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LEITARTIKEL: Diese Ostschweizer Sesselkleber sollten sich verabschieden

In St.Gallen gibt es drei Nationalräte, welche sich nun doch schon im Spätherbst ihrer Politkarrieren befinden. Für die Herren Müller und Büchler werde es Zeit. "Mit einem baldigen Rücktritt würden sie es ihren Nachfolgern erlauben, in Bern rechtzeitig Tritt zu fassen", schreibt Chefredaktor Stefan Schmid in seinem samstäglichen Leitartikel.
Stefan Schmid
Thomas Müller von der SVP ist seit elf Jahren Nationalrat. (Bild: Keystone)

Thomas Müller von der SVP ist seit elf Jahren Nationalrat. (Bild: Keystone)

Maximilian Reimann, Onkel des St. Galler SVP-Nationalrats Lukas Reimann und Aargauer Nationalrat, will es nochmals wissen. Wie er gegenüber dem «Blick» verrät, überlegt sich der 75-Jährige in zwei Jahren eine erneute Kandidatur für das tolle Amt im Bundeshaus. Die Begründung: Die Aufgabe mache ihm Spass. Und seine Alterskategorie, die Ü75-Fraktion, sei im Parlament untervertreten. Zwei stichhaltige Argumente, keine Frage. Es leuchtet ein, dass die stetig wachsende Gruppe der Pensionäre eigene Vertreter ins Parlament entsenden will. Die Regeln der Demokratie sind diesbezüglich simpel. Legitimiert ist, wer gewählt wird.

Es ist auch nicht so, dass der in zahlreichen Ländern grassierende Jugendwahn die Welt besser gemacht hätte. Noch hat Emmanuel Macron (39) Frankreich nicht erfolgreich reformiert. Der stürmische «Verschrotter» Matteo Renzi (42) ist in Italien fürs erste aufgelaufen, und was der 31-jährige Sebastian Kurz in Österreich zustande bringt, ausser gegen Migranten zu pöbeln, das werden wir noch sehen.

Alles paletti also? Soll von den Ostschweizer Bundespolitikern nochmals antreten, wer Lust dazu hat? Klar, letztlich muss das jeder und jede selber wissen. Den Stichentscheid fällt ohnehin das Volk. Gleichzeitig aber gibt es so etwas wie eine Weisheit, die besagt, dass frische Köpfe oft auch frischen Wind bringen. Dass Sesselkleber mitunter eher zur Erstarrung beitragen, statt Verkrustungen aufzubrechen. Ein Teich ohne Zufluss beginnt irgendwann zu stinken. Hinzu kommt: Abwechslung macht das Leben spannender. Nichts ist langweiliger, als in politischen Diskussionen ständig mit denselben Figuren konfrontiert zu werden. Im Thurgau haben mit Hermann Hess (65) und Hansjörg Walter (66) zwei amtierende Nationalräte ihre Rücktritte bekannt gegeben und damit jüngeren Kräften Platz gemacht. Das ist nobel und parteipolitisch sinnvoll. Weitere Abgänge drängen sich vorläufig nicht auf. Ebenso wenig im Appenzellerland, wo sowohl die beiden Ständeräte Ivo Bischofberger (59) und Andrea Caroni (37) als auch die Nationalräte Daniel Fässler (57) und David Zuberbühler (38) einen frischen und motivierten Eindruck hinterlassen.

Bleibt St.Gallen. Die Wiederwahl von Karin Keller-Sutter (53) in die kleine Kammer ist unbestritten, es sei denn, die Wilerin gehört bis 2019 bereits dem Bundesrat an. Trotz seiner dannzumal 33 Jahre in Bundesbern macht auch Paul Rechsteiner (65) einen unverändert tatendurstigen Eindruck. Er lässt sich als Vizepräsident für die gewichtige Sozialkommission portieren mit dem Ziel wohl, das Gremium in zwei Jahren zu präsidieren. Dies setzt eine erneute Kandidatur des SP-Mannes voraus. Ob man Rechsteiners prononciert linke Politik schätzt oder nicht, spielt in der Beurteilung keine Rolle. St.Gallen verfügt mit dem Genossen über einen überdurchschnittlich versierten und national höchst einflussreichen Politiker. Es gibt keinen Grund, den Politveteran zum Abgang aufzufordern.

Dasselbe gilt übrigens auch für Toni Brunner (SVP), der zwar erst 43 Jahre alt ist, doch schon sein halbes Leben lang im Parlament sitzt und damit zu den Amtsältesten gehört. Der Toggenburger ist ein Ausnahmetalent. Es wäre schade, würde er sich nur noch um seine Kühe kümmern. Mit Thomas Müller (64), Walter Müller (69) und Jakob Büchler (65) sitzen im Nationalrat seit geraumer Zeit aber auch drei Politiker, die nie eine Hauptrolle gespielt haben. Sie befinden sich im Spätherbst ihrer Karrieren. Mit einem baldigen Rücktritt würden sie es ihren Nachfolgern erlauben, in Bern rechtzeitig Tritt zu fassen. Ob die Nationalräte so grossmütig sind, ihre Sessel vorzeitig zu räumen? Vielleicht nützt es, wieder einmal Goethes Gedicht «Das Göttliche» zu lesen. Dort heisst es: «Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen.»

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