Lehre und Glauben in einem Betrieb

Forstwart, Fachfrau Hauswirtschaft und Koch: Im Bistum St. Gallen gibt es ein paar wenige Jugendliche, die ihre Lehre in einer kirchlichen Institution absolvieren. Drei Lernende erzählen, wie sie ihre Ausbildung erleben und weshalb sie sich für diese Betriebe entschieden haben.

Raphael Bucheli
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Raphael Sutter hat im Gymnasium Friedberg seine Kochlehre gemacht. (Bild: Daniel Dorrer)

Raphael Sutter hat im Gymnasium Friedberg seine Kochlehre gemacht. (Bild: Daniel Dorrer)

Bei der Kaserne Neuchlen nahe Gossau ist es laut, doch nicht weil das Militär scharf schiesst. Der Lärm kommt von einem Schopf bei der Kaserne. Zwei Männer spalten Holz mit Kettensäge und Spaltmaschine. Ein Lehrling und sein Ausbildner.

Förster im katholischen Wald

Der Lehrling heisst Sven Mock, ist 18 Jahre alt und kommt aus Gossau. Er macht seine Forstwart-Lehre beim Forstbetrieb des katholischen Konfessionsteils St. Gallen, der im Kanton mehr als 300 Hektaren Wald besitzt. Entdeckt hat Mock die Lehrstelle an der Bildungsmesse in St. Gallen. «Ich gehe gerne draussen Klettern und bin ein naturverbundener Mensch, deswegen wollte ich einen Beruf erlernen, bei dem ich im Freien arbeiten kann», sagt Mock. Zwischen Holzscheiten, Axt und Ästen scheint er sich wohl zu fühlen. Mock ist katholisch und geht «manchmal» in die Kirche, seine Religion spielte für ihn bei der Bewerbung keine Rolle. Auch sind seine Eltern keine Förster. Für die Lehrstelle sprach aber der Arbeitsweg: Nur zwei Minuten braucht er bis zum Wald, in dem er meistens arbeitet. Den Bezug zur Kirche merke der Forstwart-Lehrling im Arbeitsalltag kaum. «Wir beliefern hauptsächlich den Walter-Zoo und Private mit unserem Holz.» Die Lehre entspreche dem, was er gesucht habe, und er würde sich heute wieder so entscheiden. Auch die Gefahr des Berufs schreckt ihn nicht ab. Die Suva ordnet den Beruf des Forstwarts als gefährlichsten aller Berufe in der Schweiz ein. «Wenn man sich an ihre Regeln hält, kann nichts passieren», sagt Mock.

Im Hotel am Walensee

Bei Franziska Stocker kreischen keine Sägen. In Quarten über dem Walensee arbeitet sie im Hügel-Idyll des Hotels und Bildungszentrums Neu-Schönstatt. Dort macht die 17jährige Oberrieterin die Lehre zur Fachfrau Hauswirtschaft. Die Lehrstelle lässt sie zwischen Walensee und Rheintal pendeln. «Bereits meine Schwester hat hier im Bildungszentrum Neu-Schönstatt gearbeitet, und sie hat mir die Lehrstelle empfohlen. Ich schätze die Abwechslung bei der Arbeit. Wenn ich meine Ausbildung abschliesse, werde ich Erfahrung in Reinigung, Kochkunst und Hotellerie haben, weil ich überall eingesetzt werde», sagt die Lehrtochter mit einem leicht stolzen Lächeln.

Bei Stocker stand die Ausbildung im Vordergrund, obwohl sie durchaus einen Bezug zur Kirche hat. In Oberriet besucht sie jeden Sonntag den katholischen Gottesdienst. Doch nicht nur dann trifft sie auf Kirchgängerinnen, denn in Neu-Schönstatt lebt noch heute eine Gemeinschaft von Schönstätter Marienschwestern, die den Ausflugsort am Walensee besitzt und einst erbauen liess. «Die Schwestern sind sehr offen. Einige von ihnen arbeiten auch mit uns im Betrieb. Den Bezug zur Kirche spürt man in Neu-Schönstatt an der Inneneinrichtung der Gebäude und am Essen der Schwestern, für die wir kochen und teilweise auch putzen», sagt die junge Frau. Zweimal in der Woche ässen die Schwestern fleischlos. Ebenso würden an Feiertagen viele unterschiedliche Anlässe organisiert.

Kochen bei den Pallottinern

In Raphael Sutters Betrieb geht es einmal laut und einmal ruhig zu und her. Sutter ist seit Ende Juni ausgelernt und hat im Gymnasium Friedberg in Gossau seine Lehre zum Koch absolviert. Der 18jährige Katholik ist Ministrant in Jonschwil, doch auch bei ihm war es der Beruf, der ihn zur Bewerbung bewog. «Ich habe beim Gymnasium geschnuppert und mich anschliessend beworben», sagt Sutter. «Ich habe sowohl für die Schüler der Schule als auch für die Pallottiner, die hier wohnen, gekocht.» Mittagsmenus und Bankette. Europäisch und asiatisch. Fleisch, Fisch, Salat. Oft vegetarisch und manchmal gar vegan. Mit seinen Mitarbeitenden habe er sich immer gut verstanden und den religiösen Kontext seines Lehrbetriebs bei der Arbeit kaum gespürt. Freitagmittags habe es immer Pasta oder Fisch gegeben.

Keine Zukunftsangst

Den drei jungen Leuten ist neben dem Bezug ihrer Betriebe zum katholischen Glauben eines gemeinsam: Ihre Lehrstellen sehen sie nicht in Gefahr. Weder werden Roboter sie ersetzen noch externe Betriebe ihre Aufgaben übernehmen. Das hänge mit der Struktur ihrer Berufe zusammen. «Der beste Wächter über den Wald ist immer noch der Mensch, der ihn kennt», so Mock, und Stocker sagt: «In einem Hotelbetrieb müssen die Bereiche harmonieren.» Und Sutter weiss: «Den Koch kennen die Leute lieber persönlich.»

Franziska Stocker erlernt in Neu-Schönstatt die Hauswirtschaft. (Bild: Urs Bucher)

Franziska Stocker erlernt in Neu-Schönstatt die Hauswirtschaft. (Bild: Urs Bucher)

Sven Mock ist Forstwart-Lehrling beim katholischen Konfessionsteil. (Bild: Ralph Ribi)

Sven Mock ist Forstwart-Lehrling beim katholischen Konfessionsteil. (Bild: Ralph Ribi)