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Lebemann mit Kunstsinn

Kunstförderer Er hat das St. Galler Kunstleben mit seinem Charisma geprägt und vorangebracht. Jetzt ist HP Müller, langjähriger Präsident des Kunstvereins, 71jährig gestorben. Ein Nachruf. Ursula Badrutt Schoch
Lebe wohl, aber lebe: HP Müller (1939–2010) vor dem St. Galler Kunstmuseum in einer Aufnahme von 2007. (Bild: Philipp Baer)

Lebe wohl, aber lebe: HP Müller (1939–2010) vor dem St. Galler Kunstmuseum in einer Aufnahme von 2007. (Bild: Philipp Baer)

Er lebte die Lieben und liebte das Leben: ein leidenschaftlicher Mensch, ein Liebhaber von vielem. Jetzt ist er tot. Und das tut weh. HP Müller, Anwalt, langjähriger Präsident des Kunstvereins St. Gallen, engagierter Kämpfer für einen Erweiterungsbau des Kunstmuseums, wusste vom nahen Ende seines Daseins.

Es hat ihn nicht abgeschreckt. Im Gegenteil. Von Hader war kaum etwas zu spüren, wenn man ihm begegnet ist. Umso mehr von Humor. Und solange es ging, konnte man ihm begegnen. Denn Hans-Peter Müller, rundum einfach Hapee, liebte Gesellschaft, wenn Zeit dafür war.

Seinen Siebzigsten feierte er an einem frühen Julitag im letzten Jahr mit «einem abendlichen Umtrunk (deutsch: Apéro)» und bescherte einen weiteren angeregten Abend – nur kurze Zeit nach der Operation. Sein schelmisches Lächeln begleitete die Einweihung der Steinskulptur von Peter Kamm auf Drei Weieren, als die Blätter schon fast gefallen waren.

Auch der montägliche «Bubentisch» im «Baratella» ging munter weiter, das Essen und Trinken in Freundeskreisen auch an anderen Tischen.

Der Humorvolle

Nicht, dass er verdrängte, was er wusste. Und er wusste viel. Auch über seine Krankheit. Er habe sich erkundigt, wie es ist, mit einem Hirntumor, wie er ihn hat, zu sterben, erzählte er bei einer der letzten Begegnungen. Es war in Gestik und Wortwahl, als hätte man einen Comiczeichner vor sich. «Ich platze im Kopf, aber ich merke nichts mehr.»

Dass er immer und gerne und gut zeichnete, sei an dieser Stelle nur nebenbei angefügt, denn er selber gab sich bescheiden. Gemacht hat er es trotzdem. Genauso wie Gedichte geschrieben, in Versform des Lebens Ungemach und Heiterkeit zu Leibe gerückt.

Dass er die Lebensdauer, die ihm prognostiziert wurde, um einiges verlängern konnte, dass er auf ausgewählte Medikamente so gut ansprach, wusste HP Müller zu schätzen und zu nutzen.

Der Tifoso del vino

Jeder Tag, jede Stunde sei ein Geschenk, das er geniesse, sagte er und bestellte einen nächsten Wein, einen noch besseren. Und das Gegenüber dachte sich, dass die geschenkten Tage nicht nur den Medikamenten zu verdanken sind. Sondern dass ihn seine Fähigkeit lebendig hielt, das Leben so zu packen, dass er die um ihn herum mit seiner Begeisterungsfähigkeit mitriss.

Voll Tatendrang regte er an diesem Abend dort einen Atelierbesuch an, und jene Malerin wollte er auch mal noch kennenlernen. Die Neugierde und der Tatendrang waren ungebrochen.

Seinem Gesundheitszustand und seinem Sterben begegnete HP Müller mit jener Sachlichkeit, Offenheit, Interesse und Mut, die ihn ähnlich zuversichtlich auch mit vielen anderen Herausforderungen fertig werden liessen.

Der Kunstförderer

Eng verbunden sind seine enormen Verdienste für die Stadt St. Gallen mit dem Kunstmuseum. Als Präsident des Kunstvereins hat er nicht nur seine mitreissende Überzeugungskraft und Komplizenschaft als Teil der atmosphärischen Grundhaltung dem Museumsteam bleibend geimpft. Unter seiner Ägide und nicht zuletzt dank seiner Beziehungen in New Yorks Kunstwelt konnte das Profil des Museums in Sachen Malerei geschärft werden.

Ohne HP Müller, sein dreizehnjähriges Engagement als Präsident des Kunstvereins und weitere Jahre als Vorstandsmitglied und Vertreter der Stiftung St. Galler Museen wäre dem Kunstmuseum die Kategorie unerreichbar geblieben, in der es heute mitspielt.

Erinnert sei exemplarisch an die Ausstellung «Alpenpop», in der unter anderem Warhols «Big Retrospective Painting» zu sehen war, das die Dimensionen des Museums in jeder Hinsicht sprengte und das ohne die Vermittlungsarbeit

HP Müllers und seine langjährige Freundschaft mit Galerist Bruno Bischofberger nicht möglich gewesen wäre.

Ausgehend von den Zeitgenossen vertiefte sich HP Müller in die alten Meister und geriet ins Schwärmen. Der «Heilige Sebastian» von Antonello da Messina und seine «Ecce Homo»-Bilder, Tizian, Tintoretto, Vermeer, van Eyck, auch dafür schlug sein Herz.

Die Lust, für die Sache der Kunst einzustehen und mit Überzeugungskraft das Unmögliche zu wollen – und sei es nur ein Erweiterungsbau fürs Museum –, liessen ihn nicht ermatten.

Der Weltenwanderer

Er blieb auch bei Niederlagen ein Brückenbauer, unbefangen und dreist vermittelte er zwischen Etabliertem und Innovativem, Gestandenem und Visionärem, Diesseitigem und Jenseitigem. Abgetrampelte Pfade waren nie seine Sache. Weglos war sein liebstes Gehen, nicht ausweglos.

Wandernd, den Senken und Schrunden nach, zwischen Kamor und Fäneren, mal in Begleitung, gerne allein, auch so war er gelegentlich anzutreffen. Denn HP Müller liebte nicht nur Gesellschaft. Nicht nur die Kunst. Nicht nur die Arbeit. Auch die stotzigen Hänge, die verwunschenen Flussläufe und das Pilzen haben es ihm angetan. Bei letzterem konnte er verstockt werden, wie jeder ungeschwätzige Liebhaber. Pilze finden, so sagte HP Müller, tun nur jene, die das Auge haben, das auch der Kunst gewachsen ist.

Die Morcheln von diesem Frühjahr sammelt er nicht mehr. Aber jede Morchel, jeder Pilz bindet die Erinnerung an HP Müller.

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