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Das Grundproblem bei den Sanitären ist der Lehrlingsmangel

Dinah Hauser
Einer der Wenigen: Ein Goldacher hat sich für eine Lehre als Sanitärinstallateur entschieden. Und ist begeistert ob der Vielseitigkeit des Berufs. (Bild: Michel Canonica)

Einer der Wenigen: Ein Goldacher hat sich für eine Lehre als Sanitärinstallateur entschieden. Und ist begeistert ob der Vielseitigkeit des Berufs. (Bild: Michel Canonica)

Bei Verstopfung oder Rohrbruch zwei oder mehr Tage warten, bis das Wasser wieder fliesst. Das könne im Extremfall drohen, befürchtet Christian Kraus, Geschäftsführer des Ausbildungszentrums des Ostschweizerischen Gebäudetechnikverbandes. Soweit dürfe es nicht kommen, auch wenn es aktuell an Fachkräften fehle.

Das Grundproblem der Gebäudetechnikbranche: Der Nachwuchs bleibt aus.

«Jährlich kommen schweizweit durchschnittlich 50 Prozent zu wenig neue Berufsleute auf den Markt.»

Viele Lehrstellen könnten gar nicht besetzt werden. Auch in der Ostschweiz zeigen die Zahlen der kantonalen Ämter für Berufsbildung in diese Richtung. 2017 wurden im Thurgau 40 Prozent der verfügbaren 24 Heizungsinstallateur­-Lehrstellen nicht besetzt. Bei den Sanitärinstallateuren waren es 30 Prozent der 35 Ausbildungsplätze. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden gibt lediglich bekannt, dass in den vergangenen drei Jahren jeweils rund 10 Lehrstellen besetzt wurden. 29 Lehrbetriebe sind beim zuständigen Amt gemeldet.

Schulische Leistung als Herausforderung

Es sind wenig erfreuliche Zahlen, die Christian Kraus präsentiert. In einer landesweiten Suissetec-Studie wurden Unternehmen gefragt, warum sie keine Lehrlinge ausbilden. Der mit Abstand wichtigste Grund: 54 Prozent gaben an, sie fänden zu wenig geeignete Bewerber für die Lehrstellen. Ein Viertel der Unternehmen sagten, sie hätten zu wenig Mitarbeiter, um die Lehrlinge zu betreuen.

Das Problem beginne oftmals bei der Rekrutierung, denn tendenziell schulisch schwächere Personen entschieden sich eher für eine Ausbildung im Baugewerbe. Kraus sagt:

«Der oftmals tiefe Notenschnitt der Lehrlinge stellt eine grosse Herausforderung dar.»

Zudem fehle es an gut ausgebildeten Berufsfachleuten, die ihr Wissen weitergeben können. So ist es nicht verwunderlich, dass schlechte Leistungen in der Schule der Hauptgrund für viele Lehrabbrüche sind, wie aus der Umfrage hervorgeht. Rund ein Viertel der Lernenden brechen ihre Lehre ab, wobei auch Vertragswechsel darunter fallen. «Bis zu den Herbstferien haben bereits drei Auszubildende, die in unserem Ausbildungszentrum waren, den Lehrvertrag aufgelöst», sagt Kraus. Eine Person sei in einer anderen Fachrichtung wieder eingestiegen. Das zuständige Innerrhoder Amt verzeichnet jährlich eine Lehrvertragsauflösungsquote von 4Prozent bei den handwerklichen Berufen. Ausserrhoden meldet bis zu zwei Auflösungen in der Gebäudetechnik pro Jahr.

Hauptgründe für Lehrvertragsauflösungen sind vor allem ungenügende Leistungen oder eine falsche Berufs- und Lehrstellenwahl, wie aus der Suissetec-Umfrage hervorgeht. Auch ungenügendes Wissen über den Betrieb vor Lehrbeginn oder mangelndes Interesse am Beruf werden häufig genannt. In letzteren Fällen «lief schon die Rekrutierung falsch», sagt Kraus.

Eine weitere Auffälligkeit zeigt sich bei der schweizweiten Durchfallquote der Lehrabschlussprüfung von Gebäudetechnikern aus dem Jahr 2017: Durchschnittlich 23,5 Prozent bestehen diese nicht. Gründe dafür sind gemäss Suissetec-Umfrage fehlende Motivation und mangelnde Prüfungsvorbereitung seitens der Lernenden. Zudem sind die Berufsmaturitäts- und Weiterbildungsquoten in den Berufen der Gebäudetechnik sehr tief. 2016 betrugen diese 1,25 respektive 12Prozent. Dies stehe in Zusammenhang mit den sonst schon eher schwachen schulischen Leistungen. Beim vorherrschenden Lehrlingsmangel müsse aber beachtet werden, sagt Kraus, dass momentan die geburtenschwächsten Jahrgänge ins Lehralter kämen. Bis 2023 werden schweizweit 7 Prozent mehr Jugendliche erwartet. «Es wäre schön, wenn wir künftig mehr Jugendliche für die Gebäudetechnik begeistern könnten.»

«Ohne Gebäudetechniker geht nichts»

Suissetec sieht nicht tatenlos zu, sondern versucht aufzuzeigen, dass die Gebäudetechnik-Berufe zukunftsträchtig sind – man denke an die Umsetzung der Energiestrategie 2050. «Hier sind die Gebäudetechniker Teil der Lösung, ohne sie geht nichts», sagt Kraus.

Daher investiert der Verband viel, um junge Leute zu erreichen. So wurde vor einige Jahren die Internetseite www.toplehrstellen.ch ins Leben gerufen, um Jugendliche von einer Ausbildung in der Gebäudetechnik zu überzeugen. Zudem läuft aktuell eine Image- und Rekrutierungskampagne («Wir bringen Gebäude zum Leben»). Diese finde vor allem Online statt, also genau dort, wo die Jungen sind. Die Kampagne verfolgt das Ziel, die Bekanntheit und das Image der Branche zu verbessern, offene Lehrstellen zu besetzen und Jugendliche für die Gebäudetechnikberufe zu motivieren. Kraus sagt:

«Die Karriere-Möglichkeiten in der Gebäudetechnik­branche sind riesig.»

Zwar beträgt etwa der Mindestlohn eines Sanitärs mit EFZ Abschluss nur 4100 Franken. Ein Monteur könne mit entsprechenden Weiterbildungen zum Polier oder gar Bauführer aufsteigen und so seinen Lohn steigern.

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