganz extrem unter diesem Effekt, weil hier die Distanzen geringer sind und es keine grossen Anreisewege über Berge und Täler gibt."

Generationenwechsel und Fokus auf den Winter

Wie erklärt Beritelli, Verwaltungsratspräsident der Heidiland Tourismus AG, die besonders starken Verluste bei den Logiernächten im Toggenburg? Die Region leide besonders unter der Abhängigkeit vom Wintersport, der heute gesellschaftlich eine geringere Bedeutung hat. "Darüber hinaus ist ein Generationenwandel im Gang, der das noch verschärft: Die Grosseltern und Eltern haben ihre Ferienwohnung noch genutzt, die Kinder und Enkelkinder tun das ­weniger." Das gelte auch für die Region Heidiland mit ihrer heterogenen ­Struktur: "Es gibt einige gut laufende Hotspots, während andere Gebiete unter ähnlichen Problemen leiden wie im Toggenburg."


Kanton will Tourismusrat gründen

Die Forderung der Politik ist schon ­länger auf dem Tisch: Die vier St.Galler Tourismusdestinationen – St.Gallen-Bodensee, Heidiland, Toggenburg und Zürichsee – sollen enger zusammenarbeiten; nur so könnten sie die Zukunft bewältigen. Die heutigen Strukturen seien zu kleinräumig. Das Kantonsparlament hat denn schon vor Jahren eine Neustrukturierung verlangt. Die ursprüngliche Idee, mit dem Thurgau und Appenzell Ausserrhoden eine gemeinsame Tourismusstrategie zu erarbeiten, ist gescheitert. Die Nachkantone wollten davon nichts wissen. So beschloss der Kanton St.Gallen, wenigstens die eigenen Strukturen zu überarbeiten. "Das Ziel ist in Sichtweite", sagte Bruno Damann im Herbst im Interview mit unserer Zeitung.

Inzwischen, so der Regierungsrat auf Nachfrage, liege ein "Modellentscheid" auf dem Tisch, wie die angestrebte Optimierung der Tourismusstrukturen organisatorisch umgesetzt werden soll. "Die vier St.Galler Tourismusdestinationen gründen auf Januar 2019 den Tourismusrat St.Gallen." Dieser koordiniere und bündle Aufgaben und sei Ansprechpartner für die öffentliche Hand. "Der Kanton wird künftig nur noch eine Leistungsvereinbarung mit dem Tourismusrat abschliessen", sagt Damann. Diese enthalte Beiträge für die Grundleistungen wie auch solche für Projektentwicklungen. "Die Tourismusdestinationen erhalten dadurch mehr Kompetenzen, sie tragen gleichzeitig aber auch mehr Verantwortung."

St.Gallen top, Toggenburg flop

Der Blick auf die vier Tourismus­destinationen im Kanton St.Gallen:

St.Gallen-Bodensee
436'170 Logiernächte wurden voriges Jahr in der Tourismusregion St.Gallen-Bodensee gezählt, mehr als die Hälfte davon in der Stadt St.Gallen. Vier von fünf Gästen sind Geschäftsreisende; der Anteil Freizeittouristen wächst – aber nie so stark wie in Zürich. Dennoch: St.Gallen entwickelt sich zu einer Destination für Städtereisen. Gut die Hälfte der Übernachtungen gehen auf das Konto von Schweizer Gästen. Die meisten ausländischen Gäste reisten aus Deutschland an; sie machten gut 14 Prozent aus.

Heidiland
Weniger erfreulich sind die Zahlen der Destination Heidiland. Dort wurden 326'733 Logiernächte verzeichnet – 2,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Einbruch im Winter war um ein Mehrfaches grösser als jener im Sommer. Insgesamt ist der Sommertourismus aber bedeutender; die Bettenauslastung betrug allerdings auch in der warmen Jahreszeit nur knapp 30 Prozent. Das Heidiland verlor mehr Betriebe als die andern ­Regionen; deren Zahl ging von 81 auf 77 zurück.

Toggenburg
Am übelsten gebeutelt wurde das Toggenburg. Dort brachen die Logiernächte um 8,1 Prozent ein; 111'231 waren es noch. Die Betriebe sind gerade einmal zu 20 Prozent ausgelastet – sprich: An vier von fünf Tagen blieben die Hotelbetten leer. Das Tal versucht, bei der Hotellerie den Hebel anzusetzen, so etwa mit dem geplanten Jufa-Familienhotel. Der Sommer lockt mehr Gäste ins Tal als der Winter – 85 Prozent sind Schweizer.

Zürichsee
Die zweite St.Galler Region, die im ­vergangenen Jahr ein Plus verbucht, ist die Destination Zürichsee. Es wurden 627'870 Logiernächte verbucht, 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Abwärtstrend scheint damit gestoppt; 2013 bis 2016 waren die Zahlen rückläufig gewesen. Dies waren sie 2017 auch in Rapperswil-Jona: Die Rosenstadt gehört zu den grossen Verliererinnen, ihre Logiernächte brachen um 19 Prozent ein. Ein kräftiges Hoch erlebte dagegen Amden mit einem Plus von 21 Prozent. 70 Prozent der Gäste in der Zürichsee-Region kommen aus der Schweiz oder aus Deutschland. (rw, cz)

Touristische Attraktionen: Stiftsbibliothek, Therme Bad Ragaz, Klangweg, Chäserrugg, Rapperswil, Bodensee (im Uhrzeigersinn). (Bild: Michel Canonica, Ralph Ribi, Dolores Rupa/Swiss-image, Benjamin Manser)

Touristische Attraktionen: Stiftsbibliothek, Therme Bad Ragaz, Klangweg, Chäserrugg, Rapperswil, Bodensee (im Uhrzeigersinn). (Bild: Michel Canonica, Ralph Ribi, Dolores Rupa/Swiss-image, Benjamin Manser)

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