Lenkerin zu Recht verurteilt

Vor vier Jahren hat sich in Pfyn ein Unfall ereignet, bei dem ein Traktorfahrer starb. Jetzt hat das Bundesgericht das Urteil gegen eine Beteiligte bestätigt.

Urs-Peter Inderbitzin
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PFYN. Der Unfall hatte sich am Nachmittag des 13. Oktober 2011 ereignet. Ein 87jähriger Mann fuhr mit seinem Traktor auf der Hauptstrasse Richtung Frauenfeld. Gleichzeitig war eine Lenkerin auf der nicht vortrittsberechtigten Steckbornstrasse unterwegs. Die Frau hielt vor der Einmündung in die Hauptstrasse nicht vor der Wartelinie an. Sie gelangte mit ihrem Auto zwischen das rechte Vorder- und Hinterrad des Traktors.

Unter dem Traktor eingeklemmt

Der Traktors verkrallte sich mit dem Auto, was zu einem Anheben des rechten Hinterrades des Traktors führte. Dieser kippte um und kam auf dem Dach liegend zum Stillstand. Der Lenker wurde unter dem Traktor eingeklemmt. Er verstarb noch auf der Unfallstelle. Die Thurgauer Staatsanwaltschaft wirft der Lenkerin vor, sich der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht zu haben. Als das Bezirksgericht Frauenfeld sie freisprach, erhob die Staatsanwaltschaft Berufung ans Obergericht. Dieses hiess die Berufung gut und verurteilte die Lenkerin wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 70 Franken sowie zu einer Busse von 1300 Franken.

Beweiswürdigung bemängelt

Damit war die Lenkerin nicht einverstanden. Sie erhob Beschwerde ans Bundesgericht. Darin warf sie dem Obergericht vor, die Beweise willkürlich gewürdigt zu haben. Unter anderem hätte es wegen des hohen Alters des Traktorfahrers auch eine andere Todesursache als den angeblichen Milzriss – etwa eine Hirnblutung – in Betracht ziehen müssen. Einzig eine fachgerechte Obduktion hätte die Gewissheit gebracht. Die Feststellungen des Obergerichts, die sich auf einen Bericht des Amtsarztes stützten, seien unhaltbar und verletzten den Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten». Auch ein Gutachten zum Unfallhergang bemängelte die Lenkerin. Schliesslich warf sie dem Obergericht auch vor, die Zeugenaussagen nicht korrekt gewürdigt zu haben.

Umfassend und sorgfältig

Das Bundesgericht wies alle Einwände ab: «Alles in allem bringt die Beschwerdeführerin nichts vor, was die umfassende und sorgfältige Beweiswürdigung der Vorinstanz als willkürlich oder gegen den Grundsatz <in dubio pro reo> verstossend erscheinen lassen würde», heisst es im Urteil. Und weiter: Aus den sichergestellten Spuren und den Zeugenaussagen durfte das Obergericht schliessen, dass die Lenkerin nicht vor der Wartelinie angehalten hatte und mit dem Traktor auf der Hauptstrasse kollidiert war. Die Lenkerin muss die Gerichtskosten von 2000 Franken bezahlen.

Urteil 6B_225/2015