Lederhosen schrecken keine Bären ab

Silvan Lüchinger
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Der Fanclub der Rebsteiner Sonnenbräu hat mehr Mitglieder als das Dorf Einwohner. Ziel und Zweck des Vereins ist die Pflege der Rheintaler Bierkultur. Wer an der Hauptversammlung teilnimmt, kommt in den Genuss von Getränken nach Belieben und darf erst noch einen Gutschein für eine Kiste Bier nach Hause nehmen. Auch dieses Jahr kamen viele Fans in Dirndl oder Lederhosen ans Fest. Um zu verstehen, was Lederhosen mit Rheintaler Bierkultur zu tun haben, braucht es tatsächlich Bier à discrétion.

Die Swiss Football League hält es mit dem sterbenden Goethe. «Mehr Licht» verlangt sie vom FC Wil. Schafft er das nicht, droht wieder ein Punkteabzug. Unbestritten ist diese Forderung allerdings nicht. Mit einer stärkeren Beleuchtung sind längst nicht alle einverstanden. Nebst manchen Nachbarn des Stadions auch 19 von 40 Gemeindeparlamentariern. Sie wollen den Einsatz der Stadionbeleuchtung gar auf drei Nächte pro Woche limitieren. Am besten würde das Bergholz künftig als Friedhof genutzt. Über ein paar flackernde Kerzlein wird sich in der Äbtestadt niemand beschweren.

Die Stadtsanktgaller Grünliberalen sind nicht zufrieden mit dem Kandidatenangebot für die Ersatzwahl in den Stadtrat. Die gestandenen Herren Boris Tschirky von der CVP und Jürg Brunner von der SVP sind ihnen zu rechtsbürgerlich, die Grüne Ingrid Jacober politisiert ihnen zu links. Darum wollen sie selber mitmachen und den frei werdenden Sitz von Nino Cozzio mit einer Frau oder einem Mann der «progressiven Mitte» besetzen. Was die Grünliberalen unter progressiver Mitte verstehen, ist aus dem letzten Wahlkampf um das Stadtpräsidium in bester Erinnerung: Zuletzt nominieren und zuerst wieder aussteigen.

Wer eine Anlage für erneuerbare Energie plant, wird diese umso eher anschaffen, wenn er dafür keine Bewilligungsgebühr bezahlen muss. Das dachte sich vor langer Zeit auch die St . Galler CVP. 2007 hatte sie im Kantonsrat eine entsprechende Motion lanciert. Jetzt ist das Anliegen umgesetzt und die CVP ist glücklich. Schön, dass die Partei das noch erleben darf.

Der Arboner Stadtrat Peter Gubser hat es nicht mit den Innerschweizer Bergbauern. «Eine solche Wildheuerei können wir nicht akzeptieren», lässt er sich zitieren. Gubser meint damit allerdings nicht Ueli Zgraggen aus Bristen, sondern Gionatan Capuano aus Arbon. Dieser, Wirt im «Roten Kreuz» daselbst, hat nämlich eine Pergola gebaut. Mit Sonnendach, aber ohne Baubewilligung. Gekostet hat sie trotzdem 100000 Franken. Statt zu stänkern, sollte die Stadt den gastronomischen Betrieben mehr Sorge tragen, meint Capuano. Ob das nachträglich eingereichte Baugesuch bewilligt wird, ist offen. Falls nicht, müsste der Wirt seine Pergola abbrechen. Nach einem Blick in die Bibel könnte er auch sein Lokal umtaufen: «Jeder trage sein Kreuz.»

Im Val S-Charl bei Scuol hat ein Bär zwei Schafe gerissen. In Alaska hat ein Bär eine Gruppe Fischer angegriffen. Er wurde erschossen. Die Vereinigung zum Schutz der Weidetierhaltung und ländlichem Lebensraum Glarus, St. Gallen und beider Appenzell fragt sich besorgt, ob unbewaffnete Hirten auch bei uns gefährdet seien. Unbegründet ist die Sorge nicht. Im Rhein bei Schaffhausen sind zwei Schwimmer gebissen worden. Die Jagdverwaltung hat Warntafeln aufgestellt. Was für ein Tier zugebissen hat, ist bislang unklar. Sicher ist: Hirten sollten nicht mehr unbewaffnet in den Bergbach steigen. Bären können schwimmen.

Silvan Lüchinger

silvan.luechinger

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