Die ersten 100 St.Galler Zivilschützer sind wegen des Corona-Virus im Einsatz – Leiter Bernhard Burkart: «Die Solidarität in der Bevölkerung ist riesig»

Bisher hat der Kanton St.Gallen im Kampf gegen das Corona-Virus die Hilfe der Armee nicht angefordert. Derweil unterstützen einige Einheiten des Zivilschutz die Gemeinden.

Adrian Lemmenmeier
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Bernhard Burkart, Leiter Zivilschutz im St.Galler Sicherheits- und Justizdepartement.

Bernhard Burkart, Leiter Zivilschutz im St.Galler Sicherheits- und Justizdepartement.

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Bernhard Burkart, Leiter Zivilschutz im St.Galler Sicherheits- und Justizdepartement, über Einsatzszenarien, Solidarität in der Bevölkerung und Home Office im Führungsstab.

Der Bund hat am Montag die Armee aufgeboten. Der Zivilschutz ist kantonal organisiert. Ist er im Kanton St.Gallen schon im Einsatz?

Bernhard Burkart: Ja, allerdings erst mit minimalen Kräften. Unsere Leute leisten Führungsunterstützung in den Gemeinden und im Kanton.

Was heisst das konkret?

Sie nehmen zum Beispiel Anrufe aus der Bevölkerung entgegen, geben Informationen weiter oder bearbeiten Aufträge für die Stabschefs. Derzeit gibt es enorm viele Anfragen von Leuten, die ihre Hilfe anbieten. Die Solidarität in der Bevölkerung ist riesig. Es gibt einen starken Willen, jetzt gemeinsam die Schwachen zu schützen. Gleichzeitig gibt es viele Leute aus Risikogruppen, die wirklich Unterstützung brauchen. Wichtig ist jetzt, dass wir Angebot und Nachfrage geordnet zusammenbringen. Dabei unterstützen wir die Gemeinden.

Wie viele Leute stehen derzeit im Einsatz?

Rund 100.

Wie viele könnte man im Kanton St.Gallen aufbieten?

Gut 5500. Der Zivilschutz ist aber das letzte Mittel, dass im Krisenfall eingesetzt wird. Wir erhalten derzeit viele Anfragen, ob wir gewisse Aufgaben übernehmen können. Zum Beispiel in der Kinderbetreuung oder der Versorgung von Menschen in Quarantäne. Diese müssen wir ablehnen. Wir dürfen unsere Mitglieder in einer solchen Situation nicht zu früh mobilisieren. Es gilt, jetzt personelle Ressourcen zu schonen, damit wir mit genügend Leuten bereitstehen, wenn es uns wirklich braucht.

Welche Aufgaben kann der Zivilschutz neben der Führungsunterstützung übernehmen?

Es geht vor allem um Betreuung. Falls es in Heimen oder Spitälern Personalengpässe gibt, kann der Zivilschutz aushelfen, indem unsere Betreuer Arbeiten übernehmen, für die es keine Fachkenntnisse braucht. Derzeit sind entsprechende Ausbildungen in der Vorbereitung. Auch können wir zivile Fahrten für die Blaulichtformationen übernehmen, um diese zu entlasten. Wir stehen derzeit mit den Samaritervereinen und dem Roten Kreuz in Kontakt.

Wie schnell kann der Zivilschutz seine Leute einsetzen?

Genau wie die Armee können wir unsere Leute über SMS aufbieten. Dabei achten wir natürlich darauf, jene Mitglieder nicht einzuziehen, die sonst gebraucht werden, etwa im Gesundheitswesen, in der Kinderbetreuung oder in wichtigen Positionen in der Wirtschaft. Wir wollen die Leute so spät wie möglich aus ihrem Umfeld reissen.

Was sind im Moment die grössten Herausforderungen?

Auch für uns ist es ungewohnt, Social Distancing einzuhalten. Die meisten Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus. Die Führungsstäbe kommunizieren nur noch über Telefon. Zur Ausbildung bauen wir E-Learning-Formate auf. Jene, die noch in Büros arbeiten, tun das zeitlich versetzt. Gleichzeitig befindet sich der St.Galler Zivilschutz in einem strukturellen Wandel. Deshalb sind noch nicht alle Abläufe perfekt eingespielt. Aber alle tun ihr bestens, das zu verbessern. Wir sind auf gutem Weg.

Der Zivilschutz ist in St.Gallen regional organisiert. Wer hat in einer Krise das Kommando?

Im Moment haben wir noch keine Befehlskette, sondern einen Dialog mit unseren acht Zivilschutzregionen und den 77 Gemeinden. Es ist aber möglich, dass das Kommando auf Kantonsebene zentralisiert wird. Dazu braucht es einen Beschluss des Regierungsrats.

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