Lebensqualität – wichtiger als Steuern

Das Rennen um den neuen Europa-Standort von Sigma-Aldrich dauerte zwei Jahre. Standortförderer Beat Ulrich zu den Faktoren, die St. Gallen zum Sieg verholfen haben.

Adrian Vögele
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Beat Ulrich (Bild: Reto Martin)

Beat Ulrich (Bild: Reto Martin)

Vielleicht gab das Kinderfest den Ausschlag: Beat Ulrich, Leiter Standortpromotion des Kantons St. Gallen, und Stadtpräsident Thomas Scheitlin erinnern sich beide mit Freude daran, dass schönes Wetter herrschte und gerade das Kinderfest stattfand, als sich die Sigma-Aldrich-Delegation die Stadt St. Gallen präsentieren liess. «Der erste Eindruck ist der wichtigste», ist Beat Ulrich überzeugt.

Werbung in den USA

Trotzdem boten Behörden- und Wirtschaftsvertreter, Uni-Professoren und weitere Beteiligte den Interessenten ein eineinhalbtägiges Programm, um sie vom Standort St. Gallen zu überzeugen. Darauf folgten weitere zwei Jahre harte Arbeit, bis der Konzern den Entscheid fällte. Unter anderem leistete eine St. Galler Delegation direkt am Hauptsitz des Unternehmens in den USA Überzeugungsarbeit.

Als Wohnregion präsentiert

«Die Lebensqualität an einem Firmenstandort ist einer der wichtigsten Faktoren für die Standortwahl – wichtiger etwa als günstige Steuern», sagt Ulrich. «Ein Konzern wie Sigma-Aldrich wird überall, wo er sich niederlassen möchte, günstige Steuerkonditionen angeboten bekommen.» Im Standortwettbewerb seien deshalb andere Kriterien entscheidend. Zum Beispiel die Verfügbarkeit von attraktivem Wohnraum oder die Ausbildungsmöglichkeiten. «Hier konnte St. Gallen trumpfen», sagt Ulrich.

Die HSG biete zudem Möglichkeiten der Zusammenarbeit und ein Reservoir für die Rekrutierung von Mitarbeitern. Da Sigma-Aldrich auch eine Niederlassung in München besitzt, waren die Verkehrsverbindungen dorthin ein weiteres wichtiges Kriterium – ebenso wie die Nähe zum Flughafen Zürich.

«Für uns ist diese Ansiedlung ein Meilenstein», bilanziert Ulrich.

Sie zeige – wie bereits die Investitionen von Würth oder Aldi –, dass der Kanton für internationale Firmen attraktiv sei.