Listenverbindung: Thurgauer Grüne auf Kompromisskurs

Am Montag, 12. August, entscheiden die Grünen Thurgau über ihre Listenverbindung. Einiges deutet auf ein Dreierbündnis von GP, GLP und SP hin.

Christian Kamm
Merken
Drucken
Teilen
Vor vier Jahren ging noch alles seinen gewohnten Gang: Die Thurgauer Grünen votierten für eine Listenverbindung mit der SP. (Bild: Reto Martin)

Vor vier Jahren ging noch alles seinen gewohnten Gang: Die Thurgauer Grünen votierten für eine Listenverbindung mit der SP. (Bild: Reto Martin)

SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher kann ab sofort wieder etwas ruhiger schlafen. Der Entscheid fällt zwar erst nächsten Montag an einer Mitgliederversammlung der Grünen, aber das sozialdemokratische Schreckgespenst einer rein grünen Listenverbindung von GP und GLP könnte vom Tisch sein. Für die SP deshalb ein bedrohliches Szenario, weil sie dann den Sitz von Edith Graf auf sich allein gestellt verteidigen müsste. Und das würde zum Fotofinish. Weil ökologische Themen und mit ihnen die grünen Parteien Hochkonjunktur haben, hätten GP und GLP zusammen intakte Chancen, der SP ihren Nationalratssitz abzujagen.

Die Tradition fällt durch

Soweit dürfte es mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht kommen, wie eine Umfrage der «Thurgauer Zeitung» innerhalb der GP-Grossratsfraktion zeigt, an der neun der zehn Mitglieder teilgenommen haben. Die Fraktion kann die Frage der Listenverbindung zwar nicht selber entscheiden. Alle Kantonsrätinnen und Kantonsräte bekunden aber die Absicht, an der entscheidenden Mitgliederversammlung teilzunehmen. Und sie werden dort numerisch, aber auch politisch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben.

Schon feststehen dürfte, dass die traditionelle Listenverbindung GP/SP vom Tisch ist. Niemand unter den grünen Parlamentariern bezeichnet sie als seine erste Wahl, die meisten schliessen sie gar aus. Ganz einfach deshalb, weil die Chancen der Grünen auf einen Sitzgewinn in dieser Konstellation bei Null lägen. «GP/SP wäre wie gehabt: Schlafwagen-Wahl für die SP, verpasste Chance für die Grünen», bringt etwa Toni Kappeler das neue grüne Selbstbewusstsein auf den Punkt.

Ökologische und soziale Anliegen

Noch mit Unsicherheit behaftet ist hingegen die Prognose, ob die Variante GP/GLP oder GP/GLP/SP das Rennen machen wird. Aber es gibt eine Tendenz. Und die heisst: Dreier-Allianz. Die Kantonsräte Toni Kappeler, Brigitta Hartmann, Mathis Müller und Jost Rüegg sprechen sich explizit für die grosse Listenverbindung unter Einbezug der SP aus. Um das Ziel eines grünen Sitzgewinnes zu erreichen, sei sie zwar nicht die optimalste Lösung, räumt Rüegg ein. «Politisch gesehen ist sie aber am vernünftigsten.» Deshalb nehme er das in Kauf. «Wer immer nur an sich denkt, den holt das irgendwann wieder ein», plädiert Rüegg für Fairness gegenüber dem langjährigen Partner SP.

GP/GLP würde von vielen Mitgliedern, denen die sozialen Anliegen ebenso wichtig oder wichtiger seien als die ökologischen, «absolut nicht verstanden», begründet Kappeler seine Präferenz. «Es wäre auch ein Bruch mit unserer Geschichte als Partei, mit unseren Grundsätzen, die gleichwertig soziale und ökologische Ziele verfolgen.» Auch Brigitta Hartmann will den Sitz der SP nicht opfern: «Im Sozialen stehe ich der SP näher als der GLP.»

«Das wäre ein mutiger Entscheid»

Umgekehrt bekennt sich mit Karin Bétrisey lediglich eine Vertreterin der Grossratsfraktion zur Variante GP/GLP. Sie werde dafür votieren, weil mit der GLP rechnerisch die Chancen für die Grünen am besten stünden. «Der Entscheid für GP/GLP wäre mutig und würde uns Grünen gut stehen.» Kurt Egger, Peter Dransfeld, Gina Rüetschi, und Brigitta Engeli sind GP/GLP als auch GP/GLP/SP genehm. Beide Varianten hätten ihre Vor- und Nachteile, lässt sich Parteipräsident Egger noch nicht in die Karten blicken. Fraktionschef Dransfeld hat vor einem Jahr von der SP zur GP gewechselt und befindet sich damit in einer speziellen Situation. Auch er sagt: «Gemeinsame Wertvorstellungen sehe ich bei beiden möglichen Listenpartnern.»

Unter dem Strich spricht somit einiges dafür, dass es am Montag zur Kompromisslösung mit der Dreier-Listenverbindung kommen wird. Auch weil das Verhältnis zwischen GP und SP keineswegs als angespannt gilt, sondern dem Vernehmen nach sogar besser sein soll als in früheren Jahren. Damals hätten einige in der SP die Beziehung zur GP so verstanden, dass sie die Chefs seien und die Grünen müssten spuren. Nun aber gelte: Keine Spur mehr von Arroganz.