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Liebe Frauen, erst ab jetzt gibt es Geld – seit Anfang Jahr habt Ihr gratis gearbeitet

Der Equal Pay Day führt vor Augen, wie gross die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind. Rechnet man sie auf das Jahr um, arbeiten Frauen bis zum heutigen Tag, also bis zum 22. Februar, gratis, während die Männer für die gleiche Arbeit seit Anfang Jahr entlöhnt werden. Der Kampf um Lohngleichheit ist mühsam und meist erfolglos – auch für das St.Galler Staatspersonal.
Noemi Heule
Die Organisatoren des Equal Pay Day rechnen vor: Auf ein Jahr gerechnet, arbeiten Frauen bis zum 22. Februar gratis, während ihre Kollegen seit Jahresbeginn munter verdienen. (Bild: Urs Bucher)

Die Organisatoren des Equal Pay Day rechnen vor: Auf ein Jahr gerechnet, arbeiten Frauen bis zum 22. Februar gratis, während ihre Kollegen seit Jahresbeginn munter verdienen. (Bild: Urs Bucher)

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. So weit, so einfach. Doch das Lohngefälle bleibt bestehen: 18,1 Prozent beträgt es in der Ostschweiz, heisst es auf der Webseite des Kantons St.Gallen. So viel verdient die Durchschnittsfrau weniger als der Durchschnittsmann. Im Schweizer Mittel sind es 15,1 Prozent.

Rechnet man den Lohnunterschied auf das Jahr um, arbeiten Frauen bis zum heutigen Tag, also bis zum 22. Februar, gratis, während die Männer für die gleiche Arbeit seit Anfang Jahr entlöhnt werden, wie die Initiantinnen des sogenannten Equal Pay Days vorrechnen. Im öffentlichen Sektor ist der Unterschied minim kleiner; dennoch verdiente eine Staatsangestellte 2016 monatlich 1500 Franken weniger als ihr männlicher ­Kollege.

Ungleich ist nicht nur der Lohn, sondern auch der Weg, Lohngleichheit einzufordern. Für das Staatspersonal ist er nicht nur steinig, sondern manchmal so verworren, dass er zum Irrweg verkommt.

Betroffene und Behörden wissen nicht, wohin

Bevor eine Staatsangestellte Lohngleichheit einklagen kann, muss sie sich an eine Schlichtungsstelle wenden, während dies für Arbeitnehmerinnen in der Privatwirtschaft freiwillig ist. Davon gibt es sechs im Kanton allein für öffentlich-rechtliche Arbeitsverhältnisse. Die Notarin auf der Gemeindeverwaltung von Uznach hat sich an eine andere Stelle zu wenden als die Pflegefachfrau im Seniorenzentrum Uzwil. Die Kantonsschullehrerin in St.Gallen an eine andere als die Stadtsanktgaller Seklehrerin. Die Mesmerin der katholischen Kirche Kirchberg und jene der reformierten Kirche im Dorf haben wiederum eigene Anlaufstellen.

Lösen Sie unser Quiz zu den Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen:

Equal Pay Day – Wie viel verdienen Frau und Mann?

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Verwirrend? In der Tat. Auch für die Staatsangestellten selber. Viele wenden sich ratlos an die siebte Schlichtungsstelle im Kanton, jene für Gleichstellungsklagen von Arbeitnehmerinnen im privaten Sektor. Jede zweite Anfrage muss Präsidentin Regula Schmid abweisen, weil sie nicht zuständig ist. Auch bei der Schlichtungsstelle für Kantonsangestellte melden sich fälsch­licherweise Mitarbeiter einzelner Kommunen – einige werden gar von den Behörden dorthin verwiesen, wie Präsident Otmar Schneider sagt.

«Einheitliches Verfahren wäre wichtig»

Regula Schmid kritisiert nicht nur die Odyssee einzelner Klägerinnen ob der unklaren Zuständigkeiten, sondern überhaupt, dass Arbeitnehmerinnen in der Privatwirtschaft und in öffentlich-rechtlichen Verhältnissen in Gleichstellungsfragen ungleich behandelt werden. Sie sagt:

«Der Kanton will nicht, dass eine externe Stelle Einsicht hat.»

Regula Schmid fordert eine gemeinsame Schlichtungsstelle für alle, wie sie etwa Aargau, Basel, Bern, Schwyz oder der Vorzeigekanton Zürich kennt. «Das sind auch die Kantone mit den meisten Verfahren, welche die Rechtsprechung zur Gleichstellung prägen.» Ein einheitliches Verfahren wäre für die betroffenen Frauen und für die Aussenwirkung wichtig, sagt sie.

Die Anzahl Fälle der Schlichtungsstellen für das St. Galler Staatspersonal variieren stark. Die Schlichtungsstelle in Personalsachen des Kantons verzeichnet seit ihrem Start 2012 insgesamt 104 Fälle – im Schnitt 16 Fälle pro Jahr. Davon endeten 54 mit einer Einigung. Behandelt werden nicht nur Lohnforderungen, sondern auch Fälle, die Kündigungen, Arbeitszeugnisse, Freistellungen, Lohnrückzahlungen oder abgelehnte Bewerbungen betreffen. Auch sexuelle Belästigung fällt in die Zuständigkeit, wurde jedoch noch nie eingeklagt.

Die Schlichtungsstelle der Vereinigung St.Galler Gemeinden zählte 2018 zwei Fälle, gleich viele waren es bei der separaten Stelle für die Region Gossau-Flawil-Uzwil innert fünf Jahren. Jene der evangelischen Kirche behandelte seit der Entstehung 2017 gerade mal einen Fall.

Unabhängig, erfahren versus regionalverankert

Ob eine einzelne Schlichtungsstelle für Gleichstellungsklagen sinnvoller wäre? Einzelne Verantwortliche verneinen und heben die Nähe zu den Kommunen oder die regionale Verankerung hervor. Anderorts heisst es: «Mehr Fälle führen zu mehr Erfahrung», «das Know-how wird gebündelt». Oder: «Es könnte sein, dass die Hürde bei einer einzigen Schlichtungsstelle niedriger wäre.»

Dieser Meinung ist auch Regula Schmid. Sie zweifelt zudem die Unabhängigkeit der einzelnen Stellen an: Teilweise müssen sich die Angestellten innerhalb ihrer Gemeinde zuerst an eine Ombudsstelle wenden, bevor sie überhaupt zur Schlichtung gelangen dürfen.

Auch wenn nur rund die Hälfte der Fälle mit einer Einigung endet, gelangen die wenigsten vor Gericht. Die meisten Einzelpersonen geben vorher auf. 33 Verfahren endeten gemäss Gleichstellungsgesetz.ch im Kanton St.Gallen mit einem Gerichtsentscheid, seit das Gesetz 1996 in Kraft trat. Fünf davon betrafen Staatsangestellte. Im Gedächtnis bleibt einer davon: Nach einem Bundesgerichtsurteil erhielten 2011 das gesamte Pflegepersonal und alle Hebammen im Kanton rückwirkend mehr Lohn. Momentan ist eine Klage der Kindergärtnerinnen hängig.

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