Lausbubenstreich oder Corona-Kunstaktion? Unbekannte maskieren Kreisel-Menschen in Widnau

In der Gemeinde Widnau sind kürzlich rund zwei Dutzend Holzmenschen in einem Kreisel mit Gesichtsmasken dekoriert worden. Im Dorf rätselt man, wer hinter der Aktion steht - und man schüttelt die Köpfe.

Raphael Rohner
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Alle Holzmenschen im Kreisel zischen Widnau und Diepoldsau tragen Masken.

Alle Holzmenschen im Kreisel zischen Widnau und Diepoldsau tragen Masken.

Bilder: Raphael Rohner

Verkehrsteilnehmern, welche die Autobahn A13 derzeit bei der Ausfahrt Widnau verlassen, wird die Coronakrise unweigerlich vor Augen geführt. Die hölzernen Bauernkinder, die auf der oval angelegten Insel im Verkehrskreisel mit ihren Kühen stehen, jubeln allesamt hinter Gesichtsmasken den Autofahrern entgegen. Oder reissen sie die Hände zu einer Warnung in die Höhe? Auch die restlichen 23 Figuren im Kreisel sind maskiert. Sauber wurde jeder Figur im Kreisel eine Gesichtsmaske verpasst.

Autofahrer machen Fotos der Figuren

Die groteske Szene sorgt für Aufsehen. Ein Auto mit Thurgauer Nummer hält hinter dem Kreisel an, parkiert, und ein Fotograf steigt aus: «So etwas sieht man auch nicht alle Tage, das muss ich festhalten», sagt er und läuft rasch über die Strasse zu den Männlein hin, zückt seine Fotokamera und knipst drauflos. Auch andere Autofahrer halten kurz inne und schiessen Fotos.

Der Künstler, der die Holzfiguren erschaffen hat, heisst Markus Buschor. Er musste schmunzeln, als er von den Masken erfuhr:

«Diese Aktion ist doch witzig und bringt die Menschen zum Lachen. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, dass man lacht»

Buschor glaubt, dass Lachen eine gute Möglichkeit sei, die aktuellen Geschehnisse zu verarbeiten. In seinem Atelier hängt eine Tafel mit dem Satz: «Immer, wenn du lachst, stirbt irgendwo ein Problem.» Er sei auf alle Fälle nicht der Urheber der Gesichtsmasken im Kreisel, und er habe auch keine Ahnung, wer dahinter stecken könnte.

11 Bilder

Bilder: Raphael Rohner

Entfernen werde er die Masken nicht: «Das wird jene Person, welche diese Masken da angebracht hat, bestimmt selbst tun. Da ist mein Glaube an den Menschen mit seinem Verantwortungsbewusstsein sehr hoch.»

Ein Denkzettel für die Menschen?

Auch im Dorf rätselt man derzeit über die Herkunft der Masken. Eine Frau kritisiert die Aktion: «Diese Witzbolde hätten die Masken besser den Leuten gegeben, die sie dringend nötig haben, anstatt sie einfach so zu verblöden.» Andere Widnauer finden die Idee nicht so schlimm: «Immerhin zeigt die Kunst die aktuelle Lage der Welt. Ist halt so», sagt ein Passant auf der Strasse.

Auch eine Autofahrerin hat die Masken an den Holzfiguren kürzlich bemerkt: «Da hat sich jemand kreativ betätigt und uns einen Denkzettel verpasst.»