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Kommentar

Zur St.Galler Abstimmung über die IT-Bildungsoffensive: Eine Antwort auf die Invasion

Wer heute keinen Internet­anschluss hat, gehört zu einer aussterbenden Gattung. Weit über die Hälfte der Weltbevölkerung ist inzwischen online. Am 10. Februar stimmt der Kanton St. Gallen über die IT-Bildungsoffensive ab.
Andri Rostetter
Andri Rostetter. (Bild: Ralph Ribi)

Andri Rostetter. (Bild: Ralph Ribi)

Die Zahlen aus dem Global Digital Report verdeutlichen: Die Digitalisierung fängt erst richtig an. 2017 veröffentlichte der deutsche Autor und Kolumnist Sascha Lobo ein «Plädoyer für einen digitalen Marshallplan». Darin enthalten sind ­13 Forderungen für den staatlichen Umgang mit der Digitalisierung. Lobos Warnung: «Wenn wir unsere digitale Infrastruktur nicht auf Stand bringen, entsteht unbezahlbarer Schaden.» Nicht so drastisch, aber in der Tendenz ähnlich gemeint ist die St. Galler IT-Bildungsoffensive, die am 10. Februar an die Urne kommt. 75 Millionen Franken will der Kanton in die Bildung investieren, um sie in Sachen Digitalisierung auf den neuesten Stand zu bringen. Im Begleittext zur Vorlage heisst es: «Die Bildung muss den digitalen Wandel zum einen vorausschauend begleiten, aber auch aktiv mitgestalten.»

Leicht böswillig könnte man sagen: Die IT-Bildungsoffensive ist ein Geldtopf für Projekte, die zum Teil noch nicht einmal auf dem Papier existieren. Die diversen angedachten Förderprojekte, Plattformen und Kompetenzzentren sind vage gehalten, jeder darf hineininterpretieren, was ihm gefällt. Was etwa unter «Massnahmen zur Vernetzung von Bildung und Wirtschaft» zu verstehen ist, weiss wohl nicht einmal der Bildungsdirektor selber. Wobei: Er muss es auch nicht wissen. Entscheidend ist die Ausführung, die Praxis, der Nutzen im realen Bildungsalltag. Die Regierung hat deshalb schon vor der Abstimmung einen Programmleiter bestimmt, der die durchgehende Digitalisierung der St.Galler Bildungslandschaft orchestrieren soll. Das ist nicht falsch. Ob eine einzige Person in der Lage sein wird, den Überblick über sämtliche Massnahmen und Projekte zu behalten, muss sich weisen.

Die Vorlage ist ein Kompromiss wie aus dem Lehrbuch. Das ist durchaus positiv gemeint. Kein Bildungsbereich wird ausgelassen, von der Volksschule bis zur Uni kommen alle auf ihre Kosten. Diese Wenn-schon-dann-schon-Haltung ist für Ostschweizer Verhältnisse erfreulich. Eine Offensive muss umfassend sein, damit sie ihre volle Wirkung entfalten kann. Die Digitalisierung verschont schliesslich auch niemanden.

Der effektive Nutzen der IT-Bildungsoffensive wird sich nicht messen lassen. Das ist keine Besonderheit dieser Vorlage, sondern eine generelle Eigenheit von Bildungsinvestitionen. Man weiss im Nachhinein nie, wie es ohne die Millionen herausgekommen wäre. Das darf aber keine Ausrede sein. Mittelfristig wird uns die Digitalisierung so oder so zu massiven Investitionen in die Bildung zwingen. Damit sind nicht bloss neue Tablets für Primarschüler gemeint. Sondern tief greifende Verände­rungen, die heute noch nicht ­absehbar sind. «Bewusstsein ist der erste Schritt zur Freiheit», ­sagt der Internetpionier Jaron Lanier.

Diese Haltung hat nichts mit unkritischer Digitalisierungseuphorie zu tun. Wir wissen heute, dass die Digitalisierung weder gut noch böse ist. Sie ist eine Tatsache, eine nicht umkehrbare Entwicklung. Auch wer sich ihr verweigert, ist Teil von ihr. Auch wer auf ein Smartphone verzichtet und keine Sekunde im Internet verbringt, hinterlässt Datenspuren. Bei Behörden, Krankenkassen, Banken, Versicherungen existieren wir als binäre Codes, auch wenn wir es nicht wollen. «Das Bewusstmachen dessen, was da einsickernd passiert – die Invasion des Digitalen –, müsste ein vordringliches Lernziel werden», hielt der Pädagoge Wolfgang Schimpf in der «Süddeutschen Zeitung» fest. So gesehen sind 75 Millionen Franken nicht viel, um unser Bildungswesen für eine der grössten Heraus­forderungen unserer Zeit zu ­rüsten. Mit einem Ja zur IT-Bildungsoffensive schaffen wir eine solide Grundlage für das, was ohnehin kommen wird.

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