Lediglich 40 Prozent der Güter werden auf der Schiene transportiert

Auf dem Schweizer Bahnnetz geht es sehr eng zu und her: Regional-, Fern- und Güterverkehr kommen sich zunehmend in die Quere.

Christoph Zweili
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Der flächendeckende Güterverkehr, in verkehrspolitischen Diskussionen bisher fast ausschliesslich auf den alpenquerenden Verkehr und die Möglichkeiten zur Verlagerung von der Strasse auf die Schiene reduziert, rückt vermehrt auf die politische Agenda. Noch immer aber fährt eine Million Lastwagen durch die Schweiz, ein Drittel mehr, als das Gesetz erlaubt. Die Schweiz, das Vorzeigeland in ­Sachen Bahn, transportiert heute ­lediglich 40 Prozent der Güter auf der Schiene.
Laut Bundesamt für Statistik sind die Transportleistungen von 1980 bis 2017 um 87 Prozent angewachsen. Das Wachstum beim Güterverkehr wurde fast ausschliesslich auf der Strasse (plus 151 Prozent) realisiert, während jenes auf der Schiene nur wenig gestiegen ist (plus 30). Der so genannte Modalsplit hat sich also deutlich zu Gunsten der Strasse entwickelt: Der Anteil der Schiene im Güterverkehr sank von ­
53 Prozent im Jahre 1980 auf 37 Prozent im Jahre 2017.

Garantierte Zeitfenster für den Güterverkehr

Eine Studie des Bundes prognostiziert beim Personenverkehr eine Zunahme um 59 bis 83 Prozent. Auch der Schienengüterverkehr werde in den nächsten 20 Jahren um 35 Prozent wachsen. Das Bundesamt für Verkehr ist für die Fahrrechte der Personen- und Güterzüge zuständig – neue Instrumente sollen verhindern, dass der Güterverkehr bei Ausbauten des Personenverkehr-Angebots das Nachsehen hat. Wolle der Güterverkehr in der Konkurrenz um die Fahrtrassen nicht völlig abgehängt werden, brauche es garantierte Zeitfenster. Von der Branche gefordert wird zudem eine tägliche Betriebszeit von 18 (statt heute 15) Stunden für den Güter­verkehr. Schon heute ist klar: Wird er während der Stosszeiten total je vier Stunden blockiert, kann er sein Potenzial bis 2030 wegen Kapazitätsengpässen nicht ausschöpfen.

Die seit Anfang Jahr eigenständige Konzerngesellschaft SBB Cargo ist Schweizer Marktführerin im Schienengüterverkehr – im vergangenen Jahr ­absolvierte das Unternehmen laut eigenen Angaben 6,6 Milliarden Tonnen­kilometer, die Masseinheit entspricht der Beförderung einer Tonne über einen Kilometer. Das Unternehmen will den «System-Wagenladungs­verkehr» stärken. Der «kleinteilige Einzel-Wagenladungsverkehr» dagegen ist laut SBB Cargo «immer stärker unter Druck». Das Unternehmen will bis 2020 rund 330 der heute 2200 Stellen abbauen. Bis Ende 2023 sollen die Leistungen mit rund 800 Mitarbeitenden weniger als heute erbracht werden.

Im Kanton St.Gallen betrug das Güterverkehrsaufkommen ohne Durchgangsverkehr 2016 rund 37,7 Millionen Tonnen pro Jahr. Gemäss aktueller ­Güterverkehrsstrategie dominiert der Ziel-/Quellverkehr (zusammen mit dem Import/Export) mit 60 Prozent gegenüber dem Binnenverkehr mit 40 Prozent. Aufgrund der Lage des Kantons und der Konfiguration des Nationalstrassen- und Schienennetzes ist der Durchgangsverkehr enorm: Er beträgt rund 30 Millionen Tonnen pro Jahr, ­90 Prozent werden auf der Strasse abgewickelt – vorwiegend auf der A13 (Rheintal) sowie der A1 (St. Margrethen–Wil).
Knapp ein Drittel des Güterverkehrsaufkommens des Kantons St.Gallen entfällt auf die Region St. Gallen-Bodensee (31 Prozent, siehe Grafik). Die Region Toggenburg weist das geringste Aufkommen auf (3).