Leere Becken, versiegelte Türen

OBERRIET. Die Melander-Farm von Hans Raab ist Geschichte. Das Konkursamt hat das Gebäude versiegelt, die Aufzuchtbecken sind leer. Seine Bewilligungen aber hat Raab trotz Ankündigung nicht beim Kanton deponiert.

Sarah Gerteis
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Die Aufzuchtbecken in Oberriet sind leer und werden es wohl auch bleiben. (Bild: Keystone/Archiv)

Die Aufzuchtbecken in Oberriet sind leer und werden es wohl auch bleiben. (Bild: Keystone/Archiv)

Der Rückzug kam überraschend. Vergangenen Donnerstag liess der deutsche Unternehmer Hans Raab eine Pressemitteilung verbreiten, in der er die sofortige Schliessung seiner Melander-Fischfarm in Oberriet bekannt gab und ankündigte, die Schweiz für immer zu verlassen. Zudem liess er verlauten, am Montag sämtliche Gewerbegenehmigungen der Kantonsverwaltung zurückzugeben.

Fische sind weg
Beim Kanton allerdings sind die Bewilligungen bislang nicht deponiert worden – weder beim Amt für Umwelt und Energie, von dem Raab eine Genehmigung für Wassernutzung erhalten hatte, noch beim Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen. «Hans Raab hatte von uns eine Bewilligung für Lebensmittelproduktion», erklärt Amtsleiter und Kantonstierarzt Thomas Giger. Zudem wurde ihm eine provisorische Wildtierhaltebewilligung ausgestellt. Doch die Becken mit den Fischen sind mittlerweile geleert worden, wie Giger bestätigt. Davon habe sich ein Mitarbeiter des Amtes für Verbraucherschutz und Veterinärwesen am Dienstagnachmittag vor Ort überzeugen können.

Verbotene Tötungsmethode
Raab liess vor der Schliessung nach eigenen Aussagen 100'000 Melander schlachten, die sich noch in Oberriet befanden. Betäubt wurden die Tiere offenbar mit einem Schlag auf den Kopf, wie Giger erfahren hat. In den Anfangszeiten der Melander-Farm verzichtete Hans Raab jedoch darauf, die Tiere vor dem Schlachten gesetzeskonform zu betäuben. Die Fische – eine Kreuzung von afrikanischen Welsen – kamen lebendig in eine rotierende Eistrommel, in der sie heruntergekühlt, entschleimt und anschliessend geköpft wurden. Wegen ebendieser Methode kam es schliesslich zum Streit zwischen Raab und den kantonalen Behörden. Weil das Verfahren mit der Eistrommel der Tierschutzverordnung widerspricht, stellte das St.Galler Veterinäramt Raab im Frühling 2009 ein Ultimatum zur Anpassung der Tötungsmethode. Diesen Entscheid akzeptierte Raab nicht. Er sprach von Rufmord, drohte den Strom abzuschalten und die Tiere verenden zu lassen. Schliesslich liess er die Fische schlachten und kündigte an, den Betrieb in Oberriet einzustellen.

Comeback und erneute Schliessung
Im Januar 2010 hingegen war der streitbare Unternehmer zurück in Oberriet und gab bekannt, die Fischzucht wieder aufnehmen zu wollen. Gleichzeitig drohte er dem Kanton mit einer Schadenersatzklage in Millionenhöhe. Wenige Tage später liess Raab durch seinen Medienberater ausrichten, er werde die Fischfarm schliessen. Im September vergangenen Jahres jedoch meldete er sich wieder zurück und gab sich erneut kämpferisch. Zwar hatte er mittlerweile die Schadenersatzforderung gegen den Kanton zurückgezogen. An seiner verbotenen Tötungsmethode jedoch wollte er festhalten, sie gar vom Bund anerkennen lassen. Doch dazu kam es laut Kantonstierarzt Thomas Giger nicht: «Der Bund konnte Raabs Methode nicht beurteilen, weil die Unterlagen nicht genügten. Nötig gewesen wäre eine wissenschaftliche Untersuchung.»

Hilfe ausgeschlagen
Trotz der andauernden Streitigkeiten bot der Kanton seine Hilfe an. «Wir haben den Kontakt mit einer norwegischen Firma hergestellt, die Anlagen für Elektrobetäubungen anbietet», sagt Giger. Raab jedoch ging nicht auf das Angebot ein. Auch eine weitere Bedingung, die der Unternehmer für eine seine definitive Wildtierhaltebewilligung hätte erfüllen müssen, wollte er nicht akzeptieren. Man habe von Raab verlangt, eine zusätzliche Person einzustellen, die für die Fischtanks verantwortlich sei, sagt Giger. Denn es sei nicht möglich, dass ein 70-jähriger, gesundheitlich stark angeschlagener Mann in der Lage sei, sich alleine um Millionen von Tieren zu kümmern.

Rekurs noch hängig
Hans Raab sprach von «absurden Auflagen und Schikane», reichte Rekurs ein. Dieser wird laut Giger behandelt, sobald der entsprechende Vorschuss bezahlt worden ist. «Die Frist läuft noch bis zum 15. April.» Der Kantonstierarzt glaubt aber nicht daran, dass Raab einen neuen Anlauf mit seiner Melanderzucht wagen wird. Für den Unternehmer grenzten die Auflagen an eine «Majestätsbeleidigung», die Schliessung sei dieses Mal wohl endgültig.

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