Lieber Bratwurst als Frosch

ST.GALLEN. Tierschützer wollen den Konsum von Froschschenkeln, Hummer und anderen kulinarischen Extras verbieten. Ein Blick in die Speisekarte von Ostschweizer Restaurants zeigt: Die Delikatessen sind, wenn überhaupt, nur schwer zu finden.

Janique Weder
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Gebratene Froschschenkel: Eine Delikatesse, die in der Ostschweiz in keinem Restaurant zu finden ist. (Bild: ap photo/Jacques Brinon)

Gebratene Froschschenkel: Eine Delikatesse, die in der Ostschweiz in keinem Restaurant zu finden ist. (Bild: ap photo/Jacques Brinon)

«Ein Verbot wäre irrelevant. Der Gast entscheidet selber, was er isst und was nicht», sagt Josef Müller-Tschirky, Kantonalpräsident von Gastro St.Gallen.

Die Rede ist von der Forderung, Froschschenkel, Haifischflossen, Stopfleber und Hummer zu verbieten (Ausgabe vom 29.10.2012). Obwohl die Initiative die kantonale Vorprüfung nicht bestanden hat, erregt sie Aufmerksamkeit. Einer Umfrage zufolge würde eine Mehrheit dem Verbot zustimmen. Gastronomen und Händler hingegen sind skeptisch. Nicht weil ihnen das Wohl der Tiere egal ist, sondern weil kaum ein Ostschweizer Restaurant diese Delikatessen anbietet.

Schweiz importiert keinen Hai

«Mir ist kein Koch aus der Region bekannt, der Haifischflossen oder Froschschenkel serviert», sagt Köbi Nett, mit 15 Gault-Millau-Punkten einer der renommierten St.Galler Gastronomen. Die Nachfrage in der Ostschweiz sei schlicht zu klein. «Das interessiert vielleicht 30 Leute in St.Gallen», erklärt Nett.

Diese Meinung vertritt auch Urs Zellweger von Zellweger Comestibles in Staad. Seine Fischhandlung habe noch nie Haifischflossen im Sortiment geführt. Als Mitglied der Casic-Einkaufsgenossenschaft weiss Zellweger ausserdem, dass die Schweiz keine Haifischflossen importiert.

Weniger lebender Hummer

Auch Hummer und Stopfleber gehören nach Meinung der Initianten nicht auf den Teller. Diese Delikatessen werden in der Ostschweiz allerdings angeboten – laut Urs Zellweger aber nur in kleinen Mengen. Auch er verkauft Hummer, lässt die Tiere aus den USA oder aus Kanada einfliegen. Die Nachfrage nach lebenden Tieren werde aber immer kleiner. Könnte der Fischhandel nicht ganz darauf verzichten? «Doch – aber wenn wir sie nicht anbieten, dann machen es andere», erklärt Zellweger.

Paolo Bianchi, CEO der Bianchi AG, liefert Fisch und Fleisch in die ganze Schweiz. Bei Hummer aus Wildfang sieht er keine Probleme. «Es gibt unglaublich grosse Bestände», erklärt Bianchi. Wenn diese nicht befischt würden, leide die Flora und Fauna der betroffenen Gebiete. Was den Verzehr von Hummer angehe, müssten die Ostschweizer kein schlechtes Gewissen haben. «Sie fristen in dieser Hinsicht ein Mauerblümchendasein», sagt Bianchi.

«Es ist Teil unserer Kultur»

Restaurants, die Hummer und Stopfleber auf der Speisekarte haben, gibt es in der Ostschweiz wenige. Ausnahmen sind Urs Wilhelm's Restaurant in Altnau, das Restaurant olivé im Radisson Blu in St.Gallen oder das Hotel Bad Horn. Der Horner Küchenchef Christian Göpel heisst das Anliegen des Tierschutzvereins teilweise gut. «Über die Fütterung der Gänse lässt sich tatsächlich streiten.» Auch könne niemand den Schmerz der Tiere nachempfinden. Trotzdem, so Göpel, seien Hummer und Stopfleber «ein Teil unserer Kultur» und ein beliebtes Essen bei den Gästen des Bad Horn. Als Küchenchef achte er dafür besonders darauf, dass solche Lebensmittel den Tierschutz-Richtlinien entsprechend hergestellt würden.

Ostschweizer essen vernünftig

Nicht die Art des Tiers, sondern wie es zubereitet wird, steht für die Köche und Händler im Vordergrund. «Die Leute lassen sich nicht alles verbieten», glaubt Köbi Nett. Ausserdem seien die Ostschweizer in der Regel vernünftige Esser. In seinem Restaurant kocht Nett, was ankommt. Und das seien vor allem regionale Produkte. Er finde das Anliegen der Initiative «aufgebauscht».

Gegen weitere Verbote ist auch Josef Müller-Tschirky. «Die Tierschützer sehen ein Problem, wo es keines gibt», erklärt er. Müller-Tschirky glaubt auch nicht, dass sich solche Anliegen durchsetzen werden. «Dann dürften wir gar kein Fleisch mehr essen.»

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