Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die Kandidatur von Karin Keller-Sutter fördert Spekulationen: Erwartet wird ein bürgerlicher Dreikampf um den FDP-Ständeratssitz

Die mögliche Wahl von Karin Keller-Sutter in den Bundesrat befeuert Spekulationen im Kanton St.Gallen über ihre Nachfolge im Ständerat. Ambitionen werden gleich mehreren Regierungsmitgliedern nachgesagt.
Regula Weik, Christoph Zweili

Beni Würth ist ein gefragter Mann. Dieser Tage nicht primär wegen seines Jobs als Finanzchef des Kantons St. Gallen. Seine gestrige Zahlenjongliererei – eine perfekte Nummer mit erfolgreichem Ausgang – ging fast unter. Weit mehr und über die Kantonsgrenzen hinaus interessiert der CVP-Regierungsrat seit einigen Wochen aus anderem Grund: Er wird immer wieder als Bundesratskandidat gehandelt. Er selbst hat sich dazu bislang nicht geäussert. Oder doch? War da zwischen den Zeilen eine klare Absicht herauszulesen? War jene Anspielung eine Ansage? Das Werweissen geht weiter. Während Würth in St. Gallen die Kantonsfinanzen präsentiert, kündigt in Wil Karin Keller-Sutter ihre Bundesratskandidatur an. Zufall? Absicht? Auch darüber darf munter spekuliert werden.

Obwohl Würth einer der meistgenannten Bundesratskandidaten der CVP ist: Die nationale Konkurrenz ist gross, seine Chancen mässig. Weit erfolgreicher könnte für ihn ein anderer Weg nach Bern sein: Wird Karin Keller-Sutter Bundesrätin, kommt es im März 2019 zur Ersatzwahl in den Ständerat. Und da dürfte Beni Würth gute Chancen haben – und die FDP das Fürchten lehren. Und Bauernpräsident und Nationalrat Markus Ritter? Er werde dem Regierungsrat den Vortritt für die kleine Kammer lassen, sind sich Parteikollegen einig. Ritter sei mit seinem Bauernmandat ohnehin ein Schwergewicht in der nationalen Politik.

Als Olma-Direktor ist Nicolo Paganini über die Ostschweiz hinaus bekannt und schüttelt mindestens einmal pro Jahr einem Bundesrat die Hand: an der Messeeröffnung. Allfällige Wechselwünsche von ihm dürften dennoch Stirnrunzeln auslösen; er gehört erst seit Frühling dem Nationalrat an.

Die FDP steht vor zahlreichen Vakanzen

Selbstverständlich werden die Freisinnigen ihren Ständeratssitz verteidigen wollen, bloss mit wem? Nationalrat Walter Müller, verschiedentlich als Sesselkleber bezeichnet, ist deswegen noch immer verletzt und ringt mit seiner politischen oder nicht-mehr-politischen Zukunft. Anzeichen, dass er sich diesen Herbst noch erklären will, gibt es. Doch was wird der 70-jährige Bauer aus Azmoos kundtun? Dass er zurücktreten wird? Vorzeitig? Regulär? Oder, dass er 2019 nochmals antreten wird? Ein Hoffnungsträger der FDP ist der Rapperswiler Senkrechtstarter Marcel Dobler. Der Nationalrat scheint in Bern rasch Fuss gefasst zu haben, doch diesseits des Rickens ist der Unternehmer wenig bekannt. Und: Nach dem fulminanten Start in der Politik ein ebenso rassiger Wechsel der Kammer in Bern dürfte parteiintern wie parteiextern Skeptiker auf den Plan rufen.

Kantonsweit bekannt ist dagegen Marc Mächler – doch nach erst zwei Jahren im Regierungsrat ist seine frühzeitige Absage an Bern verständlich und wohl auch ernst gemeint. Die Partei dürfte das nicht ungern gehört haben, denn: Ihr zweiter Regierungsrat, Martin Klöti, hat schon länger seinen Rücktritt auf Ende der laufenden Legislatur angekündigt. Innert weniger Monate gleich zwei Regierungsräte ersetzen zu müssen, wäre nicht nur für die FDP eine schier unlösbare Aufgabe – auch wenn deren Präsident immer wieder den guten Personalbestand der Partei betont. Gut möglich, dass die FDP einen erneuten Coup mit einem Unternehmer probiert. Wie auch immer: Die Partei hat in nicht mehr allzu grosser Ferne auch das höchste kommunale Amt im Kanton zu verteidigen, das St. Galler Stadtpräsidium.

SVP liess bislang keinen Ständeratswahlkampf aus

Vieles deutet darauf hin, dass sich um den FDP-Ständeratssitz ein bürgerlicher Dreikampf entwickelt.

Die SVP wird die erneute Möglichkeit, einen der beiden St. Galler Ständeratssitze zu ergattern, kaum an sich vorbeiziehen lassen – fünfmal ist sie beim Versuch bereits gescheitert. Der Rorschacher Stadtpräsident und Nationalrat Thomas Müller – er war im November 2015 Paul Rechsteiner unterlegen – dürfte für die Partei keine Option mehr sein; Müller wird im Dezember 66. Und auch Toni Brunner wird kaum noch einmal in den Ständeratsring steigen; obwohl schweizweit bekannt und bestens vernetzt, hat der Toggenburger Bauer und Nationalrat diesen bereits zweimal als Verlierer verlassen.

Anders ist die Ausgangslage von Brunners Lebenspartnerin Esther Friedli. Sie hatte – quasi über Nacht aus dem Hut gezaubert – in den letzten Regierungsratswahlen mehr als einen Achtungserfolg erzielt. Sie könnte locker in einen Ständeratswahlkampf einsteigen – und diesen bei einer Niederlage als Trainingslager für den nächsten Sturm auf die Regierung abbuchen. Ein Name, der ab und zu auch fällt, ist jener des Oberrieter Nationalrats Roland Rino Büchel. Er hat sich als Fifa-Kritiker national Respekt verschafft, ist sprachgewandt und jovial. Berner Ambitionen werden immer wieder auch Regierungsrat Stefan Kölliker nachgesagt. Der Zeitpunkt ist für den Bildungschef nicht der günstigste; er hat derzeit mehr als eine offene Baustelle. Angefangen bei der HSG, die wegen unrühmlichen Verhaltens einiger ihrer Professoren diesen Sommer wiederholt negative Schlagzeilen schrieb, über den geplanten Campus der Universität am Platztor, der IT-Bildungsoffensive bis hin zum Campusprojekt in Wattwil. Dem Bildungschef stehen nächstes Jahr einige wichtige Volksabstimmungen ins Haus; der Verzicht auf allfällige Erfolge an der Urne dürfte Kölliker nicht leicht fallen.

Vorläufig zurücklehnen und das bürgerliche Gerangel aus Distanz beobachten, kann die St. Galler SP. Ihr Mann im Stöckli, Paul Rechsteiner, hat bereits vor längerem angekündigt, 2019 wieder anzutreten. Die Kampfeslust des abtretenden Gewerkschaftschefs ist ungebrochen – erst recht, falls ihn die Bürgerlichen ins Visier nehmen. Sollte Rechsteiner unerwartet in Trauer über die Trennung von Karin Keller-Sutter seinen Entscheid revidieren, stünde Nationalrätin Barbara Gysi parat. Oder auch Regierungsrätin Heidi Hanselmann. Die Gesundheitschefin führt derzeit mit vollen Einsatz einen neuen «Spitalkampf» im Kanton, ein nationaler Wahlkampf käme ihr da ziemlich in die Quere.

Läuft St. Gallen die Regierung davon? Kaum. Und selbst wenn sie es wollte, wird es nicht soweit kommen. Es gibt nur zwei St. Galler Sitze im Ständerat.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.