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LIBELLEN: Fotograf entdeckt bedrohte Libelle in der Ostschweiz

Ein Hobbyfotograf hat die vom Aussterben bedrohte Sibirische Winterlibelle in der Ostschweiz gefunden. Sie ist auch im Winter zu entdecken – in einer Kältestarre.
Daniela Ebinger
Die Libellen verfügen über eine Art «Frostschutz» im Blut, das ein tödliches Gefrieren der Körperflüssigkeit verhindert. (Bilder: Daniela Ebinger)

Die Libellen verfügen über eine Art «Frostschutz» im Blut, das ein tödliches Gefrieren der Körperflüssigkeit verhindert. (Bilder: Daniela Ebinger)

Die Kälte verwandelte die Natur um die Lengwiler Weiher bei Kreuzlingen vor einigen Wochen beinahe in eine Eislandschaft. Trotz Minustemperaturen ist Gerhard Stalder anzutreffen. Der Mann aus Sommeri bewegt sich langsam, mit wachem Auge, bleibt stehen und zeigt mit dem Finger vom Wegrand aus auf einen Halm. Dort sitzt eine Libelle, unscheinbar, reglos und mit ganz kleinen Eiskristallen besetzt. Doch das kleine Tier lebt.

«Sie ist bei diesen Temperaturen in einer Kältestarre und somit in einer Art Stand-by-Modus», erklärt Stalder. Dabei werden alle ihre Körperfunktionen beinahe auf null zurückgefahren – Herzschlag sowie Atemfrequenz auf ein Minimum reduziert. «Das Tier verfügt über eine Art ‹Frostschutzmittel› im Blut, und dieses verhindert ein Gefrieren der Körperflüssigkeit.» Sein Wissen über die Libellen hat er sich nebst den eigenen Beobachtungen durch Lesen und Zuhören von Vorträgen angeeignet. «Über die vom Aussterben bedrohte Sibirische Winterlibelle und die nicht gefährdete Gemeine Winterlibelle weiss man noch nicht sehr viel», so Stalder. Seine in Bildern und Worten festgehaltenen Beobachtungen publiziert er im Thurgau und in deutschen Fachzeitschriften. Auch konnte er schon einige Male für den Kanton St. Gallen und den Thurgau über die Situation der Sibirischen Winterlibelle berichten.

Gespannt auf den Frühling

In den vergangenen zwei Wintern hat er in den drei Gebieten Lengwiler Weiher, Pfyn und Gottlieben über 100 Tiere beobachtet und dokumentiert. Doch diesen Winter habe er bedeutend weniger gesichtet. Der trockene Sommer im vergangenen Jahr sei für die Entwicklung der Larven nicht ideal gewesen. Damit die Eier sich entwickeln können, müsse das Reproduktionsgebiet überschwemmt werden. Das eine befinde sich in Gottlieben, und dieses sei trocken geblieben. Er sei gespannt, was er diesen Frühling an fliegenden Tieren trotzdem entdecken werde. Denn ab Ende März treffe man die Winterlibellen zur Paarung und Eiablage an den Gewässern an.

Die Larven entwickeln sich innert zehn bis zwölf Wochen, und im Juli schlüpfen die ersten Tiere. Es sind die einzigen Libellenarten, welche die kalte Jahreszeit als voll entwickelte Libelle überstehen. Sie zeichnen sich zudem durch ihre ungewöhnlich lange Lebensdauer von rund neun bis zehn Monaten aus. «Viele Arten leben als Libelle lediglich einige Wochen», erklärt Stalder.

Vom Hobbyfotografen zum Libellen-Experten

Der Experte erzählt, wie er vor zwei Jahren eine der 20 markierten Winterlibellen 119 Tage beobachtete und fotografisch festgehalten hatte. Dafür setzte er auf einem Flügel der Tiere mit einem wasserfesten Stift einen Punkt. Das Beobachten brauche sehr viel Geduld. Doch der Hobbyfotograf hat in den vergangenen neun Jahren seine Augen auf das Erspähen der unscheinbaren Tiere trainiert.

Für Stalder ist es in erster Linie ein Hobby aus Freude an der Natur, diese hautnah beobachten zu können und zu erforschen. Aufmerksam wurde er auf die Libelle durch die Fotografie. Er erinnere sich noch gut, wie er in seinem Garten gerne Schmetterlinge fotografierte und dabei eine Libelle entdeckte. Aus dem Inter­esse wurde ein Hobby, das sich mit den Jahren zur Passion ent­wickelte.

Daniela Ebinger

ostschweiz@tagblatt.ch

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