«Lasst euch nicht zu sehr mitreissen»

ARBON. Das schöne Wetter und eine Schar in Ehren ergrauter Rockbands haben am Freitag 11000 Zuschauer ans SummerDays Festival gelockt.

Michael Gasser
Drucken
Teilen
Nur noch ausnahmsweise auf einem Bein: Ian Anderson gestern auf der SummerDays-Bühne. (Bild: Urs Bucher)

Nur noch ausnahmsweise auf einem Bein: Ian Anderson gestern auf der SummerDays-Bühne. (Bild: Urs Bucher)

ARBON. Sieht man von den deutschen Rock'n'Rollern The Baseballs ab, die für Mitternacht angekündigt sind, präsentiert sich das Programm am ersten Tag des 7. SummerDays Festivals als Altherren-Event. Dass Acts wie Fish, Ian Anderson oder Alan Parsons ihre kreativsten Tage längst hinter sich haben, wird niemand ernsthaft bestreiten. Aber der Nostalgiefaktor ist hoch und das Schwelgen in den guten alten Zeiten oberstes Gebot.

Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
69 Bilder
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sunrise Avenue in Aktion. (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Milky Chance auf der Bühne am See. (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Müslüm trotzt der Hitze im gelben Anzug. (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
Rockten wie in alten Zeiten: Deep Purple. (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
Alan Parson Live Project bei ihrem Auftritt. (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
Der Mann mit der Querflöte: Ian Anderson von Jethro Tull. (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
Der schottische Musiker Fish, Ex-Sänger von Marillion. (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)

Sommerdays (Bild: Donato Caspari)

Auftakt mit Fish

Der Konzertauftakt an der Arboner Seepromenade gebührt dem einstigen Leadsänger von Marillion, Derek William Dick, besser bekannt als Fish. Mit seinem akkurat gestutzten Bart sieht der Schotte eher aus wie ein hilfsbereiter Buchhändler als ein Rockstar, doch das täuscht. Die Stimme des 57-Jährigen hat seit den Hitparadenerfolgen in den frühern 80er-Jahren wenig von ihrer Modulationskraft eingebüsst. Als das Mikrophon unversehens auf stumm schaltet, nimmt er es mit einem Schulterzucken und einem freundlich ausgestossenen «Scheisse» zur Kenntnis.

Als alles wieder funktioniert, setzt er mit seinen Begleitern zur Erfolgssingle «Kayleigh» an, die immer noch Strahlkraft besitzt. Andere Stücke wie «Heart Of Lothian» wirken mit ihrem stilistischen Wildwuchs minimal angestaubt, vermögen die insgesamt 11 000 Zuschauer aber gleichwohl in ihren Bann zu ziehen.

Um 18 Uhr folgt eine einstündige Musiklektion mit Ian Anderson und Band. Der Brite, der Folk mit Klassik und Hard-Rock-Elementen mischt, geht auf das Schaffen seiner 1967 gegründeten Formation Jethro Tull ein und erzählt Anekdoten zu Liedern wie «Thick As A Brick» oder dem bei Johann Sebastian Bach entlehnte «Bourée». Der 68-Jährige zeigt sich bei seinem Flötenspiel so konzentriert, dass ihm öfters die Röte in den Kopf schiesst. «Lasst euch nicht zu sehr mitreissen. Nicht in eurem Alter», kalauert Anderson – ein kleiner Seitenhieb auf das mehrheitlich nicht mehr ganz jugendliche Publikum. Als Zugabe gibt's «Locomotive Breath». Der Klassiker von Jethro Tull wird – wie das ganze Set – artig vorgetragen, kann aber eine gewisse Blutleere nicht verbergen.

Ausgereift und gepflegt

Als Alan Parsons und seine sieben Mitmusiker die Bühne betreten, steht der Fastvollmond bereits am Himmel. Der Engländer, der auf dem Beatles-Album «Abbey Road» für den Sound mitverantwortlich zeichnete, ist ein Tüftler. Entsprechend ausgereift und gepflegt ist das gebotene Klangbild seiner Formation, die sich Alan Parsons Live Project nennt. Die Gitarren summen entschlossen und dazu wird heiserer Gesang kredenzt. Nur ausnahmsweise sieht sich der 66-Jährige dazu bemüssigt, selbst ans Mikrophon zu schreiten. Verständlich, denn seine Stimme ist dünn. Dennoch: Mit seiner Komposition «Eye In The Sky» sorgt er für einen abendlichen Höhepunkt.

Keine Altersmilde

Dann ist die Reihe an den Headlinern, Deep Purple. Die Band, seit 1968 im Geschäft, soll bis dato über 100 Millionen Tonträger verkauft haben. Als nicht minder beeindruckend erweist sich der Auftritt der Gruppe um den giftig singenden Ian Gillan (70). Die Briten kreieren Dichtes, holen kaum Atem und gehen mit wuchtiger Orgel und Gitarren vor. Besonders gelungen: «Strange Kind Of Woman». Deep Purple lassen erkennen, dass sie nichts von Altersmilde halten. Und das ist gut so.

Am Samstag kommt am zweitägigen SummerDays die jüngere Garde zum Zug: Das Line-up mit dem Pop-Duo Carrousel, dem Rap-Satiriker Müslüm oder dem Soul- und Rock-Darling Jan Delay verspricht viel Unterhaltsames – bei sonnigem Wetter und Temperaturen über dreissig Grad. Noch gibt es Tickets.