«Lebensmittel wegzuwerfen ist eine Schande» – neue App startet in St.Gallen

Rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel in der Schweiz landen im Abfall statt auf dem Teller. Mit einer App sollen unverkaufte Esswaren kurz vor Ladenschluss vergünstigt verkauft werden. Nun starten auch erste St.Galler Geschäfte mit «Too Good To Go».

Raphael Rohner
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Gegen Food-Waste: Die App «Too Good To Go» startet in St.Gallen. (Bild: zvg)

Gegen Food-Waste: Die App «Too Good To Go» startet in St.Gallen. (Bild: zvg)

Die Regale sind voll. Frische Brötchen, Salate, Sushi, Gemüse und alles was das Konsumentenherz sonst noch begehrt, stehen kurz vor Ladenschluss noch in den Regalen. Doch was passiert mit den Lebensmitteln, wenn sie nicht verkauft werden bis zum Feierabend? «Leider werden die Lebensmittel meistens einfach entsorgt oder verwertet», sagt André Kälin von «Too Good To Go». Das sei unverantwortlich und so nicht tolerierbar. Kälin:

«Für mich und unser Team ist Food-Waste, also Essensverschwendung, etwas vom schlimmsten überhaupt. Dagegen kämpfen wir an. Lebensmittel wegzuwerfen ist eine Schande.»

Vor zwei Jahren wurde die App «Too Good To Go» in Dänemark lanciert und verbreitet sich nun in ganz Europa. Das Ziel: Mit der App können teilnehmende Lebensmittelhändler ihre Waren am Abend vergünstigt verkaufen, statt sie zu vernichten. Die Community wächst stetig: Allein im letzten Jahr wurden so über zwei Millionen Mahlzeiten verkauft.

45 Minuten vor Ladenschluss abholen

Das Konzept dahinter ist einfach: Man registriert sich mit seiner Mailadresse und sieht dann auf einer Karte, welche Bäckereien oder Geschäfte etwas übrig haben. Als Kunde bestellt man das Paket, bezahlt dieses via App und holt es 45 Minuten vor Geschäftsschluss ab. In den Paketen sind jeweils immer Produkte über dem Verkaufswert.

Zwei Bäckereien und ein Sushi-Geschäft machen mit

Diesen Montag startet Too Good to Go nun in St.Gallen. Für die Essensvermittler ein wichtiger Schritt: «Wir wollen in der ganzen Schweiz die verschwendeten Lebensmittel reduzieren. St.Gallen ist für uns wichtig, weil die Kunden hier besonders nachhaltig denken», sagt André Kälin.

In St.Gallen sind derzeit eine Bäckerei, eine Kaffeebar und ein Sushi-Geschäft dabei. Die Kaffeebar gehört der Valora-Gruppe: das Caffè Spettacolo am Bahnhof. Dort begrüsst man das Geschäftsmodell: «Auch wir wollen ein Zeichen gegen Food-Waste setzen», sagt Martin Zehnder von der Valora Gruppe. Es gehe bei der Aktion nicht darum, «alte Brötchen» zu verkaufen, sondern jene Produkte sinnvoll abgeben zu können, die am Abend nicht mehr verkauft werden können.

Wirte bekämpfen Foodwaste in ihren Restaurants

Ein halbes Steak, zwei Kartoffeln, etwas Gemüse: Schweizer Gastronomen werfen viel Essbares weg – 290000 Tonnen, Jahr für Jahr. Das ist auch viel Geld. Nun versuchen Serviceleute und Köche etwas ganz Neues. Sie erziehen ihre Gäste.
Ursula Wegstein